Leserbriefe

"Unzeitgemäße Ausbildung"

Es ist schon sehr seltsam, wenn jungen Anwärtern abverlangt wird, bis in 45 Meter Höhe zu klettern. Das entspricht dem Klettern an einem veritablen Hochhaus. Wenn dann auch noch nach einem tödlichen Unfall verlangt wird, erneut in diese Höhe zu klettern, so muss man sich fragen, ob die jetzige Stammbesatzung und nicht etwa die jungen Offiziersanwärter versagt haben. Hier haben doch wohl offenkundig Vorgesetzte gegen die Fürsorgepflicht verstoßen, die sie gegenüber den ihnen Unterstellten haben. Sollte sich zudem bewahrheiten, dass es auch noch zu sexuellen Belästigungen gekommen ist, zu denen auch entsprechende Verbalattacken zählen, so sind die Schuldigen unverzüglich und unehrenhaft aus der Bundeswehr zu entlassen. Ihre Unfähigkeit, Menschen verantwortungsvoll zu führen, haben sie jedenfalls bewiesen.

Guido Werner, Kladow

Wenn Führungskräfte nicht mehr führen können, wenn sie das, was sie ihren Untergebenen abverlangen, nicht einmal selbst vorleben können, sollte man sich immer dagegen auflehnen. Meuterei ist für mich lediglich ein Schutzbegriff einer Führungselite.

Bernd Luka, per E-Mail

Die Schilderung des früheren Offiziersanwärters öffnet den Blick auf einen Hort von Ignoranz, Menschenverachtung und Kommissgeist. Was würde die Allgemeinheit denken, wenn in irgendeiner Ausbildungskompanie alle paar Monate ein Rekrut bei der Schießausbildung ums Leben käme? Die Toten von der "Gorch Fock" zeigen, dass Kommandeur und Stammbesatzung ungeeignet für den Dienst in einer Ausbildungseinheit sind. Und die Ausbildung selbst ist völlig sinnlos geworden. Die Fähigkeit, in die Takelage eines Großseglers zu klettern, benötigt seit Einführung des Dieselmotors auf deutschen Kriegsschiffen vor rund 100 Jahren kein deutscher Marineoffizier mehr. In einer Zeit, in der auch bei der Bundeswehr immer mehr gespart werden muss, sollte es da nur eine Konsequenz geben: die Ausmusterung der "Gorch Fock" und ihrer Stammbesatzung. In den Ausbildungseinheiten der Handelsmarine hat man das nach dem tragischen Untergang der "Pamir" vor mehr als 50 Jahren bereits getan. Die Heimfahrt der "Gorch Fock" aus Südamerika sollte ihre letzte im Dienst der Bundesmarine sein.

Ralf Drescher, per E-Mail

Was sind das nur für vorsintflutliche Ausbildungsmethoden, bei denen junge Menschen Kopf und Kragen riskieren müssen und sogar ihr Leben verlieren können? Dem käme es in etwa gleich, wenn Infanteristen an Säbeln, Panzerfahrer auf Pferden oder Piloten in Fesselballons ausgebildet würden. Um den Marineoffiziersanwärtern das Grundzeug der nautischen Ausbildung zu vermitteln, bedarf es keiner derartig mit Risiken verbundenen Fahrt auf einem betagten Segelschulschiff. Solche Törns sollten Romantikern und betuchten Abenteurern vorbehalten bleiben, die für derartige Erlebnisse ordentlich blechen können, damit sie von professionell geschultem Personal sicher über die Weltmeere geschippert werden können.

Sebastian Friedel, Pankow

Finanzminister stecken in einer Zwickmühle

Zum Artikel "Lieber gründlich als schnell - EU-Staaten müssen Euro-Rettungsfonds reformieren" vom 19. Januar

Der Euro wackelt. Dies tun auch die Finanzminister der beteiligten Staaten. Sie wissen, dass die bisherigen Maßnahmen zu dessen Stabilisierung nicht ausreichen, aber erkennen auch, dass ihnen allmählich das Pulver ausgeht. In dieser Zwickmühle spielen sie auf Zeit. Man kann schon jetzt sicher sein, dass weitere Erschütterungen des Währungsgefüges kommen werden. Warum praktizieren die Staaten nicht endlich das, was wirksam wäre: eine gemeinsame Wirtschafts-, Finanz- und Steuerpolitik der Eurostaaten.

Jürgen Böck, per E-Mail

Ähnliche Versäumnisse wie bei der S-Bahn

Zum Artikel: "Schlaglöcher: Bezirke fordern 40 Millionen Soforthilfe vom Senat" vom 20. Juli

Berlins Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD) prangert zu Recht mangelnde Wartung und Instandhaltung sowie fehlende Investitionen bei der Berliner S-Bahn an, die Ursache für den maroden Gesamtzustand sind. Sie müsste dabei allerdings auch erkennen, dass sie sich auf einem Niveau mit Bahn-Chef Rüdiger Grube und S-Bahn-Chef Peter Buchner befindet. Die durch sie mitvertretene Sparpolitik des Senats in den vergangenen Jahren hat zu dem verheerenden Straßenzustand geführt. Über Jahre wurde nicht in Instandhaltung investiert, sondern nur Schlaglochkosmetik betrieben.

Holger Schwabe, per E-Mail

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