Leserbriefe

"Mehr Probleme als Nutzen"

Der Vorstoß der Industrie- und Handelskammer Berlin ist sehr zu begrüßen. Der Deutschen Bahn muss endlich klargemacht werden, dass dauernde Entschuldigungen alleine nicht geeignet sind, die durch lange Wartezeiten und überfüllte Züge genervten Fahrgäste zu beruhigen. Anstatt längst fälliger Verbesserungen gibt es seit dieser Woche wieder einen neuen Notfahrplan für Potsdam und Hennigsdorf mit neuen Einschränkungen. Nur durch eine teilweise Ausschreibung einzelner S-Bahn-Strecken kann den Bahn-Managern deutlich gemacht werden, dass es so nicht weitergeht. Auch das Hin- und Herschieben der Verantwortung zwischen Deutscher Bahn und Herstellern führt hier nicht weiter. Deshalb ist nur dringend vor einem landeseigenen Fahrzeugpark für die S-Bahn zu warnen. Das würde nur einen weiteren Schuldigen schaffen und den Ländern Berlin und Brandenburg die Möglichkeit nehmen, wenigstens die Zuschüsse für nicht erbrachte Beförderungsleistungen wie bisher zu kürzen. Mit dem neuen Notfahrplan drängt sich für mich der Eindruck auf, dass die einbehaltenen Zahlungen über eingesparte Personalkosten jetzt teilweise kompensiert werden sollen.

Dietrich Wust, per E-Mail

Mischbetrieb von S-Bahnen und anderen Zügen auf denselben Gleisen ist nichts Neues. Dies belegt zum Beispiel die Münchner S-Bahn, deren Entstehung und späterer Erfolg ohne die auf einigen Strecken noch immer praktizierte Nutzung der bestehenden "Ferngleise" undenkbar gewesen wäre beziehungsweise ist. Mischbetrieb fand - und findet vereinzelt - auch in Berlin auf diversen S-Bahn-Strecken statt.

Tom Brown, per E-Mail

Unsere politische Führung in Berlin hat leider nichts aus den Fehlern mit der Privatisierung der Bewag/Vattenfall und den Wasserbetrieben gelernt. Für den Bürger ist es ausschließlich teurer, aber nicht unbedingt besser geworden. Ich halte es für sinnvoller, den Druck auf die Deutsche Bahn zu verstärken und die Aufsichtsräte auf ihre Pflichten hinzuweisen. Es kann doch nicht sein, dass Missstände von diesem Personenkreis toleriert werden und für Small Talk noch Sitzungsgelder kassiert werden.

Jürgen Fiedler, Marienfelde

Der Vorschlag der Industrie- und Handelskammer, die S-Bahn in ihrer jetzigen Form zu zerschlagen, schafft mehr Probleme, als dass sie sie löst. Deshalb hat sich die Christlich-Demokratische Arbeitnehmerschaft Berlin (CDA), der Arbeitnehmerflügel der CDU, schon im vergangenen Jahr dagegen ausgesprochen. Ein solcher Vorschlag ist nach Auffassung der CDU-Sozialausschüsse ausgesprochen arbeitnehmerfeindlich. Bisher haben die Kollegen, anders als viele Beschäftigten bei den in der Region tätigen Privatbahnen, auskömmliche Löhne. Das muss so bleiben. Und natürlich kostet eine solche Zerschlagung Arbeitsplätze. Die S-Bahn-Krise kann und darf nicht weiter zulasten der Arbeitnehmer gehen, die trotz Versagen von S-Bahn GmbH, Deutsche Bahn AG und Berliner Senat täglich bei Wind und Wetter unter zum Teil schwierigen Bedingungen ihre Arbeit machen.

Joachim Specht, per E-Mail

Mehrwertsteuerzugewinne für Instandsetzung nutzen

Zum Artikel: "Schlaglöcher verschlingen Hunderte Millionen Euro" vom 20. Januar

Der Staat hat überhaupt kein Interesse daran, dass die Benzinpreise niedrig bleiben. Es wird immer wieder vergessen, dass nicht nur die sogenannte Ökosteuer (in Wahrheit Rentensteuer) im Spritpreis enthalten ist, sondern natürlich auch die Mehrwertsteuer. Damit kassiert unser Staat von jeden Cent Preiserhöhung knapp ein Fünftel, und dieses Geld verschwindet im Staatshaushalt. Es wäre ja noch zu verstehen, wenn diese Beträge zur Sanierung unserer maroden Straßen eingesetzt würden, aber dafür müssen die Bezirke beim Senat noch betteln gehen.

Dr. Klaus Pade, per E-Mail

Irrelevante Entlastungen sorgen für Verdruss

Zum Artikel: "Arbeitnehmer zahlen 2011 weniger Steuern" vom 20. Januar

Wenn der Hartz-IV-Satz um nur fünf Euro monatlich angehoben wird, geht ein Aufschrei der Entrüstung durch Deutschland. Wenn aber Arbeitnehmer, die mit ihren Steuern die Hartz-IV-Empfänger, die Politiker und die Befriedigung der Bedürfnisse der Gesellschaft mitfinanzieren, eine Steuerersparnis von drei Euro monatlich zugestanden bekommen, wird dies als Entgegenkommen der Regierung verkauft. Da ist es nicht weiter verwunderlich, wenn die leistungsbereiten Mitbürger das Land verlassen. Wer bezahlt denn, wenn die Leistungsträger weg sind?

Ilse Seikowski, per E-Mail