Leserbriefe

"Frauenquote durchaus sinnvoll"

Das Ergebnis der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt nicht überraschend und könnte noch um den Mangel von Personen mit Migrationshintergrund in den Führungsetagen vieler Unternehmen erweitert werden. Denn hier gilt oft eine Cliquen-Bildung nach dem Prinzip "Gleich und gleich gesellt sich gern". Weswegen wiederum viele Akteure sowohl in Vorständen als auch Aufsichtsräten verschiedener Firmen zu finden sind, obwohl sie damit Interessenskonflikte provozieren. Weshalb es dringend an der Zeit ist, den Reformstau in der deutschen Wirtschaft durch eine Quote nach skandinavischem Vorbild zu beheben. Zumal die Erfahrung aus anderen Bereichen wie etwa dem Sport lehrt, dass heterogen zusammengesetzte Teams meist viel erfolgreicher agieren, da sie addiert über deutlich mehr Erfahrung verfügen. Was gerade für global tätige Konzerne, wo es darauf ankommt, Situationen von möglichst vielen verschiedenen Blickwinkeln aus zu betrachten, von erheblichem Vorteil ist.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Wenn Politikerinnen und hier und da auch Politiker dieses Ungleichgewicht erkennen und von den Unternehmen fordern, endlich zu handeln, ist das gut und richtig. Aber auch in der öffentlichen Verwaltung, für deren Personalpolitik sie selbst die Verantwortung tragen, sieht es häufig nicht besser aus. Etwa in den Berliner Finanzämtern, deren Frauen ich vertrete: Etwa 70 Prozent der Beschäftigten sind weiblich, aber gerade einmal fünf der 23 Finanzämter werden von Frauen geführt. Und das, obwohl im öffentlichen Dienst seit 20 Jahren das Landesgleichstellungsgesetz gilt. Wir kommen also selbst mit gesetzlicher Hilfe in Sachen Chancengleichheit nur langsam voran, da wird es allein mit Freiwilligkeit zur Erhöhung des Frauenanteils in Führungspositionen nicht funktionieren. Solange nur Männer die wichtigen Personalentscheidungen treffen, werden auch weiterhin als typisch männlich geltende Eigenschaften positiver bewertet und eher weibliche Eigenschaften abqualifiziert. Dazu gehören auch Erwerbsbiografien von Frauen, die viel häufiger von familien- und pflegebedingten Unterbrechungen geprägt sind. Wir brauchen eine gesetzliche Regelung, die auch für die private Wirtschaft gilt. Und die Überzeugung muss sich durchsetzen, dass mehr Frauen in Führungspositionen ein Gewinn für die ganze Gesellschaft sind. Eine Quote kann hier ein gutes Mittel sein.

Susanne Bewersdorf, Gesamtfrauenvertreterin für die Berliner Finanzämter

Das Ergebnis der Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung ist eine Ernüchterung für alle, die glaubten, die Gleichberechtigung in unserem Lande sei auf einem guten Weg. Allein die Tatsache, dass es in der Spitzenpolitik, etwa in der Riege der Bundesminister, eine weit bessere Frauenquote als in vielen Führungsebenen der Wirtschaft gibt, hat den Blick auf das noch immer vorhandene Dilemma vernebelt. Starre Männerhierarchie in Unternehmen wird nicht wie selbstverständlich sukzessive durch Frauen ergänzt. Dort herrscht immer noch archaische Männerwirtschaft, der nur mit dem guten Willen und verbindlichen Beschlüssen, die Frauenquote zu erhöhen, kurzfristig und erfolgversprechend begegnet werden kann.

Brigitte Semmler, Dahlem

Denunzianten und Verräter gehören nicht in die Parlamente

Zum Artikel: "Gysi relativiert das Stasi-Problem von Linke-Chefin Lötzsch" vom 20. Januar

Ein Feind der Demokratie ist die Linke, die ihre kommunistischen Ideale noch nicht aufgegeben hat. Wir brauchen keine modernisierte SED. Abgeordneten, denen eine Stasi-Mitarbeit nachzuweisen ist, muss das Mandat aberkannt werden. Denunzianten und Verräter, die im Auftrage des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR hauptberuflich oder als IM tätig waren, gehören nicht in die deutschen Parlamente.

Bernd Heinicke, per E-Mail

Kudamm nicht in mittelmäßiger Architektur versinken lassen

Zum Artikel: "Kudamm-Bühnen: Entscheid gescheitert" vom 17. Januar

Unabhängig vom missglückten Entscheid stellt sich mir zum Bau des Shopping-Centers eine Frage. Braucht Berlin wirklich noch ein neues und wahrscheinlich langweiliges Center, mit den ewig gleichen Handelsketten ohne Abwechslung? Jeder Bezirk hat Shopping in Center eingebunden. Allein die Schloßstraße wird zugepflastert mit bestehenden und noch zu bauenden langweiligen Einkaufsmeilen, ohne jedes Highlight. Kudamm und Tauentzien haben die großen Kaufhäuser. Wozu also noch mehr? Es muss alles versucht werden, den Kudamm nicht in mittelmäßiger und eintöniger Architektur versinken zu lassen.

Lothar Otterstätter, Mariendorf