Leserbriefe

"Ein Lehrer braucht Autorität"

Frau Sarrazin wird vorgeworfen, autoritär und leistungsorientiert zu arbeiten. Es ist selbstverständlich die Pflicht eines jeden Lehrers, von Schülern Leistung und ein angemessenes Verhalten zu verlangen. Dass Eltern es für richtig halten, mit ihrer Kritik an die Öffentlichkeit zu gehen, statt mit der Lehrerin selbst auftretende Probleme zu besprechen, zeigt, wie wenig sie zur Kooperation bereit und in der Lage sind. Zum Wohle der Kinder ist eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen Eltern und Lehrern unabdingbare Voraussetzung. Diese Vertrauensbasis ist durch das unangemessene Verhalten einiger Eltern zerstört worden.

Peter Barth, per E-Mail

Mir scheint, dass hier eine Kampagne gegen eine gute Lehrerin losgetreten wird, um sie loszuwerden. Wahrscheinlich bringt sie den Kindern Dinge bei, die heute nicht mehr üblich sind. Immerhin sind ja auch einige Eltern von den Methoden der Frau Sarrazin überzeugt.

Wolfgang Reichelt, per E-Mail

Die Debatte zeigt, dass es auch im Bildungssystem Klärungsbedarf gibt, wie Erziehung und Bildung zum Wohle des Kindes funktionieren sollte. Dass der seit mehr als 20 Jahren immer größer gewordene Einfluss der Eltern und die damit verbundene Schwächung des Lehrerstandes nicht zum Segen des Bildungssystems geführt hat, wissen alle Beteiligten. Es hat keine Entwicklung stattgefunden, die zu eindeutigen Rahmenbedingungen für Leistungsbereitschaft, Disziplin und Respekt auf Schülerseite geführt hätte. Eher gegenteilige Verhaltensweisen bestimmen an vielen Schulen den Alltag. Seit Jahren produziert der Elternwille aus falsch verstandenem Ehrgeiz an den Berliner Gymnasien jeweils etwa 600 Schüler, die die Probezeit nicht bestehen. Hinzu kommen in noch höherer Zahl Schüler, die am Gymnasium gerade noch die Kurve bekommen, sich aber mit viel Frust durch den schulischen Alltag schleppen und ständig den Unterrichtsbetrieb stören. Frau Sarrazin versucht mit mehr oder weniger Geschick, Regeln, die jede Schule aufstellt, umzusetzen, und stößt dabei auf Schwierigkeiten, weil sie Schüler erlebt, die erstmals in ihrem Leben mit Regeln konfrontiert werden. Leider gehen viele Kollegen diesen mühsamen Weg nicht, weil er Auseinandersetzungen mit Schülern und Eltern bedeutet. Und oft fehlt auch der Rückhalt der Schulleitung. Eine fatale Entwicklung, die auch ein verheerendes Signal für den Lehrernachwuchs ist.

Jürgen Clausen, Wilmersdorf

Frau Sarrazin soll über Jahre einzelne Schüler als "dumm" und "faul" bezeichnet haben. Ein ungeheuerlicher Vorgang? Es ist zwar allgemein bekannt, dass es sowohl dumme als auch faule Schüler gibt - oft genug beides zusammen. Daran kann auch der Beschluss der Alt-68er nichts ändern, Schüler könnten gar nicht dumm und faul sein, höchstens unterschiedlich begabt. Wer sich dieser Interpretation nicht unterwirft, muss mit disziplinarischen Konsequenzen rechnen. Dabei wird übersehen, dass Eltern froh sein können, wenn verantwortungsvolle Lehrer ihnen die tatsächlichen Möglichkeiten ihrer Kinder aufzeigen - auch und gerade dann, wenn es sich nicht um mangelnde Begabung, sondern tatsächlich um Faulheit handelt.

Heidrun Scharbach, Marienfelde

Frau Sarrazin hat sich erlaubt, von Schülern solche Selbstverständlichkeiten wie Disziplin, Fleiß und Ordnung zu fordern und durchzusetzen. Dass Eltern mit 68er-Ideologie und auch türkische Eltern ihr dies nicht durchgehen lassen, war zu erwarten. Ich habe in den 50er-Jahren eine Schule mit Autorität und Respekt kennengelernt. Unsere Lehrer waren streng, aber auch gerecht. Disziplin, Fleiß und Ordnung waren noch selbstverständlich. Es hat uns nicht geschadet, im Gegenteil. Gewalt, Mobbing, psychisch auffällige Kinder - das alles kannten wir nicht.

Wolfgang Köppen, Hermsdorf

Man ist erstaunt, wenn Eltern kritisieren, dass ein Lehrer Autorität besitzt und diese zur Lenkung und Leitung seiner Schüler einsetzt. Was ist denn ein Lehrer ohne Autorität wert? Autorität bedeutet laut Duden "Einfluss und Ansehen", autoritär "unbedingten Gehorsam fordernd". Ist es nicht das, was ein Lehrer tun muss? Soll der Lehrer etwa seine Entscheidungen jeweils mit den Kindern einer 4. Klasse diskutieren?

Günter Voß, Schöneiche

Es ist erbärmlich, beobachten zu müssen, wie sich die Kollegen von Frau Sarrazin wegducken, statt der mutigen Lehrerin, die sich nicht alles von undisziplinierten Schülern und hysterischen Eltern gefallen lassen will, den Rücken zu stärken.

Dieter Seidlich, per E-Mail

Da Frau Sarrazin 59 Jahre alt ist, wird ohne große Aufklärung des Sachverhalts eine Pensionierung erfolgen. Damit sind alles aus dem Schneider: Schulverwaltung, Schulleiter und Landeselternvertreter.

Andreas Maaß, per E-Mail