Leserbriefe

"Folge krimineller Gewinnsucht"

Es gibt in Deutschland umfassende gesetzliche Bestimmungen hinsichtlich der Qualitätsstandards und der Herstellung der Lebensmittel sowie der Abfallverwertung und Schadstoffbeseitigung. Da ist es mehr als verwunderlich, dass ein Skandal des aktuellen Ausmaßes überhaupt stattfinden kann. Das Problem ist nicht dadurch verursacht, dass wir ungenügende Gesetze haben. Diese können nur nicht konsequent angewendet werden. Der Hersteller des giftigen Rohstoffes für das Futtermittel handelt aus krimineller Gewinnsucht, die Folgen seines Handelns sind ihm sicherlich bewusst, allein sein Profitstreben hat Vorrang. Auch kann er davon ausgehen, dass ihm sobald keiner auf die Schliche kommen wird. Wenn kontrollierende Ministerien, Behörden und Institute dem Sparzwang unterliegen und deshalb nicht über ausreichend Personal verfügen, ist es nicht verwunderlich, dass solche Dinge passieren. Wenn keine Kontrollen oder zu wenige stattfinden, ist es geradezu eine Einladung an gewissenlose Hersteller, die Vorschriften zu umgehen oder sie zu ihren Gunsten zu missbrauchen.

Michael Schultze, per E-Mail

Nachdem alle Medien die Bevölkerung mehr als hinreichend über das verheerende Ausmaß des Dioxin-Skandals informiert haben, wäre es an der Zeit, über die gesundheitlichen Folgen aufzuklären, die nach dem Verzehr derart "vergifteter" Lebensmittel drohen.

Dr. E. Jahn, Mitte

Diese Verseuchung/Vergiftung von Lebensmitteln wird leider nicht das letzte Ereignis sein. Immer wieder werden von Herstellern und Erzeugern in Einzelfällen finanzielle Interessen, oder auch Geldgier, vor die Gesundheit der Verbraucher gestellt. Da dieser Straftatbestand immer noch als sogenanntes Kavaliersdelikt tituliert und geahndet wird, ist die Hürde zum schnellen Geld nicht allzu hoch. Wer weiß, wie viele Lebensmittel in der Vergangenheit nicht naturgemäß und schadstofffrei hergestellt wurden, ohne die Verunreinigung mit schädigender Wirkung auf den Menschen vor dem Verbrauch zu entdecken? Es ist ja heute schon ein Irrsinn, über schadstofffreie Lebensmittel zu sprechen, da es überall Höchstgrenzen für Schadstoffe in unserer Nahrung gibt. Normal ist anders.

Michael Klages, per E-Mail

Tüchtige Staatsdiener ruhig auch mal loben

Zum Artikel: "Pensionen für Beamte kosten drei Billionen" vom 9. Januar

Hier wird doch wieder eine völlig absurde Debatte geführt, als gäbe es in der Republik keine anderen Probleme. Nicht jeder Beamte ist ein Staatssekretär. Und selbst der erhält - gemessen an seiner Verantwortung - nicht mal den Bruchteil des Gehaltes eines Industrie- oder Bankenmanagers. Die Beamten im einfachen und mittleren Dienst haben wie alle anderen immer und überdurchschnittlich weniger Netto vom Brutto. Von der Kürzung der Weihnachts- und Urlaubsgelder der Beamten ganz zu schweigen. Selbst Fachbeamte, die erst nach einem langen Studium in den Staatsdienst gingen, haben teils eine spärliche Pension im Vergleich zu ihren Kollegen in der Industrie. Und das Argument der sicheren Arbeitsplätze gilt schon längst nicht mehr. Durch Novellierung der Beamtengesetze kann auch der Beamte mit 40 oder 50 von seinem Dienstherrn nach Hause geschickt werden, mit einer sehr mageren Pension. Was kann zum Beispiel ein Lehrer dafür, wenn er wegen der gesundheitlichen Beanspruchung in seinem Beruf vorzeitig den Dienst quittieren muss? Die ganze Debatte wird immer und immer gleich geführt. Wirklich gute Argumente hört man selten. Wir sollten mit dem Jammern und der Neiddebatte aufhören und unsere tüchtigen Staatsdiener auch mal loben, denn die allermeisten (etwa Polizisten oder Lehrer) haben einen schweren Stand.

Christian Lukner, per E-Mail

Wartungsausfälle gab es auch schon nach der Wende

Zur Serie: "Berlin, deine S-Bahn" seit 10. Januar

Die Serie ist höchst interessant und lesenswert. Ein sehr gelungenes Projekt in dieser leider so düsteren Zeit der S-Bahn. Zur Geschichte der S-Bahn persönlich Erlebtes: 1948, als Zehnjähriger, war es ein großes Ferienerlebnis bei meiner Großmutter in Friedenau, alleine mit der Ringbahn durch alle Sektoren zu fahren. Die S-Bahn fuhr durch die kaputten Bahnhöfe, die zahlreichen zerstörten Häuser mit den stehen gebliebenen Schornsteinen an der Strecke sind mir noch heute gut in Erinnerung. In einem Beitrag der Bahn zur Wiedereröffnung der ersten Verbindungen nach dem Mauerfall las ich, dass wegen des großen Andrangs der Fahrgäste man 1989 keine Zeit hatte, die Züge - wie erforderlich - alle 24 Stunden zur Kontrolle in die Werkstatt zu bringen.

O. Kroll, per E-Mail