Leserbriefe

"Kein einfacher Job"

Wenn Thilo Sarrazin trotz Empörungsorgien mehr als 80 Prozent Zustimmung in der Bevölkerung genießt und mit seinem sorgfältig recherchierten Buch auch finanziell keine Nachteile zu befürchten hat, wird die Keule gegen Frau Sarrazin geschwenkt. Ein türkischstämmiger Elternvertreter will erkannt haben, dass Frau Sarrazin nach mehr als 30 Berufsjahren "unpädagogische Methoden" im Unterricht anwendet.

Egon Sunsamu, per E-Mail

Würde es sich nicht um die Ehefrau des Buchautors Thilo Sarrazin handeln, wäre man in dieser Angelegenheit sicherlich bedachter vorgegangen.

Zunächst hätte man mit der Betroffenen selbst gesprochen. Bei Widersprüchlichkeiten wäre der Direktor der Schule, eventuell auch das Lehrerkollegium gehört worden. Der Vorsitzende des Landeselternausschusses sah aber hier offenbar eine Chance, sich bekannt zu machen, denn bisher hat man kaum etwas von ihm gehört, auch wenn wir in Berlin reichlich Probleme mit unseren Schulen haben. Möglicherweise wurde er aber auch von gewissen politischen Kreisen zu dieser Öffentlichkeitsmachung gedrängt. Jedenfalls ist die Treibjagd nun auf die Sarrazins ausgeweitet und eröffnet worden. Insofern hat Herr Sarrazin recht, wenn er von Sippenhaft spricht.

Heinz Freimuth, per E-Mail

Wenn man über Jahrzehnte die Entwicklung der Gesellschaft verfolgt, dann ist es nicht verwunderlich, dass Politik, Justiz und Bildung nicht mehr funktionieren. Ethik, Moral und Disziplin sind Gejammer und Lamentieren gewichen.

Schulische Bildung ist nur dann erfolgreich, wenn Eltern Werte an ihre Kinder weitergeben, die ihnen vermittelt wurden. Schulabgänger sind erstaunt, wenn sie erfahren, welche Leistungen für das Erlernen eines Berufes erforderlich sind. Ein Ausbilder ist nicht der Nachhilfelehrer einer verfehlten Bildungspolitik. Wenn Eltern Lehrer wie Frau Sarrazin für deren Bemühung, den Lehrstoff zu vermitteln, diskriminieren, stimmt mit diesen Eltern etwas nicht.

O.Kaiser, per E-Mail

Die Sarrazins sind auch nicht meine Freunde; das gibt aber niemandem das Recht, zur kollektiven Hetzjagd zu blasen und mit tumben Gerüchten Rufmord zu betreiben. Muss sich in diesem Land jetzt schon eine Lehrerin verteidigen, die gegen Schüler, die erheblich den Unterricht stören, etwas unternimmt? Keiner will wirklich diese Weichspülpädagogen mit ihren Sprüchen "Das finde ich aber gar nicht gut, dass Du jetzt schon das dritte Mal in dieser Woche Deine Hausaufgaben nicht gemacht hast ..." Was ist denn dran an den Vorwürfen, die Lehrerin sei zu streng und setze die Schüler unter Druck? Ist doch lächerlich.

Immo Becker, per E-Mail

Fluglärm: Wer hat die Bürger im Norden Berlins gefragt?

Zum Artikel "Brandenburg will Lärm-Steuer vom BBI" vom 12. Januar

Ich verstehe die ganze Aufregung der Bürger im Süden der Stadt nicht. Man zieht in die Nähe eines Flughafens oder wohnt dort schon jahrzentelang und wundert sich, dass man von Fluglärm betroffen ist. Der Flughafen Tegel wurde ebenfalls um Terminal B und C erweitert - ohne die Anwohner zu fragen. Um 6 Uhr morgens geht es los bis 23 Uhr, und häufig auch noch danach. Wer hat denn hier mit den Bürgern am Kurt-Schumacher-Platz und in Spandau laut aufgeschrien, wo waren denn da die Parteien?

Dass der Flugplatz auch Arbeitsplätze für die Anwohner und deren Kinder schafft, vergessen die Betroffenen leider.

Bernd Bosecki, per E-Mail

Pervers: Fleisch ans andere Ende der Welt zu exportieren

Zum Artikel "Dioxin auch in Hühnerfleisch entdeckt" vom 9. Januar

Die eigentliche Perversion in dieser ganzen unleidlichen Dioxingeschichte, bei der erstmals in Deutschland jetzt auch mit Dioxin belastetes Schweinefleisch entdeckt wurde, scheint niemand zu bemerken: Deutschland ist ja wohl tatsächlich in der Lage zu sein, Schweinefleisch nach Korea zu exportieren! Wir, das sogenannte Hochlohnland, das nur von seinem teuren "Know-how"und seinen Hochtechnologien und deren Export existieren kann, verschickt Agrarerzeugnisse ans andere Ende der Welt. Dieses System ist schon derart aus dem Ruder gelaufen, dass es sich also marktwirtschaftlich lohnt, die am teuersten zu produzierenden und am Recourcen-zehrendsten Lebensmittelproteine in Form von Fleisch, Tausende von Kilometern über die Weltmeere zu schippern. Da sind weder Hochtechnologien noch Niedrigstlöhne im Spiel und das Dioxin ist nur ein vielleicht temporäres, zumindest unsägliches Moment, dem andere folgen werden - in dieser Posse.

Dr. Markus von Nickisch-Rosenegk, per E-Mail