Leserbriefe

"Weniger Massentierhaltung"

Ein neues Kapitel der langen Reihe der Seuchen-, Gift- und Gammelfleischskandale, dieses Mal auf Eier erweitert. In den meisten Fällen betreffen Lebensmittelskandale tatsächlich tierische Produkte. Ich habe kein Mitleid mit allen Geiz-ist-geil-Konsumenten, denn es ist doch klar, dass bei diesem Preisdumping bei Tierprodukten nicht alles mit rechten Dingen zugehen kann. Aber dies wird gerne verdrängt von den Verbrauchern, damit auch weiterhin geschundene Tiere oder ihre Eier auf dem Teller landen können. Als vermeintliche Lösung werden wieder einmal Tausende von unschuldigen Tieren panikartig vorzeitig geschlachtet und verbrannt. Eine Aktion, die höchstens die Symptome dieser ständigen Skandale bekämpft. Nachhaltige, langfristige und wirklich effektive Lösungen wären die starke Reduktion des Fleischkonsums und der Massentierhaltung.

Stephanie Goldbach, Charlottenburg

Erneut verunsichert ein Dioxinskandal die Verbraucher. Mittlerweile werden die Verbraucher sogar vor dem Verzehr der betroffenen Lebensmittel eindringlich gewarnt. Aber wie so oft sind es die Kinder, die nicht bis zur endgültigen Klärung ausreichend vor der potenziellen Gefahr geschützt werden. Wie kann es sonst sein, dass ein Schulspeiseproduzent trotz konkreter Hinweise vereinzelter besorgter Eltern weiter zahlreiche Berliner Schulen mit belasteten Lebensmitteln beliefert und keine Alternativen zum Mittagessen anbietet? Ein fahrlässiges und gesundheitsgefährdendes Verhalten.

Oliver Neuss, per E-Mail

Zöllner sitzt Probleme in aller Gelassenheit aus

Zum Artikel: "Eltern drohen mit Massenprotesten" vom 8. Januar

Zu lange ist es schon ruhig geblieben. Herr Zöllner sitzt die Probleme in aller Gelassenheit aus. Es gab in seiner bisherigen Amtszeit diverse Brandbriefe von Schulen, Lehrern und Eltern. Der Adventskalender des Bezirksamtes Steglitz-Zehlendorf hat unzählige schulische Probleme in Text und Bild aufgezeigt. Die Ankündigung der Neueinstellung von Lehrern ist auch nicht neu. Wenn ich 100 Leute mit befristeten Verträgen im Bestand habe und diese Stellen entfriste, sind sie nicht neu. Der Mangel besteht weiter. Schüler haben einen Anspruch auf qualifizierten Unterricht. Der Unterrichtsausfall ist auch zu Beginn des neuen Jahres immens. Auf Dauer kann dieser Ausfall nicht von weniger qualifizierten Vertretungskräften abgedeckt werden. Das Gleiche gilt für den Erzieherbereich.

Paul Maccis, per E-Mail

Akt der Willkür und des ökumenischen Rückschritts

Zum Artikel: "Geweihte Spree" vom 10. Januar

Papst Benedikt XVI. hat den Handkommunion-Indult "Memoriale Domini" des Konzilpapstes Paul VI. (1963-1978) vom 29. Mai 1969 offiziell aufgehoben. Nach Wiedereinführung der mittelalterlichen "Lateinischen Messe" macht er damit ein zweites Mal die angedachte Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962-1965) zunichte. Deshalb konnten wir im Fernsehen an Weihnachten und an Epiphanie am 6. Januar im Petersdom auch konkret beobachten, wie Priester den Gläubigen bewusst die Handkommunion verweigerten. Fürwahr ein Akt der Willkür und des ökumenischen Rückschritts. Begründet wird die Verweigerung und Abschaffung der Handkommunion kurioserweise damit, dass schon einmal eine geweihte Hostie bei Ebay versteigert worden sei. Dazu fällt mir ein überaus passender Vergleich ein. Der Vatikan schafft doch auch nicht den priesterlichen Pflichtzölibat ab, nur weil ein geweihter Priester ein Kind sexuell missbraucht oder eine Frau geschwängert hat.

Roland Klose, per E-Mail

Verunsicherung der Truppe bleibt bis zum Sommer bestehen

Zum Artikel: "Zapfenstreich für die Wehrpflicht" vom 4. Januar

Die Aussetzung der Wehrpflicht ist eine Zäsur für die Truppe. Aber genauso auch für die Gesellschaft. Dass es dabei um Einsparungen geht, ist kein Geheimnis. Aber der eigentliche Grund ist ein anderer. Denn mehr als zwei Jahrzehnte nach Ende des Kalten Krieges ist das wiedervereinte Deutschland nur noch von Freunden umgeben. Unter diesen Bedingungen ist es nicht zu begründen, warum der männliche Teil der Bevölkerung eingezogen werden soll, um Monate als Soldat zu verbringen. Die neue Sicherheitslage erfordert eine kleine, schlagkräftige Gruppe von Berufssoldaten. Die Truppenreduzierung wird an so manchem Standort so lange für Verunsicherung sorgen, bis der Verteidigungsminister im Sommer sein neues Standortkonzept vorstellt.

Hanskarl Hindenberg, Lichterfelde