Leserbriefe

"Schluss mit der Flickschusterei"

Der Gipfel von Verkehrsminister Peter Ramsauer führt in die richtige Richtung. Als Hauptaktionär der Deutschen Bahn liegt die Verantwortung für die Misere im Berliner Personennahverkehr beim Bund. Weswegen jener sich in Bewegung setzen und gegebenenfalls die Philosophie und die Struktur des Logistikkonzerns ändern muss. Zumal sich ebenfalls in anderen Städten wie in Hamburg - wenn auch im geringeren Maße - die Probleme häufen und sich nicht nur Züge bei Eis und Schnee verspäten, sondern komplett ausfallen. Weshalb es nicht falsch wäre, über einen bundesweiten S-Bahn-Gipfel nachzudenken, um dort mit der Politik die richtigen Weichenstellungen vorzunehmen.

Rasmus Ph. Helt, per E-Mail

Es ist ein großes Verdienst der Berliner Morgenpost, dass sie das Interview mit Prof. Hecht veröffentlicht, dessen Vorschläge die Bahn leider schon mit nicht zutreffenden Argumenten zurückgewiesen hat. Prof. Hecht hat dringend angemahnt, die Bahn sollte sich von Fachunternehmen technisch helfen lassen, die Bahn setzt dagegen, dass sie andere Unternehmen bereits um Ersatzverkehr gebeten habe, will aber technisch allein weiterwursteln. So geht es nicht. Für jedes der bisher bekannt gewordenen Probleme dürfte es eine Sofortlösung geben, um akute Ausfälle weitgehend zu vermeiden.

Friedrich F. Zuther, Lichterfelde

Einst erreichte ich mit BVG und S-Bahn in Berlin immer ordentlich und bezahlbar meinen Arbeitsplatz. Jetzt verzichte ich lieber auf die genannten Verkehrsmittel. An die Spitze der Verkehrsunternehmen gehören Fachleute und keine fragwürdigen auf Maximalprofit getrimmten Manager.

Horst Sack, per E-Mail

Ist denn die S-Bahn in der jetzigen Form überhaupt in der Lage, Verlässlichkeit wiederherzustellen? Wir hören immer wieder von technischen Mängeln. Wann wird denn mal von neutraler Stelle geprüft, ob die Mängelbehebung, so wie die S-Bahn sie vorhat, überhaupt machbar ist. Technische Kompetenz für eine Beurteilung haben wir doch in Deutschland genug. Mit der Flickschusterei muss endlich Schluss sein.

Klaus Küller, per E-Mail

Höhepunkt beim S-Bahn-Chaos war das Einstellen der Außenlinien - beschämend für Berlin. Man überlegt, wen man für das Chaos verantwortlich machen muss? Die Bahn-Manager, die aber nicht bestraft werden, sondern mit Abfindungen weggelobt werden. Die Berliner Helden dieser Tage sind die Fahrgäste und die kleinen S-Bahner, die nichts für das Chaos können.

Barbara Jäger, per E-Mail

Nun fordern die Grünen mit Frau Künast an der Spitze, dass der Berliner Senat S-Bahn-Wagen kaufen soll, um sie der S-Bahn zur Verfügung zu stellen. Warum sollte er dies tun? Die S-Bahn ist eine private Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Wenn diese zu wenig S-Bahn-Wagen besitzt, muss sie welche kaufen.

Hubertus Vetter, Rudow

Es ist die Chronik einer angekündigten Katastrophe. Gerhard Schröder hatte eine seiner glänzenden Ideen und beauftragte seinen hochaktiven SPD-Kumpel Hartmut Mehdorn, die Deutsche Bahn herauszuputzen, damit man diese an die Börse bringen könnte. Dabei könnte man in bester Heuschrecken-Manier während der Restrukturierung eines vermeintlich überfrachteten Staatsunternehmens noch ordentliche Gewinne abzwacken, bevor der Erlös aus dem Börsengang den halben Staatshaushalt sanieren könnte. Experten warnten schon damals vor dem schlechten Beispiel der britischen Bahn während der Thatcher-Ära, die aufgrund der dortigen Bestrebungen regelrecht zerfallen war. Es verhallte auch in den Folgeregierungen ungehört, weil die Geldströme der Gewinnabführungen alle mundtot machten. Jetzt zahlt der Fahrgast die Rechnung, am teuersten ist die im Berliner Nahverkehr.

Andreas Maaß, per E-Mail

Der erste deutsche Reichskanzler Otto von Bismarck (1815-1898) würde heute wahrscheinlich als Kommunist verteufelt mit seinem Spruch: "Eisenbahnen sind in erster Linie nicht zur Gewinnerzielung bestimmt, sondern dem Gemeinwohl verpflichtete Verkehrsanstalten. Sie haben entgegen dem freien Spiel der Kräfte dem Verkehrsinteresse des Gesamtstaates und der Gesamtbevölkerung zu dienen."

S. v. Rabenau, per E-Mail

Ich bin entsetzt, wie der Eigentümer, der Staat, mit dem Problem nun schon fast zwei Jahre lang umgeht. Man sollte die Verantwortlichen der Bahn zum Teufel jagen. Solange dies nicht geschieht, wird es nur Lippenbekenntnisse geben. Eine Meldung hat Berlin gutgetan: Zum Jahreswechsel waren mehr als eine Million Gäste in der Stadt. Aber welch einen Eindruck hat die Stadt bei Gästen in puncto Nahverkehr hinterlassen?

Johannes Kollenda, Erkner