Leserbriefe

"Züge wurden abgewirtschaftet"

Beim S-Bahn-Chaos muss man unbedingt Ursachen und Folgen unterscheiden. Warum ist denn noch keine Strafanzeige gegen die für das Chaos Verantwortlichen gestellt worden? Was hat denn der "staatliche Privatisierungsfimmel" in der Infrastruktur gebracht? Preissteigerungen bei Qualitätsverschlechterungen sind doch die direkte Folge. In Staatsunternehmen werden Gewinne für Aufwendungen eingesetzt, in Privatunternehmen zur "Befriedigung der Unternehmer". Das zeigt sich täglich und würde sich in Deutschland auch bei einer anderen Regierung nicht ändern. Beispiele sind Privatschulen, Privatkrankenhäuser, private Wasser- und Abwasserbetriebe, die privatisierte Post, die privaten Energieversorger. Solange der öffentliche Verkehr stiefmütterlich behandelt wird, wird zwar geschimpft, aber nichts verändert sich.

Horst Britzke, per E-Mail

In meinen Augen ist es mehr als eine Unverschämtheit, bei stark eingeschränktem Fahrplan, und damit meine ich nicht den Winterfahrplan, die Preise gerade jetzt zum neuen Jahr anzuheben. Hier sollte der Berliner Senat einen Riegel vorschieben.

Lothar Hübner, per E-Mail

Nachdem der Pressesprecher der Berliner S-Bahn nun völlig offen gelassen hat, wann die Bahn wieder zu einem normalen Fahrplan zurückkehrt, frage ich mich, warum der Hersteller der Züge nicht in den Reparatur- oder Wiederherstellungsprozess einbezogen wird. Schließlich hat die Firma Bombardier einen gewissen Ruf zu verlieren, da ihr Name ja auch laufend mit den nicht funktionierenden Zügen genannt wird. Oder ist es vielleicht doch so, dass die S-Bahn Berlin GmbH ein gutes Produkt durch unterlassene Wartung abgewirtschaftet hat?

Horst Germer, per E-Mail

Knaack-Klub wird kleinlichen Interessen geopfert

Zum Artikel: "Was hier passiert, betrifft ganz Berlin" vom 31. Dezember

Es ist wirklich schockierend, wie unsere Kultur kleinlichen Interessen geradezu geopfert wird. Ein Klub wie der "Knaack" ist nicht einfach irgendeine Einrichtung. Generationen von jungen Leuten sind dort zusammengekommen, wurden dadurch geprägt. Und nun bricht die Arroganz den Stab darüber, nicht aus wichtigen Überlegungen, nicht mit überzeugenden Argumenten, sondern wegen so etwas Alltäglichem wie "Ruhestörung". Es ist wahr, Institutionen sollen nicht über den Menschen gesetzt werden, aber der "Knaack" ist nicht so etwas wie ein lauter Flughafen oder eine Baustelle. Er ist ein Stück Kultur, ein Stück Berlin. Das Versäumnis der Verantwortlichen, früher zu handeln, kann nur fahrlässig genannt werden. Wenn es um so etwas Wichtiges wie Kultur, und sei es nur Jugendkultur, geht, wäre den Beteiligten eine einvernehmlichere Lösung wirklich zuzumuten gewesen.

Anton Mareschow, per E-Mail

Intelligente und humorvolle Büttenrede zum Karneval

Zum Artikel: "Guttenberg, Wowereit und der ewige Schnee" vom 31. Dezember

Falls ein Karnevalspräsident in Berlin noch nach einer intelligenten und gleichzeitig humorvollen Büttenrede sucht, so sollte er sich die Jahresvorschau von Hajo Schumacher zu Gemüte führen. Die kann er, leicht gekürzt (das Einverständnis des Autors vorausgesetzt), am besten gleich so vorlesen, wie sie ist. Das Publikum wird es mit Beifall und Lachen danken. Berliner Parteienpolitik wird da herrlich kauzig beschrieben, wenn da zum Beispiel die Grünen eine "Nachhaltigkeitskonferenz zur Berliner Klimakatastrophe" absagen, weil sie es nicht erlauben, den zugeschneiten Weg zu ihren Zelten auf dem Schlossplatz mit motorisierten Schneefräsen zu räumen - wegen der Treibhausgase. In Neukölln hingegen sind die Gehwege blitzblank, weil Dealer den Schnee in Tütchen abfüllen, während der neue Regierende Bürgermeister Guttenberg die ersten jungen Männer in der Bushido-Kaserne in Tempelhof begrüßt. Unbedingt nachlesen!

Wolf-Dieter Eichler, Köpenick

Unfaire Spieler sollten länger gesperrt werden

Zum Artikel: "Ein Fußball-Knigge für Treter und Schauspieler" vom 31. Dezember

Der Beitrag trifft voll ins Schwarze. Mein Vorschlag an die Herrschaften von Fifa und DFB: Ein Fußball-Profi, der seinen Gegenspieler absichtlich foult und dabei dessen Verletzung (nachweislich) bewusst in Kauf nimmt, darf erst dann wieder zum Einsatz kommen, wenn der gefoulte Gegenspieler wieder voll spielfähig ist. Die derzeit relativ kurzen Sperren zeigen wenig Wirkung.

Eberhard Mund, Buckow