Leserbriefe

"Hausärzte sind Angelpunkt im Gesundheitssystem"

Die Gesundheitsreformen haben sich totreformiert. Um das Gesundheitssystem wieder auf Linie zu bringen, muss stringenter - sowohl auf Patienten- und Arztseite - reformiert werden. Bei Krankheit ist generell der Hausarzt (Hausarztmodell) der erste Ansprechpartner, der auch die Überweisungen auszustellen hat und nicht so, wie es heute üblich ist, dass sich Patienten am Quartalsanfang "auf Verdacht" vier oder fünf Überweisungen zu Fachärzten von den Arzthelferinnen ausstellen lassen. Die Hausarzthonorierung muss besser vergütet werden, da er der erste Ansprechpartner für den Patienten ist. Außerdem sollte die elektronische Gesundheitskarte inklusive der Patientenakte zügig eingeführt werden. Nur dadurch sind das Arzthopping, kostspielige Doppeluntersuchungen und der Missbrauch des Sozialsystems zu vermeiden. Zu überdenken wären auch das gesamte Krankenhauswesen, die Monopolstellung der Apotheken als Zwischenhändler und die Rolle der Pharmaindustrie.

Dr. Hans-Dieter Seul, Lichterfelde

Seit Wochen kann man lesen, dass unsere Ärzte schlecht bezahlt werden. Sie fordern, dass die Leistungen gekürzt werden müssen, damit Ärzte mehr Geld bekommen können. Hierbei verschweigen die Ärzte, dass gerade sie es sind, die von dem System das Geld erhalten, obwohl sie den Patienten notwendige Therapien verweigern. Die Ärzte sind Leistungserbringer und bestimmen im zunehmenden Maße, wie viel Geld sie aus dem System für sich beanspruchen können.

Die Beitragszahler sind von ihrem Selbstbestimmungsrecht ausgeschlossen und dürfen hierbei nicht mitwirken. Es wird Zeit, dass erkannt wird, dass die Beitragszahler endlich sagen können, was und wie viel sie bereit sind zu zahlen. Die Zahler sind Kunden und keine Bittsteller.

Hans-Peter Müller, per E-Mail

Es mag der Unmut der Ärzte wachsen - der der Patienten aber auch. Nicht unerheblich angestiegene Krankenkassenbeiträge und immer stärker abgeforderte Zuzahlungen bei vielen ärztlichen und zahnärztlichen Leistungen und Krankenhausaufenthalten reißen bereits jetzt bemerkenswerte Löcher in die Haushaltskassen. Nach dem Ärger sollte sich die Kritik endlich auf die Vielzahl der Krankenkassen konzentrieren. Große und kleine Unternehmen leisten sich Betriebskrankenkassen mit horrenden Gehältern für ihre Vorstände und kostenträchtigen Verwaltungswasserköpfen. Zudem kassiert in Deutschland die Pharmaindustrie exorbitant unverschämt ab.

Hans-Joachim Gillert, Neukölln

Der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Lauterbach, will staatliche Honorare für Kassenärzte: Warum erwähnt er nicht, dass im Gesundheitsfonds ein Paradigmenwechsel, weg von der Prävention, hin zum morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich, vollzogen wurde. Auf Deutsch: Gesund mit Befindlichkeitsbeschwerden ist weniger wert als mehrfach krank sein.

Eva Willig, per E-Mail

Ein Beispiel für die "versteckte Rationierung" im hausärztlichen Bereich ist das Versenken von Heim- und Hausbesuchen in das sogenannte Regelleistungsvolumen von 35,67 Euro pro Patient und Quartal. Dies bedeutet für die Hausärzte - die eigentlich die Gewinner der Reform sein sollten - eine erhebliche finanzielle Einbuße im Kernbereich ihres Aufgabengebietes. Alte und chronisch kranke Menschen haben keine Lobby! Deshalb fangen die KV-Funktionäre im Auftrag der Politik in diesem Bereich mit der "stillen" Rationierung an. Schäbiger geht es nicht!

Dr.med. Charles Woyth, Arzt für Allgemeinmedizin, Alt-Wittenau

Persiflage auf Hitler unangemessen

Zum Artikel "Ein Käfig voller Nazis" vom 17. Mai

Es ist mir (Jahrgang 1928) völlig unverständlich, dass es bisher keine Kritik an dem Musical "The Producers - Frühling für Hitler" gegeben hat. Der Beifall für das Musical stammt offensichtlich von Mitgliedern einer Generation, die Kenntnis von der Nazizeit, wenn überhaupt, nur aus Geschichtsbüchern hat. Wer den Krieg und die schrecklichen Folgen der Naziherrschaft und das unermessliche Leid erlebt hat, dürfte kein Verständnis auch nur für eine Persiflage auf Hitler und seine "Mannen" haben. Wer den Unmenschen Hitler als Lachnummer zeichnet, verkennt, dass dem "GröFaZ" nicht nur Diktatoren, sondern auch demokratische Regierungschefs und Politiker und schließlich Millionen von Menschen mit schlimmen Folgen auf den Leim gegangen sind. Eine Hitler-Persiflage ist völlig ungeeignet für den Versuch, etwaige Schuldgefühle, die sich auch in Angehörigen der jüngeren Generation niedergeschlagen haben könnten, mit Komik zu kompensieren. Mir ist das Lachen auch über ein Zerrbild Hitlers gründlich vergangen. Wie sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit? "Ein Musical kann niemanden verletzen, schließlich ist das Stück eine Persiflage auf Hitler, eine Zurschaustellung." Wowereit kann dankbar sein, dass er Hitler nur als Persiflage kennengelernt hat.

Hans v. Przychowski, Tempelhof

Zahmer Wowereit auf SPD-Parteitag

Zum Artikel "Zwei Schlappen für Wowereit" vom 18. Mai

Komisch: Bei der Bevölkerung duldet Klaus Wowereit wortreich keinen Widerspruch (siehe Tempelhof, Pro-Reli, ...). Aber bei seinen Genossen ist er kleinlaut und kann diese von seiner Weisheit nicht überzeugen. Seine Stellungnahme zur Ablehnung des geplanten Weiterbaus der Stadtautobahn, um die längst fällige und aus übergeordneten Gründen sinnvolle Vollendung des Innenstadtrings A 100 voranzutreiben, fiel sehr zahm aus - ganz anders als seine sonstigen markigen Sprüche als Regierender Bürgermeister.

Martin Gewies, Frohnau

Informatiker sieht Gesetzeslücken

Zum Artikel "Kinderpornografie: 92 Prozent der Deutschen für Sperrungen im Internet" vom 17. Mai

Prinzipiell gebe ich der vom BMI (also Frau von der Leyen) finanzierten Kinderhilfe e. V. recht, dass Seiten mit einem so widerwärtigen Inhalt zu verschwinden haben. Aber als Informatiker sehe ich in diesem Gesetzentwurf nur ein Wegsehen bzw. Verdecken, ohne dass auch nur im Geringsten etwas an der Problematik geändert wird. Dieses Gesetz sagt nur eines aus: Aus den Augen, aus dem Sinn. Die Sperre ist wirkungslos, da die vorgesehenen Maßnahmen technisch unzureichend bzw. nutzlos sind. Die nur bedingt vorhandene Wirksamkeit von DSL-Sperren wurde vom Landgericht Hamburg in einem Urteil vom 12. November 2008 (Az.: 308 O 548/08) bestätigt.

Andreas Biermann, per E-Mail

Die Jury war schlecht aufgestellt

Zum Artikel "Peymann gewinnt immer" vom 18. Mai

Die Jury war meines Erachtens schlecht aufgestellt. Sie sollte aus mehreren Theatersachverständigen, aus Schauspielern, Regisseuren und Kritikern zusammengesetzt sein. Die Regeln waren ebenso zweifelhaft, da in der vorgegebenen einen Stunde ein immenser Zeitdruck aufkam. Die drei nominierten Schauspieler Minichmayr, Wölbern und Ofczarek haben den Preis zu Recht verdient.

Evelyne Kalla, per E-Mail