Leserbriefe

"Hier wäre Gnade vor Recht viel angemessener gewesen"

| Lesedauer: 8 Minuten

In den Lesermeinungen wird im Fall "Emmely" oft von Diebstahl gesprochen; rein rechtlich liegt eine unbewiesene Unterschlagung vor. Diese Bons hätten wohl vernichtet werden müssen, ansonsten wären sie wohl in den Geschäftsgewinn von Tengelmann geflossen - ungerechtfertigt.

Dr. Gerhard Ullrich, per E-Mail

Wer viel Geld hat, hat anscheinend auch in unserem "Rechtsstaat" die Macht, sich herauszukaufen, auch wenn es nur geliehenes (vom Staat) Geld ist. Was ist denn mit deren Vertrauensmissbrauch? Dieser Missbrauch erschüttert hoffentlich nicht nur die Finanzwelt, sondern auch das Bewusstsein der Menschen!

Karin Kuhr-Schraag, per E-Mail

Was durch diese fristlose Entlassung und die Gerichtsurteile losgetreten wurde, ist beeindruckend: Die meisten Menschen sind fassungslos und auch wütend darüber, dass ein Mensch aufgrund eines Verdachts dauerhaft gebrandmarkt werden muss, weil die Gesetze keinen Freiraum zulassen. Dazu kommt, dass es sehr wohl Freiräume für die Juristen gibt, wenn es darum geht, "Promis" mit allen möglichen Tricks zu entlasten.

Helmut Rössler, per E-Mail

Aufgrund des Vorwurfs erfolgte die Entlassung. Meiner Meinung nach gehört der Fall vor ein Strafgericht wegen des Vorwurfs der Unterschlagung. Aus den Medien ist nicht zu erfahren, ob tatsächlich eine Unterschlagung vorliegt. Das ist nach meiner Kenntnis unbewiesen. Fazit: Unbewiesene Vorwürfe führen zu Entlassungen.

Wolfgang Schmidtke, per E-Mail

Im Fall der Kassiererin Barbara E. schließe ich mich den Ausführungen von Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse an. Es ist unsäglich, wie die Härte des Gesetzes, verkündet von einer arroganten Richterschaft, nur immer die kleinen Leute trifft.

Gerhard Wichta, per E-Mail

Das Vertrauensverhältnis mag gestört sein. Mein Vorschlag für ein gerechtes Urteil: Umwandlung der fristlosen in eine fristgerechte Kündigung und Zahlung einer Abfindung in Höhe von 30 000 Euro für die geleisteten Dienstjahre.

Heinz Piekatz, per E-Mail

Wenn ständig über eine Sache falsch berichtet wird, darf man sich über ein Umfrageergebnis des Emnid-Instituts nicht wundern! Im letzten Satz wird auch wieder nur von dem einen Euro dreißig gesprochen. Wenn manche Richterin (!) aufmerksam zugehört bzw. die Urteilsbegründung sorgfältig gelesen hat, kann man das ergangene Urteil durchaus nachvollziehen!

Rolf Pilgram, per E-Mail

Die richterliche Entscheidung im Falle von Barbara E. halte ich für genauso wenig verhältnismäßig wie die Äußerung von Herrn Thierse, wobei ich seinen Ärger verstehen kann. Frau E. soll Pfandbons behalten und eingelöst haben, die auch nicht mehr Kaiser's gehörten, sondern Kunden, die sie achtlos liegen gelassen hatten; sie hätte die Bons auch wegwerfen können.

Von einer Kassiererin wird Ehrlichkeit und Zuverlässigkeit verlangt; das war offenbar während jahrzehntelanger Tätigkeit der Fall! Eine andere Strafe - wenn überhaupt - wäre aus meiner Sicht angemessener. Die prekären Folgen für ihr Leben und das ihres Kindes stehen in keinem Verhältnis zu der doch kleinen Verfehlung - eine große Ungerechtigkeit in meinen Augen.

Dr. Renate Heide, per E-Mail

Ich habe kein Verständnis für dieses Urteil. Die Kassiererin hat keinen Fehler gemacht, hat ihre Kinder zu versorgen und hat auch Kaiser's nichts gestohlen, denn der Flaschenbon in Höhe von 1,30 Euro gehörte nicht Kaiser's, sondern einem Kunden, der ihn verloren hat. Hätte die Kassiererin ihn nicht aufgehoben, dann wäre es ein anderer Kunde, der ihn abgerechnet hätte.

Regina Müller, per E-Mail

Unregelmäßigkeiten und Schummeleien beim Leergut sind eine alte Sünde, das gab es schon vor 50 Jahren. Wer erwischt wird, kann rausfliegen - fristlos.

Peter Flagel, Charlottenburg

Der von den Arbeitsgerichten zu würdigende Sachverhalt ist nach den Beweisaufnahmen klar: Die Kassiererin hat zwei ihr nicht gehörende Leergutbons für einen persönlichen Einkauf in Zahlung gegeben. Ausreden, u. a. es habe sich um Leergutbons ihrer Tochter gehandelt, erwiesen sich als haltlos. Sie hat sich weder entschuldigt noch zu erkennen gegeben, dass sie so etwas nicht wieder tun werde. Einen Strafantrag hat der Arbeitgeber meines Wissens nicht gestellt. Bereits kurz nach der Tat haben linke Gewerkschafter und "Aktivisten" des linksgerichteten Labour Net Germany ein Solidaritätskomitee gegründet. Das Komitee hat die heute noch laufende Kampagne gesteuert und das Zustandekommen eines bei dem Sachverhalt für Emmely nicht schlechten Vergleichs verhindert.

Bodo Berwald, per E-Mail

Die Stellungnahme von Bundestagsvizepräsident Thierse zum 1,30-Urteil empfinde ich als eine bewunderungsfähige Äußerung. Hier zeigt ein hochrangiger Politiker einmal seine persönlichen ungeschminkten Empfindungen zu diesem völlig unsozialen und in keiner Weise verhältnismäßigem Urteil.

Johannes Ciesla, per E-Mail

Der Skandal ist, dass der Diebstahl nicht nachgewiesen werden muss. Allein der Verdacht reicht für eine fristlose Kündigung! Unser Arbeitsminister Herr Olaf Scholz sollte einen Gesetzentwurf einbringen, in dem nur der Beweis eines Diebstahls zu einer fristlosen Kündigung führen darf!

Hans W. Schlick, Tempelhof

Wer eine fremde bewegliche Sache einem anderen in der Absicht wegnimmt, dieselbe sich rechtswidrig zuzueignen ... StGB § 242 (1) - steht da etwas von Wert, Herr Thierse? Wo fängt Gesetzesnotwendigkeit an? Bei zehn, 20, 100, 1000 Euro? Da hat nicht versehentlich Geld in der Kasse gefehlt, da wurde vorsätzlich unterschlagen. Wenn die Anklage so erhoben wird, was soll das Gericht dann tun?

Helmut Schrader, per E-Mail

Sofern das Urteil gegen Frau Barbara E. auf bewiesenen Tatbeständen besteht, halte ich es für richtig. Es ist ein Dilemma, dass die Kleinkriminalität zu lässig verfolgt wird und viele Entschuldigungen dafür erfunden werden. Sollte das Urteil aber nur auf bloßen Verdacht hin gefällt worden sein, hätte Herr Thierse recht. Die Richterin verdiente eine strenge Abmahnung, besser noch, sie würde aus dem Justizdienst entlassen.

Gotthard Juda, Friedrichshain

Herr Thierse verharmlost Diebstahl. Das Unrechtsbewusstsein in der Bevölkerung ist verkümmert. Es wird gestohlen in Läden, in Schulen etc.! Oft nur kleine Dinge, und keiner ahndet diese Vergehen. Was hier aufregt, ist, dass die Frau für 1,30 Euro ihre Zukunft verbaut hat, während ein Siemens-Chef genau 970 000 Euro Steuern hinterzieht und fast reingewaschen ist.

Bernhard Gödde, per E-Mail

Was eigentlich animiert einen gut versorgten Herrn Thierse, am Rechtssystem eines Staates herumzumäkeln, den er ja selbst repräsentiert? Wir alle kennen kaum die tatsächlichen Fakten dieses Falls, und meines Erachtens wäre es "komisch", wenn wir das Recht aufteilen in "ein bisschen schuldig" oder "schuldig".

Frank Hartung, per E-Mail

Thierse verwechselt immer noch Recht und Gerechtigkeit. Im Übrigen stände es ihm als Bundestagsvizepräsident gut an, die Unabhängigkeit unserer Richter zu respektieren.

Bernd-Rüdiger Demmler, per E-Mail

Diese Zuschriften geben die Meinung unserer Leser wieder, nicht die der Redaktion. Wegen der großen Zahl an Briefen ist es uns leider nicht möglich, jede Zuschrift zu beantworten. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

Konrad Jahr-Weidauer kümmert sich als Redakteur um die Leserbriefe. Er ist Ansprechpartner und Mittelsmann zwischen Lesern und Redaktion.