Leserbriefe

"Sind religiöse Werte an den Schulen unerwünscht?"

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Möglicherweise geht die Entwicklung hin zu einer überkonfessionellen und interreligiösen Wertevermittlung, auch für Muslime, andere Religionen und Nichtreligiöse. Wenn jedoch der Staat - per se wertneutral - hier die Oberhoheit verlässt, dann gibt es für mich zwei Entwicklungsmöglichkeiten: Religiöse Werte einschließlich der Offenheit für Transzendenz sind an Schulen unerwünscht. Diese Perspektive soll es nicht geben.

Der Staat übernimmt weltanschauliche Positionen - nur informativ oder im Sinn eines weltlichen Humanismus - ohne Religion. Das hatten wir schon zwei Mal in Deutschland. Wenn man die Suche nach Spiritualität und Sinn betrachtet, ist diese Position auch nicht richtungsweisend.

Joachim Kröner, per E-Mail

Die Kritik von SPD-Chef Müller an Bischof Huber, an staatlichen Schulen Werbebriefe für das Volksbegehren Pro Reli zu verteilen, ist zweifelsfrei berechtigt, keineswegs jedoch hinreichend, denn: Im Wesentlichen durch die Trennung von Staat und Kirche wurde nach endlosen Glaubenskriegen Friede in unserem Land. Religion ist seither reine Privatsache; sie kann hinreichend in Privaträumen und Kirchen gelernt, gepflegt und ausgeübt werden. Dass der Staat sich seither gleichwohl dafür hergibt, Dienst leistend für die Religionen Steuern zu erheben sowie Religionsunterricht an staatlichen Schulen nicht nur zuzulassen, sondern darüber hinaus auch noch zulasten seiner Bürger im Wesentlichen zu finanzieren, bietet allen Religionsführern Gelegenheit, dem Staat beispielsweise in aller von ihnen selbst gepredigten Demut für all die Leistungen zu danken, die sie selbst nicht erbringen wollen.

Rolf H. Diederich, Tegel

Es ist ja schön, dass sich SPD-Chef Michael Müller Sorgen um das Nervenkostüm der evangelischen Kirche macht. Es scheint aber eher so zu sein, dass bei der SPD-Führung die Nerven blank liegen. Warum sind andere Ansichten gegenüber der offiziellen SPD-Politik nicht gewünscht? Fehlt ihm das Verständnis für Andersdenkende? Allein die Bezeichnung "Kampagne" für die Unterstützung der Pro-Reli-Aktion zeigt, wes Geistes Kind Herr Müller ist. Aus seiner Kritik ergeben sich schon einige Fragen: Passt das Unterrichtsfach Religion überhaupt in das politische Weltbild der SPD? Hat die SPD Berlin Angst, bei einem Wahlpflichtfach Religion Einflussmöglichkeiten auf die Unterrichtsinhalte zu verlieren? Ist die SPD-Führung der Meinung, dass es in einer offenen und toleranten Weltstadt überhaupt andere Ansichten als die ihrer Spitzenfunktionäre geben darf? Wo ist die weltoffene und tolerante Politik eines Willy Brandt geblieben?

Barbara Baumbach, Nikolassee

Moscheeeröffnung: Recht auf Besorgnis

Zum Artikel "Freitagsgebet in der ungeliebten Moschee" vom 21. November

Erst werden Stützpunkte gebaut entsprechend 100-Moscheen-Plan, dann werden nach islamischem Ritual Importbräute aus Indien oder anderen islamischen Ländern nach Deutschland geholt und Ehen arrangiert. Und später gehen die weiblichen Sprösslinge mit Kopftuch in die Heinersdorfer Grundschule - kulturelle Bereicherung oder schleichende Islamisierung? Man hat das Recht, bei solchen Erscheinungen besorgt zu sein. Was hat das mit Religionsfreiheit zu tun?

Gabriela Groth, Heinersdorf

Den Neubau der Moschee einer kleinen islamischen Gemeinde sollte man in einer Vier-Millionen-Stadt und bei grundgesetzlich garantierter Religionsfreiheit wesentlich gelassener ertragen. Aber möglicherweise wäre in dem einst sozialistisch-atheistisch geprägten Umfeld auch der Bau eines christlichen Gotteshauses auf Unmut und Skepsis gestoßen. Es steht ja den Anrainern frei, mit christlicher Nächstenliebe, Gläubigkeit und liberaler Toleranz einen gleichwertigen und offenen Dialog mit den in überschaubarer Größenordnung die Pankower Moschee frequentierenden Moslems zu führen. Allerdings sollte man die - hoffentlich anhaltende - Offenheit und Transparenz der dortigen Gemeinde auch anderswo in der Stadt einfordern.

Hans-Joachim Gillert, Neukölln

Kein Verständnis für Sicherungsfonds

Zum Artikel "Kaupthing zahlt Deutschen Einlagen aus" vom 23. November

Jeder weiß, oder sollte zumindest wissen, dass höhere Renditen mit höherem Risiko verbunden sind. Jeder konnte sich dafür entscheiden, bei der für isländische Verhältnisse völlig überdimensionierten Kaupthing Bank Geld anzulegen und auf diese Weise zwei oder drei Prozent mehr Rendite zu erhalten, als bei einem deutschen Institut möglich gewesen wäre.

Mir ist völlig unklar, warum ich als Steuerzahler für einen 300-Millionen-Kredit, den Deutschland jetzt dem isländischen Einlagensicherungsfonds zur Verfügung stellt, geradestehen soll. Ich glaube nicht daran, dass dieser Kredit jemals wieder zurückgezahlt wird, aber falls doch, könnten doch dann damit die Ansprüche der etwa 30 000 Anleger befriedigt werden. Warum jetzt und sofort?

In gewisser Weise unterscheiden sich offenbar einige deutsche Anleger in keiner Weise von den Managern so mancher US-Bank. Größtmögliche Renditen sollen schon sein, aber wenn es dann schiefgeht, hat es bitte schön Vater Staat wieder zu richten. Und so werde ich als Inhaber eines Sparbuches gleich doppelt bestraft. Zum einen durch niedrigere Zinsen und zum anderen durch höhere Steuern, um diesen Millionenkredit zu finanzieren.

Peter Lind, per E-Mail

Kaufkraft muss gestärkt werden

Zum Artikel "2009 wird ein Jahr schlechter Nachrichten" vom 23. November

Wenn es nur Nachrichten wären, ginge es ja noch, aber es geht um die hinter ihnen stehenden Inhalte, die auch langfristig gefährlich sein können, wenn es nicht gelingt, die Kaufkraft der Bürger zu stärken. Da scheint Merkel noch nicht auf das richtige Pferd zu setzen. Es ist ja edel, die Schuldenaufnahme möglichst niedrig halten zu wollen, nur muss trotzdem die Kaufkraft nachhaltig gestärkt werden, wozu auch die Zurücknahme von Segnungen des Staates dient.

Igor Vinarsky, per E-Mail

Es ist ja nett, wenn wir Bürger von unserer Kanzlerin für unsere Besonnenheit in Bezug auf die Finanzkrise gelobt werden. Doch die Feststellung, man sei der Staat, ist doch sehr gewagt!

Korrekter müsste es eigentlich heißen: "Klar ist, dass wir als Politiker auf Dauer nicht die besseren Unternehmer sind."

Wolfgang Heller, Westend

Wozu diese fatalistischen Aussagen von der Bundeskanzlerin? Diese Erkenntnisse sieht der Bürger im eigenen Umfeld bereits seit geraumer Zeit. Wir brauchen eine Regierung, die sich mit Elan und zeitnahen, konstruktiven Lösungsansätzen dem Problem des konjunkturellen Abschwungs stellt und sich nicht als "Spökenkieker" betätigt.

Dr. Hans-Dieter Seul, per E-Mail

Elefantenpfleger sind überfordert

Zum Artikel "Tierpark schickt zwei Elefanten in den Zoo Halle" vom 22. November

Hier sind nicht die Tiere schuld, sondern die Menschen. Da die Elefantenpfleger mit der Gruppe von nunmehr 17 Elefanten total überarbeitet sind, kommt es immer wieder zu Unstimmigkeiten zwischen Menschen und Tieren. Da sollte man nicht die Tiere abschieben, sondern mehr fähige Pfleger einstellen und so dem Tierpark nicht eine der Zugnummern reduzieren.

Bärbel Kusserow, per E-Mail

Diese Zuschriften geben die Meinung unserer Leser wieder, nicht die der Redaktion. Wegen der großen Zahl an Briefen ist es uns leider nicht möglich, jede Zuschrift zu beantworten. Die Redaktion behält sich vor, Leserbriefe zu kürzen.

Konrad Jahr-Weidauer kümmert sich als Redakteur um die Leserbriefe. Er ist Ansprechpartner und Mittelsmann zwischen Lesern und Redaktion.