Kunst

Als wären es freundliche Außerirdische

Wien Lukatsch zeigt Arbeiten der Südkoreanerin Haegue Yang

Kaum hat der Besucher die Tür zur Galerie Wien Lukatsch geöffnet, stehen sie ihm schon gegenüber: zwei menschengroße Skulpturen aus je zwei Strohkugeln, einmal vertikal und einmal horizontal angeordnet. Wie freundliche Außerirdische wirken sie und thronen, wie oft bei der Künstlerin, auf Rädern, als wollten sie gleich auf einen zurollen. Auf ihrer struppig-stacheligen Außenhaut tragen sie Schmuck: kleine bunte Plastikbänder, Metallglöckchen, künstliche Pflanzen, Fingerhüte und koreanischen Brautschmuck. Die folkloristische Anmutung macht sie nahbar. Das Stroh entpuppt sich bei näherer Betrachtung als künstlich. Trotzdem wirkt alles handgemacht, unvollkommen und fragil.

Solche widersprüchlich ungelenken Wesen liebt die Südkoreanerin Haegue Yang, die sich in ihrer Konzeptkunst beim Minimalismus bedient, ihm aber stets seine Glätte und Kühle nimmt und mit Materialien konfrontiert, die ihm fremd sind: mit Kleiderständern, Ventilatoren, Jalousien, Europaletten, Glühbirnen und Wäscheständern, den Alltagsmaterialien der früheren Arbeiten. Mit ihnen erlebte die Künstlerin 2009 auf der Biennale in Venedig den Durchbruch. 2012 brillierte sie auf der Documenta und bespielt seither weltweit Ausstellungshäuser.

Den struppigen Strohskulpturen sind ganz andere Wesen zugesellt, die einen klingenden Panzer aus glänzenden Glöckchen tragen. So schwebend leicht und voll fremder Poesie wirken sie, als wollten sie gleich, umschlungen im Tanz, durch die Galerie kreisen. So wundern auch ihre Namen wie „Sonic Dance – Ursus und Homo“ nicht. Sie sind allegorische Figuren aus Victor Hugos groteskem Roman „Der lachende Mann“ (1869), drei verstoßene Einzelgänger, die sich zusammenschließen und hier, vereint als glitzernde Klangfiguren, ihre entrückte fragile Schönheit feiern.

Wien Lukatsch, Schöneberger Ufer 65. Di–Fr 11–18 Uhr. Bis 31. Juni.