Musik

Neil Young legt sich mit einigen Konzernen an

Achse des Bösen: Monsanto, Starbucks und Walmart

Neun Stücke hat Neil Young mit einer weitgehend unbekannten Truppe namens Promise Of The Real eingespielt. Zur Band gehören die Gitarristen Lukas und Micah Nelson – Söhne einer anderen uramerikanischen Musiklegende, des Country-Rebellen Willie Nelson. Zwischen derbem Garagenrock, typischem Neil-Young-Gitarrenkrach und gemütlichem Westcoast-Folk rumpeln die Songs dieses ungefähr 35. Studioalbums in Youngs enormer Diskographie insgesamt eher unauffällig daher. Auf einer Qualitätsskala seit dem Start mit Buffalo Springfield vor 50 Jahren möchte man „The Monsanto Years“ im oberen Mittelfeld ansiedeln. Mit seiner Lieblings-Begleitband Crazy Horse hätte Young ein ganz ähnliches Album einspielen können – doch diese Herren sind wie er selbst um die 70, aber teilweise deutlich weniger fit.

Im Opener „New Day For Love“ singt Young weniger über die Liebe als über die von Ausplünderung bedrohte Erde und über Menschen, die ihr Land vor „den Gierigen“ schützen müssen. „It's a bad day to do nothing“, warnt er – Nichtstun ist keine Option. Monsanto, aber auch der nach seiner Ansicht damit verbandelte Starbucks-Kaffeeriese, die Handelskette Walmart und der Energiekonzern Chevron bekommen namentlich ihr Fett weg. In „Workin‘ Man“ zitiert Young sein eigenes „Are You Ready For The Country?“, das er 1986 beim berühmten „Farm Aid“-Solidaritätskonzert für ausgebeutete US-Bauern spielte. Über all dem schwebt in den teils brachial parolenhaften Textzeilen ein Furor, der die nicht allzu aufregende Musik von „The Monsanto Years“ in den Schatten stellt. Leidenschaft in simplen Lyrics ist Neil-Young-Kennern natürlich vertraut. Mit „Greendale“ (2003) veröffentlichte er ein schrulliges Öko-Konzeptalbum, mit „Living With War“ (2006) eine Platte voller Abscheu über den Irak-Krieg der Regierung George W. Bush – sowie diverse Songs und zuletzt sogar ein Buch über umweltfreundliche Autos. Youngs Anti-Monsanto-Manifest auf seiner Facebook-Seite lässt an Deutlichkeit kaum zu wünschen übrig: „Monsanto ist das Paradebeispiel für das, was in unserer Welt mit von Unternehmen kontrollierten Regierungen falsch läuft.“ Das Album behandele „mehrere miteinander zusammenhängende Themen, die Millionen von Menschen weltweit in Sorge und in Bewegung versetzen“. Sein Gegner reagierte umgehend: „Viele von uns bei Monsanto waren und sind Fans von Neil Young. Für einige von uns spiegelt sein aktuelles Album unglücklicherweise nicht unsere feste Überzeugung für das wider, was wir tagtäglich tun, um die Landwirtschaft nachhaltiger zu machen.“