Fernsehen

Raabs Rückzug kostet fast jeden zweiten Job bei Brainpool

80 der 200 Mitarbeiter in der Produktionsfirma des Moderators müssen Ende 2015 gehen

Das deutsche Fernsehen verliert eines seiner bekanntesten Gesichter – und 80 Mitarbeiter der Kölner Produktionsfirma Brainpool verlieren ihren Job. Nach Informationen des Medienmagazins DWDL kostet der angekündigte TV-Rückzug des TV-Total-Giganten einen Großteil der Brainpool-Mitarbeiter ihren Job. Die Geschäftsführer Jörg Grabosch und Andreas Scheuermann sollen die insgesamt 200 Arbeitskräfte starke Belegschaft am Dienstag über die wirtschaftlichen Folgen vom Ende der Raab-Ära informiert haben.

„Es wurden heute 80 betriebsbedingte Kündigungen zum Jahresende ausgesprochen – bedingt durch den Wegfall der Stefan-Raab-Produktionen in 2016“, bestätigt Brainpool-Pressesprecherin Katja Plüm.

Es war ein Schock für Deutschlands Fernsehwelt: Stefan Raab hört auf. Mit dem 48-jährigen Metzgersohn aus Köln verschwindet zum Ende des Jahres der wohl einfallsreichste Entertainer aus dem deutschen Fernsehen. Seine Ankündigung, sich aus der Öffentlichkeit zurückzuziehen, schlug heftig ein, entsprach aber seiner Lebensplanung.

In einem TV-Interview, das vor knapp 20 Jahren entstand, sagte der etwa 30-jährige Raab, damals schon ein Star des Musikfernsehens: „In meiner Anfangszeit bei Viva habe ich mal gesagt, dass ich nicht im Fernsehen alt werden möchte.“ Und weiter: „Ich möchte meinen Kindern nicht erzählen: „Guck mal, das im TV ist der Papa, der macht da den lustigen Onkel, damit er Euch was zum anziehen kaufen kann.“

Mit 50 sei spätestens Schluss, prognostizierte Raab damals schon, obwohl der größte Sprung seiner Karriere noch bevorstand: der Wechsel zu ProSieben, die Ideen für viele neue Fernsehshows, die Gründung einer eigenen TV-Produktionsfirma in Zusammenarbeit mit dem Kölner Unternehmen Brainpool. Das machte Raab nicht nur zum Bildschirmstar. Er wurde mit all den TV-Formaten aus seiner Ideenschmiede ein international erfolgreicher Geschäftsmann.

Raab reiht sich ein in eine ganze Generation von Bildschirm-Stars, die sich zurückzieht. Hape Kerkeling, mittlerweile 50 Jahre alt, hat schon vor längerem erklärt, nicht mehr für die große Bühne zur Verfügung zu stehen. Harald Schmidt, 57 Jahre, das deutsche Late-Night-Aushängeschild der 90er-Jahre und zu Beginn des neuen Jahrhunderts, wanderte von Sender zu Sender, bis er alle Zuschauer verlor. Thomas Gottschalk, 65, hat „Wetten, dass..?“ längst abgelegt, und auch Günther Jauch, 58, hat sich mit dem jüngst avisierten Abschied vom ARD-Polittalk einen Schritt weit zurückgezogen.

Was den „Raabinator“ zu seinem Schritt wirklich bewegt, lässt er im Unklaren. „Ich habe mich entschlossen, zum Ende dieses Jahres meine Fernsehschuhe an den Nagel zu hängen“, zitierte ihn sein Sender, dem er 16 Jahre verbunden war. „ProSieben hat mir eine mehrjährige Vertragsverlängerung angeboten. Das hat mich sehr geehrt. Dennoch habe ich meine Entscheidung nach reiflicher Überlegung und mit Überzeugung getroffen.“

Zuletzt soll es jedoch im Verhältnis zwischen ProSieben und Raab geknirscht haben. Der Sender hatte im Juli vergangenen Jahres bei der Jahresprogrammpressekonferenz in Hamburg ein neues Showformat mit Raab in Aussicht gestellt. Doch daraus wurde nichts. Einmal wurde seine Show „Schlag den Raab“ im Frühjahr „aus produktionstechnischen“ Gründen verschoben, auch hier kochten Gerüchte um Spannungen hoch.

Schließlich wurde er mit dem Marktführer RTL in Verbindung gebracht, der eine neue Show im Stil von „Wetten, dass..?“ plant. „Eine Zusammenarbeit mit Stefan Raab ist derzeit bei uns kein Thema“, wehrte ein Sprecher ab. Klar ist: Stefan Raabs Abgang vom Bildschirm ist ein schmerzlicher Verlust für Deutschlands Fernsehlandschaft.