Galerie

Berggruen-Neubau bleibt auch im zweiten Jahr geschlossen

Die Sammlung im Stülerbau nimmt zwei Picassos der Nationalgalerie auf

„ZU“, die zwei Buchstaben hat Gerhard Hoehme in seine aus verschiedenen Zeitungsausschnitten zusammengesetzte Collage gezeichnet. Was er 1960 damit meinte, wissen wir nicht. „ZU“ steht derzeit auch auf den Glasfenstern der Nationalgalerie, die über mehrere Jahre saniert werden muss. Geschlossen bleibt weiterhin der Erweiterungsbau der Berggruen-Sammlung, nur wenige Monate nach seiner Eröffnung 2013 war Schimmel ins Dach gedrungen und sorgte für großflächigen Befall. Ein Jahr Schließzeit, hieß es damals, jetzt geht es ins zweite Jahr, und das zuständige Bundesamt für Bauwesen (BBR) wollte gestern erst gar keinen neuen Termin nennen.

„Wir machen das Beste draus“, so die Devise in der Sammlung Berggruen und der Sammlung Scharf-Gerstenberg vis-à-vis. Beide Häuser präsentieren jetzt komplette Neuhängungen ihrer Bestände – mit der Verstärkung von Werken aus der Nationalgalerie. Zwei Picasso-Frauen der Nationalgalerie sind jetzt bei Berggruen, Max Ernst’ „Vogel auf Rot“, Oskar Schlemmers „Groteske“ und Hannah Höchs politische Collage „Schnitt mit dem Küchenmesser...“ treten an die Seite der Surrealisten in der Schau „Mit anderen Augen“ bei Scharf-Gerstenberg. Nach der Teilschließung gab es bei Berggruen einen starken Besucherrückgang.

Dort ist man sehr bemüht, weiterhin eine repräsentative Auswahl der drei Berggruen-Künstler Klee, Matisse und allen voran Hausgott Picasso zu zeigen. Mit „Sideways“ flankiert der „Kleine“, Henri Laurens, den „Großen“, Picasso, stellt Bezüge her in Themen und Motiven. Auf Cézanne muss der Besucher allerdings verzichten, Giacometti hat temporär einen Raum bekommen, auch Klee hat zumindest ein kleines Ausweichrefugium. Also ein Wiedersehen mit lieb gewonnen Bekannten.

Allerdings fragt man sich, warum Museumschef Udo Kittelmann nicht mehr museale Funken schlägt aus dieser „Reise nach Charlottenburg“, die Trommel ordentlich schlägt und die Besucher stärker lockt mit etwa einem gesonderten Aufgebot von Ikonen aus der Nationalgalerie – und das auch entsprechend in der Stadt vermarktet. Erst im November möchte er im Hamburger Bahnhof eine temporäre Dependance „Neue Galerie“ eröffnen. Zeit wäre also gewesen für einen langen Sommer der Nationalgalerie in Charlottenburg.