Architektur

„Ein kleiner Beitrag zum Friedensprozess im Nahen Osten“

Beim Richtfest der Barenboim-Said Akademie geht es um den Versöhnungstraum

Zunächst einmal stehen alle da und staunen über den elliptisch-futuristischen Besucherrang – Architekt Frank Gehry hat diesen ungewöhnlichen Konzertsaal entworfen. Es ist bereits einiges in der Barenboim-Said Akademie zu sehen, am Montag fand dort das Richtfest statt. Als Erster trat Polier Michael Fuhrmann mit seinem Bierglas ans Mikrofon und hielt mit viel Prost den Zimmermannsspruch. Richtfeste sind voller Symbolik in Berlin, das gilt fürs Humboldt-Forum und insbesondere auch für die Staatsoper, wo am 19. Juli das Richtfest gefeiert wird.

In der Barenboim-Said Akademie, die im früheren Magazingebäude der Staatsoper Unter den Linden entsteht, sollen ab Oktober 2016 junge Stipendiaten aus dem Nahen Osten eine musikalische und philosophische Ausbildung erhalten. Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) bezeichnete die Musikhochschule als ein „wegweisendes kulturelles Versöhnungsprojekt“. Dadurch könne Deutschland „einen kleinen Beitrag zum Friedensprozess im Nahen Osten leisten“. Die Stipendiaten sollten zu „Botschaftern einer europäischen Musikkultur werden“. Bereits für den Umbau hat der Bund 20 Millionen beigesteuert. Grütters sicherte nach Eröffnung eine Bundesförderung des Akademiebetriebs zu. Später sollen rund 80 junge Musiker ein vierjähriges Studium absolvieren.

Berlins Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) eröffnete seine Rede mit einem Scherz, der darauf anspielte, dass Künstler gerne auch in Berlin leben, weil die Mieten günstig sind. Das Land Berlin überlässt der Akademie das Gebäude für 99 Jahre. Ein Euro ist als symbolischer Preis vereinbart. Darüber hinaus erinnerte Renner daran, dass Berlin auf zwei Säulen stehe: Wissenschaft und Kultur. Daniel Barenboims Akademie verbinde beides und stehe damit beispielhaft für das Selbstverständnis Berlins. Andreas Görgen, Abteilungsleiter für Kultur und Kommunikation im Auswärtigen Amt, würdigte die von der Akademie repräsentierte „Diplomatie der Kultur“. Ohne sie stehe die „Kultur der Diplomatie“ auf „unsicheren Füßen“. Sein Amt unterstützt das Projekt mit Stipendien. Mit der Akademie sind überhaupt viele Hoffnungen verknüpft.

Einen ersten akustischen Eindruck gab es auch. Pianist Daniel Barenboim spielte mit vier jungen Musikern, die allesamt mit dem West-Eastern Divan Orchestra verbunden sind, ein Mozart-Quintett. Der „Pierre Boulez“-Saal hat Volumen und Klangcharakter, später wird die Holzvertäfelung noch einiges vom Nachhall nehmen. Schließlich trat auch Daniel Barenboim, Generalmusikdirektor der Staatsoper und Akademie-Gründer ans Pult. Er wirkte sehr gerührt. „Musik wird den Konflikt im Nahen Osten nicht lösen“, sagte er. Der Stardirigent beschreibt viel mehr, wie es ist, wenn ein junger Musiker aus einem Land kommt und am selben Pult sein Feind sitzt. Einer, der immer als Monster beschrieben wurde. Und dann machen die beiden gemeinsam Musik, werden vielleicht sogar Freunde. Das ist Barenboims Vision für die Akademie.