Konzertkritik

Bei Manu Chao wird die Zitadelle zur Open-Air-Disco

Der Sänger und Politaktivist bringt 10.000 Fans auf Touren

Die Zitadelle Spandau wird zu einer lateinamerikanischen Open-Air-Großdisco: Als der Sänger, Gitarrist und Politaktivist Manu Chao kurz nach 20 Uhr mit seinen fünf Musikern die Bühne entert, bricht eine glückselige Euphorie aus und aufgeregte Fans versuchen, vor die Bühne zu stürmen. Was sich bei einem ausverkauften Konzert mit 10.000 Besuchern als nicht gerade einfach erweist. Sirenengeheul, Straßenlärm, Trillerpfeifen vom Band leiten über zu „Ya llégo“, mit dem Manu Chao den Abend beginnt. Und die Party wird erst nach zweieinhalb atemlosen Stunden ihr Ende finden.

Manu Chao ist ein Phänomen. Er hat wie kaum ein anderer den Begriff Weltmusik auf seine Essenz gebracht, obwohl er eine Kategorisierung seiner Musik als Weltmusik konsequent ablehnt. Er ist ein musikalischer Herumtreiber zwischen unterschiedlichsten Stilen. Es gibt pulsierenden Reggae, aufbrausenden Polka-Punk, an die Volksmusik Mexikos, Kolumbiens oder Argentiniens angelehnte Lieder, gesungen auf Spanisch, Portugiesisch oder Englisch. Der 53-jährige Sänger packt mehrere Stücke zu einer Art Medley zusammen. So kommt es, dass einige seiner Hits wie „Bongo Bong“ oder „Me Gusta Te“ in einer rauen und ungleich kürzeren Version gespielt werden. „Danke schön, Berlin!“, ruft Chao in die Menge. „Thank you for the energy!“ Und diese positive Energie ist überall auf dem Platz zu spüren.

1987 hatte Manu Chao mit seinem Bruder und einigen Freunden in Paris die Formation Mano Negra gegründet. 1994 löste sich die Band auf. Drei Jahre später begann Manu Chao seine Solokarriere. Er singt immer wieder von der Liebe und vom Leben, aber auch über Themen wie Globalisierung und Immigration, Rassismus und Genmanipulation. Er gehörte 1998 zu den Gründungsmitgliedern der Organisation Attac. Doch der Mann weiß auch, wie man feiert. Sein Stilmix ist ein ungeheuer rhythmischer, ungeheuer kompakter Tanzbeat, in dem Punk und Ska, Reggae und Mambo, Salsa, Flamenco und algerischer Rai zueinanderfinden.

Die Musiker sind bestens aufeinander eingespielt. Bass, Gitarre, Schlagzeug sowie zwei Blechbläser stehen ihm zur Seite. Der Sound ist perfekt und von ordentlicher Lautstärke. Die Band hat großen Spaß, will gar nicht von der Bühne gehen und kehrt unter forderndem Jubel immer wieder für Zugaben zurück. So zieht man gern atemlos durch die Nacht.