Musik

Der Virtuose, der eine gute Band um sich braucht

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Peter E. Müller

Rockgitarrist Slash erinnert im Konzert in der Zitadelle Spandau an seine großen Zeiten bei Guns N’Roses

Er hat die wilden Jahre genossen. Mit Guns N’Roses spielte sich der Rockgitarrist Slash zu Weltruhm. Er prägte bis 1996 mehr als zehn Jahre lang den Sound der Überflieger-Band um den egomanischen Sänger Axl Rose, wurde zur Gitarren-Ikone mit schwarz-wuscheliger Lockenmähne und Zylinder. Nun steht der der 49-jährige Meister der harten Riffs ganz unprätentiös am Montagabend mit seinem neuen Projekt auf der Bühne der Spandauer Zitadelle. Ein stiller Star, der mit seinem Instrument ordentlich Lärm zu machen versteht.

Slash, der eigentlich Saul Hudson heißt und in England geboren wurde, bevor er mit seiner Mutter in die USA umsiedelte, ist ein virtuoser Solist, den das ausschweifende Rock-’n’-Roller-Leben immer wieder gefährlich aus der Bahn zu werfen drohte. Ende der 2000er-Jahre entschied er sich für eine Entziehungskur. Nach Guns N’Roses versuchte sich Slash an diversen Solo- und Bandprojekten wie Slash’s Snakepit oder Velvet Revolver. Der gefragte Gitarrist spielte als Gast auf Platten von Bob Dylan, Iggy Pop oder Michael Jackson. Und ist seit einigen Jahren unterwegs mit einer Crew, die er sperrig Slash feat. Myles Kennedy and the Conspirators nennt. Die wird in der Zitadelle nach einem Power-Vorprogramm der amerikanischen Frauen-Punkrock-Band L7 von den rund 3500 Besuchern kräftig gefeiert.

Mit „You’re A Lie“ vom 2002er-Album „Apocalyptic Love“ eröffnen die Konspiratoren ihr Berlin-Konzert, gefolgt vom Guns N’Roses-Klassiker „Nighttrain“. Sänger Myles Kennedy ist ein stimmstarker Rockshouter, für den auch höchste Höhen kein Problem darstellen.

Jede Menge neue Stücke sind im Programm, wie das aufwühlend voranpreschende „Wicked Stone“ vom aktuellen Album „World Of Fire“. Doch daneben gibt es viele Klassiker der frühen Jahre, an denen Slash beteiligt war. Wie „Welcome To The Jungle“ von Guns N’Roses oder „Slither“ von Velvet Revolver. Slash wechselt mehrfach auch zur zweihalsigen Gitarre, lässt die Saiten heulen und jaulen, schreien und flüstern, bringt orientalische Melodien ins Spiel und umarmt sein Instrument bei atemlos machenden, fingerflinken Soloeskapaden. Slash geht es wie vielen Rock-’n’-Roll-Handwerkern seiner Zunft. Er ist ein virtuoser Instrumentalist, der aber ohne die Band, mit der der sich seinen Platz im Rockolymp erspielte, mit einer gewissen Ziellosigkeit seinen Weg geht. Mit den Conspirators scheint er momentan die richtige Truppe um sich zu haben. Mehr als zwei Stunden lang rocken Slash und Co. über die Zitadellenbühne. Sie machen mit deftigem Sound und in grellem Flackerlicht ordentlich Druck. Streckenweise macht sich aber auch gitarrengestählter Gleichklang breit. Sie zelebrieren die große Zeit des Rock. Sie schwelgen im Gitarrensound von „Sweet Child O‘ Mine“. Und wäre das nicht schon erinnerungsselig genug, spielen sie zur Zugabe einen der größten Erfolge, die Guns N’Roses gelandet haben: das wuchtige „Paradise City“ mit diesem ungeheuer treibenden Slash-Gitarrenriff.