Nachruf

Ein Patriarch mit Begeisterung am Risiko

Zeitungsverleger Alfred Neven DuMont ist mit 88 Jahren in Köln gestorben

DuMont, der Name ist in Köln eine Macht. Mit den Zeitungen „Kölner Stadt-Anzeiger“ und „Express“ beherrscht der Verlag den Zeitungsmarkt der Domstadt. Später kamen der Verlag der „Kölnischen Rundschau“ und weitere Zeitungshäuser außerhalb Nordrhein-Westfalens dazu. M. DuMont Schauberg ist das derzeit fünftgrößte deutsche Zeitungshaus mit einer Gesamtauflage seiner Titel von knapp einer Million Exemplaren.

Alfred Neven DuMont, der am Sonnabend im Alter von 88 Jahren in Köln gestorben ist, vereinte in sich das Gespür für das Verlegertum wie die Begeisterung für die Künste. Er war Unternehmer und Kreativer zugleich. Schrieb nicht nur in seinen Zeitungen, sondern verfasste Romane, spielte bereits in seiner Jugend Theater, später an den Münchner Kammerspielen. Sein Vater Kurt Neven DuMont war Verleger in der zehnten Generation, seine Mutter Gabriele war die Tochter des Malers Franz von Lenbach. In seinem Haus in der Nähe von Köln konnte der Besucher sehen, wie sehr Neven DuMont mit und in der Kunst lebte. Er besaß nicht nur welche, sie machte ihm Spaß.

Nach 1950, nach dem Studium der Philosophie, Geschichte und Kultur in München, folgte die, wie es in seinem Lebenslauf heißt, „praktische Vorbereitung auf die Tätigkeit im Zeitungsgeschäft“. 1953 dann der Eintritt in das Verlagshaus M. DuMont Schauberg, das zu gleichen Teilen den Familien Neven DuMont und DuMont Schütte gehört.

1964 gründete der Jungverleger die Boulevardzeitung „Express“ und übernahm zugleich die Herausgeberschaft. 1967 starb der Vater, was Alfred im Alter von vierzig Jahren zum Vorsitzenden der Geschäftsführung des Verlages machte. Erst später musste er das dynastische Prinzip aufgeben – zumindest, was die operative Führung betraf. Über die Jahrzehnte kamen Radio- und TV-Beteiligungen hinzu. Immer wieder hatte DuMont betont: „Ich glaube an die Zukunft der Zeitung.“ 1990 wechselte Neven DuMont an die Spitze des Aufsichtsrates. Im Verlag hieß es regelmäßig, keine wichtige Entscheidung werde ohne die Zustimmung des Patriarchen getroffen.

2006 übernahm DuMont zunächst die Mehrheit an der defizitären „Frankfurter Rundschau“. Der Berliner Verlag mit der „Berliner Zeitung“ und dem „Kurier“ sowie die „Hamburger Morgenpost“ gingen drei Jahre später an die Kölner. Neven DuMont übernahm die Titel für 152 Millionen Euro von dem britischen Unternehmer David Montgomery, der eine Weile als der größte Bösewicht unter den Zeitungsmanagern galt, weil er es gewagt hatte, mit Finanzinvestoren zu paktieren. Für die strukturkonservative Zeitungsbranche ein Unding. Alfred Neven DuMont wurde damals in Berlin gefeiert, als der Retter empfangen. Für den damals schon fast 82-Jährigen war es in der Tat ein besonderer Coup. Viel Freude hatte sein Verlag dann nicht mit den Zukäufen.

International war DuMont Schauberg zurückhaltend, es blieb bei einer Beteiligung von 25 Prozent am israelischen Zeitungshaus „Ha’aretz“.

Mit seiner Frau Hedwig hatte Alfred Neven DuMont drei Kinder. Markus, ein Künstler, verstarb 1995, im Alter von erst 28 Jahren. Sohn Konstantin war als Nachfolger vorgesehen, er war bis Ende 2010 Vorstandsmitglied. Dann folgte zumindest im Verlag der Bruch zwischen Vater und Sohn. Heute ist Konstantin Neven DuMont unter anderem Geschäftsführer eines Immobilienunternehmens. Im Vorstand folgte auf ihn seine Schwester Isabella. Sie wechselte Anfang des Jahres als stellvertretende Vorsitzende in den Aufsichtsrat. Dort hat Christian DuMont Schütte den Vorsitz, der die Familie Schütte vertritt.

Vorstandschef von M. DuMont Schauberg ist seit dem vergangenen Jahr der Manager Christoph Bauer. Nach einem schweren Jahr 2012 erzielte der Verlag im Folgejahr wieder einen kleinen Gewinn. Ende August soll der erste Teil der Memoiren des Verlegers erscheinen: „Mein Leben. Die Jahre von 1927 bis 1968“. Das Titelbild zeigt einen jungen Mann, der mit sichtlichem Wohlgefallen in seine Zeitung schaut. So wird Alfred Neven DuMont in Erinnerung bleiben.