Filmpreis

Der traut sich was, der deutsche Film

Sechs für die Goldene Lola nominierte Regisseure treffen sich im Kino

„Wir sind jung. Wir sind stark.“ heißt einer der sechs Filme, die beim Deutschen Filmpreis am 19. Juni für den besten Film nominiert sind. Wir sind jung, wir sind stark: Das kann man auch über die Regisseure dieser Filme sagen, die am Donnerstag in der Astor Film Lounge zu einer „Lola-Vision“ zusammentrafen. Komplett war die Runde nicht; Rumänien war schuld: Dort drehen gerade Dominik Graf und Sebastian Schipper. Letzterer ließ sich immerhin von seinem Produzenten Jan Dressler vertreten. Für den fehlenden Sechsten holte Moderator Alfred Holighaus, Noch-Geschäftsführer der Deutschen Filmakademie, die über die Lolas abstimmt, Veit Helmer dazu, dessen „Quatsch“ als bester Kinderfilm nominiert ist.

Eine illustre Runde. Und eine risikofreudige obendrein. Sage noch einer, der Deutsche Film traue sich nichts! Diese sechs beweisen das Gegenteil. Allen voran Sebastian Schipper, dessen Berlin-Film „Victoria“ 144 Minuten lang in einer einzigen Einstellung gedreht wurde. Aber auch Ed Berger, der in „Jack“ einem Jungen auf einer Odyssee durch Berlin folgt – und das in langen Plansequenzen. Was wäre passiert, wenn der Junge nicht mehr gewollt oder gekonnt hätte? Giulio Ricciarelli hatte bei „Im Labyrinth des Schweigens“ das gegensätzliche Problem: sein erster langer Film – und dann gleich Legenden wie Gert Voss anweisen. Johannes Naber hat seine Globalisierungssatire „Zeit der Kannibalen“ als klaustrophobisches Kammerspiel in immer gleichen Hotelräumen inszeniert. Und Burhan Qurbani zwingt seine Zuschauer in „Wir sind jung...“, seinem Film über die Ausschreitungen in Rostock 1992, die Perspektive der Täter einzunehmen. Lauter strenge Formate.

Wie sie da so sitzen und von ihren Dreharbeiten erzählen, ist nichts von Konkurrenz oder Berührungsängsten zu spüren. Auch wenn sie alle um die mit hohen Preisgeldern versehene Lola buhlen. Im Gegenteil: Naber war als Oberbeleuchter an Bergers Film beteiligt, Qurbani tröstet Ricciarelli, dass auch er vor Devid Striesow „Schiss“ gehabt hätte. Und es kommt sogar heraus, dass die Kinder des Moderators mal als Darsteller für „Jack“ im Gespräch waren.

Ein hübscher Abend. Nur schade, dass mehr Filmakademiker als normale Zuschauer ins Kino finden. Lola-Visionen gibt es auch heute noch mit den Schauspielern und Komponisten im Apple-Store. Da kann man Lola-Nominierte einmal aus nächster Nähe erleben.