Theater-Kritik

Wer schmeißt denn da mit Schlamm

Molières Klassiker „Der Geizige“ an den DT-Kammerspielen

Geldangelegenheiten sind ein schmutziges Geschäft. Deshalb wird in Martin Laberenz’ Inszenierung des „Geizigen“ nicht, wie eigentlich in Molières Komödie, die Geldkassette im Garten vergraben, sondern in einem schlammigen Loch. In das nicht nur der Titelantiheld, sondern auch andere Bühnenfiguren mehrfach tapern. Die steigen dann mit völlig vermatschten Schuhen wieder heraus, schütteln diese in die erste Publikumsreihe aus und verschmieren nach und nach die ganzen Kostüme und das Bühnenbild. Sehr plakativ wird in diesem „Geizigen“ illustriert, dass man bei Gelddingen selten sauber bleiben kann.

Geiz, lehrt uns ein Werbeslogan, der längst zum geflügelten Wort wurde, Geiz ist geil. Ja mehr noch: Er ist sogar zum Regierungsstil geworden, geht es doch kommunenweise nur noch darum, zu sparen, bis es quietscht. Man hätte also aus dem alten Klassiker durchaus spannende politische Aktualisierungen destillieren können an den Kammerspielen des Deutschen Theaters. Aber dem Regisseur schien es mehr darum zu gehen, dass sein „Geiziger“ selbst geil wird.

Die Schmutzsuhle ist da ein probates, wenn auch nicht mehr gar so unbekanntes Bühnenmittel. Kann man doch alles schön happening-mäßig einsauen. Eine drehbare Bühne auf der Bühne tut ein Weiteres. Hier kann man alles drehen, wenden und kreisen, auf dass nur ja kein Staub mehr auf der alten Komödie haftet. Und dann müssen alle Schauspieler mit körperlichem Dauereinsatz spielen: spillerig, hypernervös, außer Atem.

Sie dürfen dabei auch wiederholt aus ihrer Rolle treten, dürfen über Joschka Fischer und ’68 witzeln, sich sogar über das Spiel des Kollegen echauffieren. Das ist teils hinreißend improvisiert, manchmal sogar amüsant, mit Molière hat das nichts mehr zu tun. Neue Einsichten verschafft es dagegen auch nicht. Der jungenhafte Zuschauer neben uns amüsiert sich prächtig, offensichtlich zählt er zur Zielgruppe. Der prominente Linke-Politiker vor uns verzieht dagegen kaum eine Miene und hält es wie der Großteil des Publikums. Dieser „Geizige“ ist nicht geil. Man muss auch nicht knauserig sein, wenn man sich den Abend spart.

DT-Kammerspiele Schumannstr. 13 a, Mitte. Tel.: 28 44 12 25. Nächste Termine: 20. u. 27. Mai, 3. u. 30. Juni, 12. Juli..