Planung

Kulturforum: Der Weg zum Museum der Moderne

Fünf Jahre ist es nun her, als im Dezember 2010 der damalige Regierende Bürgermeister und Kultursenator Klaus Wowereit die Surrealisten-Sammlung von Ulla und Heiner Pietzsch im Roten Rathaus in Form einer Schenkungsurkunde entgegennahm.

Das Präsent aber ist an eine Bedingung geknüpft: Es muss der Öffentlichkeit präsentiert werden, zumindest in Teilen, und darf nicht in den Depots des Museums verschwinden. Die auf etwa 120 Millionen Euro geschätzte Sammlung des Berliner Paares mit rund 150 Gemälden, Zeichnungen und Skulpturen stellt für die Neue Nationalgalerie eine wichtige Ergänzung im Bereich der Surrealisten und des abstrakten Expressionismus dar.

Klar war allen Beteiligten von Anfang an, dass die Schenkung nicht in den beengten Mies-van-der-Rohe-Bau passt. Der eigene Bestand dort ist selbst unterpräsentiert, weil einfach Platz fehlt. Hermann Parzinger, der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz, erklärte, man bemühe sich um die Schaffung eines Museums der Moderne am Kulturforum, um die eigenen Bestände mit der Sammlung Pietzsch zu vereinen. Damals war schon klar, dass sich das Sammlerpaar Pietzsch auf eine längere Wartezeit einrichten muss, da die Finanzierung nicht gesichert war.

Der „Hinterhof“ für die Kunst

Der Durchbruch kam überraschend im November 2014. Der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages beschloss, 200 Millionen Euro für einen Neubau bereitzustellen, damit am Kulturforum ein 14.000 Quadratmeter großer Neubau entstehen kann. Wenn er gut wird, sollte er auch eine städtebauliche Lösung für das unwirtliche Areal mit der schrägen Piazzetta herbeiführen. In den neuen Museumsbau sollen neben Teilen des Bestandes der Nationalgalerie die Sammlungen Pietzsch, Marx und zudem Marzona ihr Domizil finden. Mit dem Beschluss sei „nun das Bangen um die angebotene, aber keineswegs sichere, großzügige Schenkung durch das Berliner Sammlerehepaar Pietzsch beendet“, teilte damals Rüdiger Kruse (CDU), Hauptberichterstatter für Kultur und Medien im Haushaltsausschuss mit. Baubeginn soll 2017 sein, das Museum könnte 2021 eröffnet werden. Den größten Triumph bedeutet der Durchbruch für Kulturstaatsministerin Monika Grütters, die seit ihrer Berufung den Neubau zum erklärten Ziel gemacht hatte. Von Anfang an favorisierte sie die Potsdamer Straße als Standort.

Nachdem 2012 noch unter Kulturstaatsminister Bernd Neumann zunächst zehn Millionen Euro für die Umrüstung der Gemäldegalerie in ein Museum der Moderne bereitgestellt worden waren, hatte sich die Stiftung Preußischer Kulturbesitz 2013 für einen Neubau hinter der Nationalgalerie an der Sigismundstraße ausgesprochen. Allerdings haben sich die Sammler gegen dieses Grundstück entschieden, weil sie den Platz als „Hinterhof“ für ihre Kunstwerke empfinden, erklärte Sammler Erich Marx. Diese Variante in räumlicher Nähe zum Mies-van-der-Rohe-Bau hatte sich in einer Machbarkeitsstudie allerdings als kostengünstiger erwiesen.

Die Diskussion rund um das Kulturforum gibt es seit Jahrzehnten – weil das Quartier auch nie ganz zu Ende gebaut wurde. Auf der Freifläche hatte Philharmonie-Baumeister Hans Scharoun ein Gästehaus geplant. Die Architekten des Neubauprojektes stehen nun vor der Herausforderung, zwischen Philharmonie, der Mies-Ikone und der Staatsbibliothek gegenüber zu vermitteln. Und den Ort zu beleben. Am Kulturform gibt es nichts, wenn man gegen 22 Uhr aus der Philharmonie heraustritt. Da bleibt nur, irgendwo anders einen Absacker zu nehmen.

Anfang 2004/2005 unternahm der damalige Senatsbaudirektor Hans Stimmann den Versuch, die ungeliebte Brache mittels eines Masterplans neu zu strukturieren. Umgesetzt wurde er nie. Seine Idee war es, direkt mit den Anrainern des Areals – den Staatlichen Museen, den Berliner Philharmonikern und der Matthäi-Kirche – ein Konzept zu entwickeln, ganz auf die Bedürfnisse an diesem Ort abgestimmt.

Wegfallen sollte die Piazzetta, jene Rampe, die zu den Museen hinaufführt. Die ansteigende Fläche wirke wie eine Barriere, sagte Stimmann, deshalb kämen so wenige Besucher. Stattdessen war ein Platz mit Kolonnadenumgang geplant. Außerdem sollten die Parkplätze an der Philharmonie verschwinden und weitere Gebäude „zurückhaltend ergänzt“ werden und so die beiden Ikonen Neue Nationalgalerie und Philharmonie in ihrer Wirkung unterstützen.