Belletristik

Eine Zeitreise in das Osmanische Reich des 16. Jahrhundertes

Er gilt als einer der größten Architekten aller Zeiten: Der im 16. Jahrhundert in Istanbul lebende Sinan.

Unter vier Sultanen errichtete Sinan Bauwerke wie die Süleymaniye-Moschee in Konstantinopel. Der neue Roman der türkischen Schriftstellerin Elif Shafak „Der Architekt des Sultans“ lässt vermuten, dass der Meister selbst im Mittelpunkt steht. Doch die Geschichte dreht sich vor allem um seinen Auszubildenden Jahan und dessen klugen Elefanten Chota. Der Originaltitel des auf Englisch geschriebenen Buches „The Architect’s Apprentice“ trifft es genauer. Jetzt liegt die deutsche Übersetzung des Werks der in Istanbul und London lebenden Autorin vor. Elif Shafak hat sich dabei von historischen Ereignissen aus der Blütezeit des Osmanischen Reiches inspirieren lassen, ohne sich genau an die Daten zu halten.

Elif Shafak erzählt von Palastintrigen, blutigen Kriegen, schweren Erdbeben, Feuersbrünsten oder Pest. Auf knapp 650 Seiten breitet sie ein buntes Panorama der damaligen Epoche aus. Manchmal dicht und spannend geschrieben, manchmal eher langatmig und schlecht verfugt. Im Rausch der Worte geht gelegentlich die Fantasie mit ihr durch. Doch wer einen historischen Schmöker schätzt und sich dabei zu einer Reise nach Konstantinopel verlocken lassen kann, um sich auf die Spur des realen Sinan und seine architektonischen Meisterwerken zu begeben, kann dieses „Produkt der Fantasie“ – so die Autorin – lesen. Sie selbst gibt darin preis, was sie zu dem Roman angeregt hat: vor allem ein Porträt des Sultans Süleyman mit einem Elefanten und seinem Mahut am Bildrand.

Elif Shafak: Der Architekt des Sultans. Kein & Aber, 647 S., Euro 24,90