Abschied

Krimiautorin Ruth Rendell mit 85 Jahren gestorben

Sie schrieb 60 Bücher, auch unter Pseudonym Barbara Vine

Die weltweit erfolgreiche britische Krimiautorin Ruth Rendell ist im Alter von 85 Jahren gestorben. Dies teilte ihr Verlag Penguin Random House am Samstag mit. Die Autorin hatte im Januar einen schweren Schlaganfall erlitten. Sie galt als eine der beliebtesten Krimiautorinnen in Großbritannien, die die klassischen englischen Detektivgeschichten mit psychologischer Tiefe verfeinerte. Sie sei ein „einfühlsamer und eleganter Beobachter der Gesellschaft“ gewesen, sagte Verlagschefin Gail Rebuck.

Die 1930 in London geborene Schriftstellerin hat in vier Jahrzehnten mehr als 60 Bücher veröffentlicht, 20 davon mit ihrer berühmtesten Figur, Inspektor Wexford. Auch unter dem Pseudonym Barbara Vine veröffentlichte sie zahlreiche Bestseller wie „Das Geburtstagsgeschenk“ oder „Die im Dunkeln sieht man doch“. Sie war auch Vorbild für viele andere Autoren. US-Bestsellerautor Stephen King twitterte, ihr Tod sei ein „riesiger Verlust“.

Ihr erster Roman um Chief Inspektor Reginald Wexford erschien im Jahr 1964. Davor habe sie ein paar „sehr schlechte“ Romane geschrieben, die nie veröffentlicht worden seien, sagte sie einmal der Nachrichtenagentur AP 2005. Nach diesen Fehlstarts habe sie herausgefunden, dass „Suspense und eine Art Spannung und Rätselhaftigkeit meine Stärke war“. Sie mischte das klassisch Geheimnisvolle mit einer psychologischen Tiefe, die den Lesern einen ungewöhnlichen Zugang zum emotionalen Innenleben ihrer anscheinend gewöhnlichen Figuren bot, die trotzdem zu Verbrechen imstande waren. Ruth Rendell war sich der emotionalen Bindung vieler ihrer Leser zu ihren Romanhelden bewusst. „Einen Seriencharakter wie Wexford betrachten die Leute als reale Person und sie binden sich stark an ihn“, sagte sie einmal. „Frauen haben mir über die Jahre geschrieben, sie liebten ihn und ich solle seine Frau umringen, damit sie ihn heiraten können.“

2014 sagte sie in einem Vortrag auf dem Literaturfestival Cheltenham, sie habe nie über Kindermord geschrieben, weil sie in keiner Weise Kriminellen zeigen wollte, wie sie vorgehen könnten. „Ich wollte nichts damit zu tun haben, nicht verantwortlich sein“, erklärte sie. Aus demselben Grund habe sie nie Grausamkeit gegen Tiere zum Thema gemacht. Die Autorin gehörte seit 1997 dem britischen Oberhaus an. Die Londonerin schrieb vormittags an ihren Büchern, nachmittags nahm sie of an Parlamentssitzungen teil. Ihr offizieller Titel war Baroness Rendell of Babergh. Während ihrer langen Karriere erhielt sie zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen.