Bildung

Schuhe aus und ab in den Wald

Kulturstaatsministerin eröffnet die Bilderbuchwerkstatt von Olafur Eliasson

Es kommt nicht alle Tage vor, dass man die Kulturstaatsministerin auf blauen Socken antrifft. Da ist sie ziemlich unkompliziert. Ihre schwarzen Boots hat sie vor der Tür stehen lassen, genau wie Olafur Eliasson und Martin Rennert, Direktor der Universität der Künste (UdK). Monika Grütters hebt ein Paar beigefarbener Kinderschuhe mit Riemchen in die Luft, die aussehen, als sei Pippi Langstrumpf mit ihnen lange unterwegs gewesen. „Wie süß!“, sagt sie.

„Olafur komm“, ruft sie nun dem Künstler zu. Schon stehen beide auf Strümpfen im Wald. Der Wald ist grün, gelb und braun, ganz aus dicker Wolle, vor allem herrlich weich unter den Füßen. Ein Teppichknüpfer hätte sechs Wochen daran gearbeitet, erzählt Eliasson. Die mit weichem Stoff bunt bezogenen Baumstämme sind sehr hoch, oben an der Baumkrone sind Spiegel angebracht, ein typisches Element in der Kunst von Olafur Elliasson. An den Stämmen hängen Kisten aus massivem Holz, gefüllt mit jeder Menge von Büchern. Kaum vorstellbar, dass sich in dem Raum mal Dienstzimmer befanden.

Grütters ist die Schirmherrin des Projektes, dass sich Bilderbuchwerkstatt nennt und als Bildungs- und Erlebnisort im Rahmen der „grund_schule der künste“ Lehrern und Kindern Raum für mehr Fantasie und Eigensinn geben soll. Eliasson, der UdK-Professor ist, hat für seinen Entwurf kein Geld genommen.

Was kann Kunst mit Kindern machen? Ein auf Erfolg ausgelegtes Schulsystem, findet Eliasson, lasse nur wenig Platz für Unvorstellbares, dafür sei die Kunst da. Ohnehin, meint er, gäbe es keine Rechtfertigung dafür, warum Museen mit ihren pädagogischen Programmen nicht direkt in die Schulen gehen. „Museen raus aus den Institutionen, rein in die Klassen.“ Alle klatschen.

Monika Grütters kniet sich nieder, hockt sich zu zwei etwa achtjährigen Mädchen, die in einem Bilderbuch Schuhtypen aus verschiedenen Epochen anschauen. Was für ein Schnabelschuh! Sieht so aus, als hätte die Kulturstaatsministerin Lust, mal wieder kurz Kind zu sein. „Hätten Sie gerne so ein Büro?“, fragt sie jemand. „Mein Büro ist auch nicht schlecht“, kontert sie.

Es ist ein fröhlicher Spätnachmittag in den langen Fluren der UdK an der Bundesallee, wo die Kinder der Eröffnungsfeier herumrennen. Als Monika Grütters geht, wird sie von Martin Rennert auf dem Flur verabschiedet – auf Socken, mit den Schuhen in der Hand.