Stadtplanung

Ein Geschenk und seine Folgen

Der Standort für das Museum der Moderne ist umstritten. Der Senat und die Kulturstaatsministerin plädieren für die Potsdamer Straße

Im Mai soll eigentlich der Ideenwettbewerb für das Museum der Moderne anlaufen. Kurz vor Schluss gibt es nun Streit über den endgültigen Standort des Hauses, das auch die Sammlungen von Heiner und Ulla Pietzsch sowie Erich Marx aufnehmen soll. Ist die Potsdamer Straße die optimale Lösung? Wer über das Museum der Moderne spricht, meint immer auch das Kulturforum, das nach einer Neuordnung schreit.

Nun ist es so, dass die Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die letzten Monate keinen Zweifel daran ließ, für welchen Standort sie sich entschieden hat: den Platz an der Potsdamer Straße, zwischen Nationalgalerie und Berliner Philharmonie gelegen. „Unser Sehnsuchtsort“, sagte sie zuletzt auf einer Pressekonferenz in der geschlossenen Nationalgalerie – mit direktem Blick auf das Gelände. Sie steht in Kontakt mit den Berliner Sammlern Ulla und Heiner Pietzsch, Erich Marx und Egidio Marzona. Sie weiß, die Sammler haben gemeinsam in einem Schreiben an die Preußenstiftung den Standort Sigismundstraße abgelehnt.

Doch das sieht das Parlament offenbar anders. Die Bundestagsabgeordneten und Mitglieder im Haushaltsausschuss Rüdiger Kruse (CDU) und Johannes Kahrs (SPD) fordern einen offenen Wettbewerb unter Einbeziehung aller möglichen Standorte, also Sigismundstraße, hinter der Nationalgalerie gelegen, und sogar die Tiergartenstraße, die als dritte Option kursiert. Das gefährde aber den Zeitplan für den Ideenwettbewerb, so Kulturstaatssekretär Tim Renner.

Für Kruse und Kahrs geht es nicht um „nur“ ein Modernemuseum, sondern um die Entwicklung des Kulturforums. „Hier muss offen diskutiert werden, um andere Optionen nicht gleich zu verbauen. Es geht darum, das Beste für das Kulturforum zu bekommen“, findet Rüdiger Kruse (CDU). Der Ideenwettbewerb solle so breit wie möglich angelegt, die Bebauungspläne am Kulturforum so wenig wie möglich festlegt sein.

„Eine Vorfestlegung ist gefährlich“, findet auch Johannes Kahrs. Offenbar gibt es da noch Diskussionsbedarf zwischen den Parlamentariern und der Kulturstaatsministerin. Denn erst die Parlamentarier haben dafür gesorgt, dass der Bund die 200 Millionen Euro für das Museum trägt. Irgendwann in der durchaus hitzigen Diskussion sagte Rüdiger Kruse: „Noch sind die Gelder nicht entsperrt.“ Das hörte sich an diesem Abend an wie eine Drohung.

Am Montagabend hatte die Stiftung Zukunft Berlin geladen, symbolisch, an den Pariser Platz Nr. 1, Sitz der Commerzbank. „Ein Geschenk und seine Folgen“, so der sinnige Titel des Abends. Das Geschenk ist das Moderne-Museum, für das der Bund überraschend die 200 Millionen Euro bewilligt hat. Auf dem Podium saßen außerdem Udo Kittelmann, Chef der Nationalgalerie, und Wilfried Wang, stellvertretender Direktor der Sektion Baukunst der Akademie der Künste. Volker Hassemer, ehemals Stadtentwicklungssenator und Vorstandsvorsitzender der Stiftung, moderierte. Er selbst ist in seiner Amtszeit am Kulturforum gescheitert. Eine „sauschwere Aufgabe“, findet er das Projekt am Kulturforum.

Zwischen die Fronten geriet an diesem Abend der Berliner Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD). Er ging davon aus, dass Berlin und der Bund sich über das Grundstück an der Potsdamer Straße einig sind. Seit einem Jahr hätte es Abstimmungsplanungen mit der Staatsministerin gegeben, deren Aussage sei klar gewesen: nur Potsdamer Straße. „Und Berlin hält seine Zusage“, sagte Geisel. „So macht man das nicht“, konterte Kruse. Berlin solle gefälligst Baugenehmigungen für zwei Standorte erteilen, dann könne flexibel geplant werden, forderte Kruse ihn auf. „Wir sind nicht der Bauherr“, sagte Geisel. „Aber wir erteilen das Baurecht, wenn es gewünscht ist, auch für zwei Standorte.“