Jubiläum

Filmwoche zeigt kraftvolles neues Kino aus Polen

FilmPolska feiert in diesem Jahr zehnten Geburtstag

Filme aus Polen: Da fallen einem Roman Polanski ein, Krzysztof Kieslowski und Andrzej Wajda. Alles Granden der Filmkunst. Und jüngst natürlich „Ida“, frischgekürter Oscar-Gewinner und großer Abräumer des Europäischen Filmpreises. Das hat nur in Deutschland kaum einer gesehen. Unser nächster Nachbar, kaum eine Autostunde von Berlin entfernt, scheint uns in vielem immer noch fremd, selbst ein Vierteljahrhundert nach dem Mauerfall. Die Liebe zu Frankreich und Italien blüht, ob im Kino oder in der Küche. Doch Polen, geographisch weitaus näher, bleibt ein weitgehend unbekanntes Terrain. Umso wichtiger ist da eine Initiative wie das einwöchige Festival des polnischen Films, FilmPolska, das ab heute zum zehnten Mal in Berlin und Potsdam stattfindet. Und programmatisch mit „Ida“ eröffnet wird. Doch auch viel Neues gibt es zu entdecken, wilde Debütfilme wie „Hardkor Disko“, wo die desillusionierte Jugend vor den glatten Fassaden Warschaus rebelliert, der Silberne-Bären-Gewinner „Body“ von Malgorzata Szumowska oder gutes Genrekino wie der Agententhriller „Jack Strong“.

Bereits für Diskussionen in der Heimat hatte die filmische Aufarbeitung des Warschauer Aufstands 1944 gesorgt. Nachwuchsregisseur Jan Komasa nähert sich den historischen Ereignissen gleich zweifach und zielt dabei nicht nur im opulenten Kriegsepos „Warschau 44“ aufs breite Publikum. Streitbare Mittel wendet er im Dokumentarfilm „Warschauer Aufstand“ an, wenn er die historischen Bilder nicht nur nachkoloriert, sondern auch vertont.

Kaum ein Film des Festivals hat bislang einen deutschen Verleih gefunden, nicht einmal Andrzej Wajdas Alterswerk „Walesa. Der Mann aus Hoffnung“ über den Anführer der Solidarnosc-Gewerkschaft. Dabei sind auch viele Filme dieser Jubiläumsausgabe deutsche Koproduktionen, immer wieder finden sich hiesige Darsteller, etwa in den Filmen von Agnieszka Holland, der die Retrospektive gewidmet ist. Wie lebendig der kulturelle Austausch inzwischen ist, zeigt auch der Workshop des Berliner Regisseurs Robert Thalheim, der mit jungen Talenten Szenen aus polnischen Filmen neu interpretieren wird.

Einige vergessene Perlen der Filmgeschichte lassen sich in der Horrorreihe entdecken, ob „The Strange Case of Doctor Jekyll and Lady Osbourne“ mit Udo Kier oder „Possession“ mit Isabelle Adjani, die im tristen Kreuzberg eine Sexaffäre mit einem Monster beginnt. So merkwürdig fremd wie hier sah die eigene Stadt selten aus.

FilmPolska 22.-29. April, in neun Kinos in Berlin und Potsdam. www.filmpolska.de.