Musik

Calexico spielen Hymnen für den Highway

Konzert der US-Amerikaner im Heimathafen Neukölln

22.05 Uhr: Calexico lassen auf sich warten. Nach den Barr Brothers, der tollen Vorband des Abends, ruhen nun schon eine ganze Weile sieben Gitarren in ihren Halterungen, das Schlagzeug schimmert im Licht, Stapel schwarzer Handtücher sind über die Bühne verteilt.

Benannt nach einem Grenzort zwischen Kalifornien und Mexiko, der die Verschmelzung der beiden Länder als eine Utopie im Namen trägt, haben sie gleich Mitte der 90er-Jahre ihre Melange aus Folk, Wüstenrock und Mariachi-Elementen gefunden und auf dem zweiten Album, „The Black Light“, perfektioniert. Seither sind Calexiko sozusagen ihre eigenen Klassiker: Egal, was sie anfassen, es klingt nach Calexico.

22.07 Uhr: Wie Sänger Joey Burns mit Army-Haarschnitt, blauem Cowboyhemd und Windjacke auf der Bühne steht, könnte er der gemäßigt republikanische Bürgermeister irgendeines Kaffs in Arizona sein. Sehr freundlich, auf eine präzise Art locker, dabei ein wenig routiniert singt er sich durch die Stücke. Calexico spielen ihre neue Platte „Edge of the sun“ fast in voller Länge. Es gibt breit angelegte Schunkelhymnen mit Trompeten und Akkordeons. Es gibt einen Hauch von Discobeat mit klackernder Percussion, Drummaschinen und Piano. Es gibt schläfrigen Highway-Rock, zum Immer-weiter-geradeaus-Fahren. Und es gibt diese großen Melodieaufschwünge, mit strahlenden Bläsern unterlegt. Manchmal ist das großartig, manchmal bloß ein Trick, um Ergriffenheit zu produzieren.

23.10 Uhr: Im Neuköllner Heimathafen zu spielen, fühle sich an, als reise man in der Zeit zurück, sagt Burns. Und er hat recht: Der goldene Stuck, das Parkett des alten Rixdorfer Tanzsaals passen hervorragend zur stilvollen Nostalgie der Band. Das Ganze ist dadurch aber auch eine recht konservative Veranstaltung. Erst in der zweiten Hälfte des Konzerts läuft Calexico warm. Bei „Maybe on Monday“, einem Stück über die Unmöglichkeit, Liebeslieder zu schreiben, wenn die Liebe nicht mehr da ist, sitzt plötzlich alles an seinem Platz: druckvoll, klar, kompakt.

23.55 Uhr: Mitten im Saal feiert ein einzelner, schon etwas älterer Punk mit rudernden Armen, als gebe es kein Morgen. So wirkt Calexico.