Fernsehen

Im Kölner „Tatort“ tobt sich ein autoritärer Vater aus

Ein neuer Fall für die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk

Irgendwann in den Neunzigern stand in der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz einmal ein Fernseher herum. Es lief ein Zusammenschnitt alter „Derrick“-Folgen, und die Pointe war, dass immer nur der Moment gezeigt wurde, in dem der Kommissar die Todesnachricht überbringt. „Ihr Mann ist tot“, sprach Derrick also, und die frisch gebackene Witwe riss erschrocken die Augen auf: „Tot? Was sagen Sie? Tot?“ Immer andere Schauspielerinnen, aber immer die gleiche Szene. Das ging schier endlos so.

Unfreiwillig wirkt der „Tatort“ von Regisseur Kaspar Heidelbach und Drehbuchautor Norbert Ehry so, als wolle auch er möglichst viele Standardsituationen und Standardsätze aller Kriminalfilme wiederholen. Wir sehen eine Frau durch die Nacht fahren, sie versucht ihren Freund zu erreichen. Er heißt Olli. „Geh ran, Olli!“ ruft sie immer wieder, den Namen Olli sehen wir dann auch auf dem Bildschirm ihres Handys, und als wir zu ahnen beginnen, dass mit Olli wohl etwas nicht stimmt, liegt er schon tot auf der Straße, der Olli, erwürgt vor seiner Jazzkneipe. Und die Frau reißt erschrocken die Augen auf.

Es gibt in diesem Krimi einen Assistenten, der mit seinem Vorgesetzten hadert. Es gibt einen Ermittler, der nicht mehr schlafen kann und darüber nachdenkt, alles hinzuschmeißen. Und es gibt das ewige Mantra der Kommissarsfragen: Wo waren Sie gestern zu der Uhrzeit x? In welchem Verhältnis standen Sie zu y? Ist Ihnen an z in letzter Zeit etwas aufgefallen? Das alles kommt so ermüdend hoch dosiert daher, dass selbst altgediente Kommissare wie Ballauf und Schenk wie betäubt wirken.

Dann gibt es noch Armin Rohde. Wir haben ihn erst vor wenigen Wochen im Frankfurter „Tatort“ gesehen, wo er Joachim Król bei seinem letzten Auftritt in den Ruhestand begleitete – als ähnlich verzweifeltes, aber deutlich brutaleres Spiegelbild von ihm. Rohde ist ein Spezialist für diese Charaktere. Für Männer, deren dünne Schale aus Freundlichkeit immer zu platzen droht, um etwas Rohes, Tierisches freizugeben. Rohde spielt den Vater von Erik, und Erik wiederum ist der Ex-Freund der jungen Frau, die den Ermordeten findet. Obwohl, „Ex-Freund“. „Wir lieben uns“, sagt sie im Verhör über sich und Erik, aber das Problem sei sein Vater. Der kommandiere ihn herum, und Rohde führt ganz prächtig vor, wie das geht: Wie man schon mit dem Abstellen einer Bierflasche auf dem Tisch Gewalt androhen kann. Oder wie man im Auto mit einem fröhlich dahingeträllerten „Fahr los, fahr los, fahr los!“ Machtverhältnisse zwischen Vater und Sohn klarstellt.

Aber leider kann diese Figur, so gern man ihr auch zusieht, den Film weder veredeln noch retten. Ob es sich um eine Beziehungstat handelt, ob Eriks herrschsüchtiger Vater geschäftliche Interessen verfolgte oder ob der Vater des Opfers für sein Erbe über die Leiche seines Sohnes ging: Es ist egal. Diesem „Tatort“ fehlt es an Ideen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr