Interview

„Evergreens sind heute rar geworden“

Partykönig James Last gibt am Sonnabend sein letztes Konzert in Berlin. Ein Gespräch

Er ist auf seiner Abschiedstour, am Sonnabend wird James Last sein letztes Berliner Konzert in der O2 World geben. Auslöser für den Rückzug von Mr. Happy Sound, der am Freitag seinen 86. Geburtstag feiert, war eine Notoperation wegen einer Dickdarm-Entzündung im vergangenen Jahr. Der gebürtige Bremer Hans Last, so sein bürgerlicher Name, hat über fünf Jahrzehnte hinweg mit seiner Musik die Partywelt mitgeprägt. Im Interview spricht er über Golf-Handicaps, seine Nähe zu Katy Perry und den Tod.

Berliner Morgenpost:

Im Vergleich zu unserem letzten Interview würde ich sagen: Sie sehen blendend aus, aber Sie haben einen Tick abgenommen.

James Last:

Ein Tick ist etwas untertrieben. 30 Pfund hatte ich runter, die sollte ich wieder zunehmen, aber im Alter bekommt man das nicht mehr so schnell hin.

Haben Sie dafür einen speziellen Ernährungsplan gehabt?

Jeder Arzt hat etwas anderes gesagt: Du musst dieses Mittel nehmen, das ist genau richtig für die Muskeln. Nur mein Chirurg hat gesagt: Weiterleben wie immer – und da war er bei mir an der richtigen Adresse.

Treiben Sie eigentlich Sport?

Zweimal die Woche mache ich Fitnesstraining, und wir spielen ein bisschen Golf, um an die frische Luft zu kommen.

Ihre Frau soll sogar ein etwas besseres Handicap als Sie haben.

Ich mühe mich aktuell bei 18 herum.

Dabei sind Sie doch schon bei 12 gewesen?

Sie wissen ja alles. Das war aber nur für kurze Zeit – jetzt bin ich bei 18 und meine Frau bei 16.

Die Notwendigkeit sportlicher Aktivität entdecken viele Menschen erst nach einer schweren Krankheit – haben Sie sich vor Ihrer Darm-Operation jemals Gedanken um Ihre Gesundheit gemacht?

Nein. Zumal wir ja auch immer ganz schön getankt haben – und mit den Musikern trinken wir auch jetzt noch einen zusammen.

Einen? In der Regel heißt solch eine Tour ja nicht nur, jeden Abend drei Stunden auf der Bühne zu stehen, sondern anschließend ähnlich lang an der Bar zu stehen.

Wenn ich bis zwei Uhr nachts nicht auf dem Zimmer bin, kommt meine Frau, um mich zu holen. Aber unter Musikern hat man sich halt immer viel zu erzählen, zumal wir nach den Konzerten stets noch ein kaltes Buffet im Hotel haben und es dann zum Trinken an die Bar geht.

Sie haben gesagt, nach der Tour käme die Kur – wäre es nicht umgekehrt besser gewesen?

Auf der Bühne zu stehen, ist doch kein Stress – das ist meine ganz spezielle Kur. Ich habe für die Titel meine persönlichen Arrangements geschrieben, die nun die Musiker so spielen, wie ich es mir vorgestellt habe, und vorne sitzt das Publikum und freut sich – da habe ich doch nur Freude, was habe ich da noch groß an Arbeit?!

Eigentlich bräuchte die Band also Ihre Einsätze gar nicht?

Naja, es gibt schon ein paar Titel, wo Taktwechsel stattfinden – es sind schließlich nicht alles Werke im Drei- oder Vier-Viertel-Takt. Aber wer hinguckt, weiß immer, was los ist.

Nun binden Sie in Ihr Programm immer wieder auch aktuelle Hits ein – wäre ich jetzt böse...

...seien Sie doch mal böse!

... dann würde ich sagen: Da biedert sich einer an den Zeitgeist an, um den Rahm der Charts abzuschöpfen.

Aber diese Titel sagen mir richtig was! Von Katy Perry etwa habe ich „Roar“ drin: Da läuft die Bassfigur den ganzen Titel durch, da ist richtig Anmache drin. Es braucht immer eine ruhige Unterlage, und oben gibt’s dann einen drauf – oder auch umgekehrt: Die Kontraste machen es eben aus. So hat auch Bach früher schon geschrieben: unten den Bass und oben die Melodie.

Ist es heute schwieriger als früher, gute Titel zu entdecken?

Heute gibt es viele Hits, die binnen zwei Jahren wieder weg sind vom Fenster. Früher gab es viele sogenannter Evergreens – unser „Einsamer Hirte“ etwa wird ewig laufen – doch die sind heute sehr rar geworden. Es ist eben eine andere Zeit: Früher war alles ruhiger und langsamer.

Welches sind denn in der Musik unserer Tage Ihre Favoriten?

Zum Beispiel Hans Zimmer – und Klassik höre ich zuhause auch.

Dabei sollen Ihre ersten praktischen Erfahrungen mit der Klassik nicht so toll gewesen sein.

Ja, ich hatte so eine typische Klavierlehrerin: Die stand vor mir, Hände auf dem Rücken, und blickte durchs Fenster nach draußen, während ich vorgespielt habe. Sie war nie zufrieden und hat gesagt: Aus dir wird nie etwas.

Wissen Sie eigentlich, wie viele Alben Sie verkauft haben?

Ich habe schon vor 15 Jahren aufgehört zu zählen. Vermutlich ist es die Zahl, die die Plattenfirma immer angibt.

Danach sind es mehr als 50 Millionen Stück. Und doch haben Sie auch für diese Tournee wieder neue Titel einstudiert.

Ja, dazu gehört ein eigener Titel, der heißt „Thanks for the Prayers“ („Dank für Eure Gebete“), denn als die Menschen in den USA im November letzten Jahres erfahren haben, dass ich schwer krank im Krankenhaus lag, haben sie für mich gebetet – und in meiner Kirche in Orlando, wo ich wohne, ist sogar eine Andacht für mich gehalten worden. Die Amerikaner dort sind sehr gläubig, und deshalb habe ich diesen Titel reingenommen. Und wenn die Traurigkeit dann wieder weg ist, geht es eigentlich erst richtig los im Programm.

Als Sie im Krankenhaus lagen, war das ein Moment für Sie, sich mit dem Tod auseinander zu setzen?

Es war, als würde ich sterben. Ich hatte das Gefühl, es könnte jetzt vorbei sein. Zugleich war in dem Augenblick auch alles wieder da im Krankenhaus – und das war sogar ein tolles Gefühl: Ich habe an Gott gedacht, an die Musik und mich in dem Moment so klar gefühlt, das werde ich nie wieder vergessen. Dann spürte ich, dass meine Frau mir die Hand gehalten hat.

O2 World18. April, 19.30 Uhr, Tel. 2060708899 (Restkarten: 70 bis 100 Euro)