Ausstellung

Mit Lichttricks, die aus alten Filmen stammen

Installationen der isländischen Künstlerin Elín Hansdóttir

Weiße Säulen, ein blauer Bodenbelag, ein angedeutetes Holzhaus, dem einige Wände fehlen, sind einige der Elemente, mit denen die isländische Künstlerin Elín Hansdóttir ihre ortspezifische Installation im ersten Stock der ehemaligen Margarinefabrik anlegt, die heute das KW Institute for Contemporary Art beherbergt. Nach Beteiligung an der Marrakesch Biennale 2012, der Ausstellung „Berlin North“ im Hamburger Bahnhof 2004 sowie diversen Ausstellungen in Island und den USA zeigt das KW die erste institutionelle Ausstellung der 1980 in Reykjavik geborenen Künstlerin.

Diese spielt geschickt mit den architektonischen Gegebenheiten des KW, ergänzt unauffällig die vorhandenen Säulen durch eigene. Zunächst merkwürdig anmutende bemalte Glasplatten ergänzen die Kulisse. Doch während der Zuschauer durch die Installation streift, erkennt er deren Funktion. Ein dunkler Fleck auf einer dieser Scheiben erzeugt, wenn man sich davor stellt, die Illusion eines Loches auf dem Boden, aufgemalte architektonische Elemente auf einer anderen Glasplatte ergänzen bei Betrachtung aus dem richtigen Winkel das unvollständige Holzhaus. Auf diese Weise entsteht ein Spiel mit Raumillusionen, für deren Erzeugung der Betrachter ein wesentlicher Teil ist.

Wie raffiniert dieses Spiel sein kann, zeigt erst das Video, das die begehbare Installation zum Schauplatz hat. Hier offenbart sich, in welcher Komplexität sich über die Glasmalerei Raumillusionen erzeugen lassen. Gleichzeitig verweist das Video auf frühere kinematische Illusionstechniken, die mit diesem Trick Kulissen ergänzten oder für Raumtiefe sorgten.

Installation und Film tragen den Titel „Suspension of Disbelief“, ein Begriff, den der englische Philosoph und Dichter Samuel Coleridge Anfang des 19. Jahrhunderts prägte, um die Bereitwilligkeit des Publikums zu charakterisieren, den Realitätssinn für eine gewissen Zeit beiseite zu legen und sich auf eine künstlerische Fiktion einzulassen.

Elín Hansdóttir interessiert diese Eigenschaft besonders im Bereich des Films und dessen frühen Illusionstechniken, weil hier die Kluft zwischen Wirklichkeit und Fiktion noch erfahrbar ist, während heutige Spezialeffekte diese zunehmend verwischen. Obwohl die Raumillusion in alten Filmen für den Betrachter erkennbar war, ließ sich dieser dennoch bereitwillig darauf ein. In der Offenlegung der Mechanismen kinematischer Illusionstechniken durch das Zusammenspiel von Installation und Film loten Hansdóttir – und über die Erfahrung ihres Werkes auch der Betrachter – die Möglichkeiten und Grenzen räumlicher Erfahrung aus.

KW Institute for Contemporary Art, Auguststr. 69, Mitte. Bis 25. Mai. Mi-Mo 12-19 Uhr, Do 12-21 Uhr, Di geschlossen