Historienroman

Ein Hofnarr wird zum Spielball der Mächtigen

Er konnte einen Brief in einem Ei verstecken. Oder eine rote Rose weiß färben. Eine Nadel brachte er mit Magnetkraft dazu, aufrecht auf einem Spiegel zu gehen.

Nie ging er ohne Kostüm aus dem Haus. Der Hofnarr Joseph Fröhlich (1694-1757) war Taschenspieler und Artist zugleich, ein beliebter Mann und fürsorglicher Familienvater, der als „Lustiger Rat“ am Hofe von August dem Starken in Dresden Karriere machte. Aber Fröhlich war auch ganz wortwörtlich ein Spielball der Mächtigen, der bei höfischen Belustigungen wie dem „Fuchsprellen“ Maulschellen einsteckte, sich zum Hanswurst degradieren musste und immer wieder körperliche und seelische Blessuren davontrug.

Diesen Zwiespalt beleuchtet Hans Joachim Schädlich in seinem neuen, lakonisch knapp erzählten Roman „Narrenleben“. Nach seiner Novelle „Sire, ich eile“, die vom ungleichen Verhältnis zwischen Friedrich dem Großen und dem Philosophen Voltaire handelte, widmet sich der 79-jährige Autor erneut einem von Willkür geprägten Verhältnis. Schädlich selbst musste in der DDR viele Repressionen erdulden, bis er 1977 nach der Ausbürgerung von Wolf Biermann in die Bundesrepublik ausreisen konnte. BM

Hans Joachim Schädlich: Narrenleben. 176 Seiten, 15,99 Euro