Konzert-Kritik

Williams & Grajeda: Ein Stück Berliner Musikgeschichte

Sie sind bestens aufeinander eingestimmt. Sie verstehen sich ohne Worte. Sie werden auf harmonische Weise eins.

Die amerikanischen Singer/Songwriter Robert Williams und Wayne Grajeda sind ein eingespieltes Team und gehen völlig auf in ihrer stilistisch breit gefächerten Musik. Am Dienstagabend stehen sie im Charlottenburger Musikcafé „Dio“ im dämmrigen Licht der kleinen Bühne und können aus einem über Jahrzehnte gewachsenen Repertoire fein beobachtender, musikalisch anspruchsvoller Songs schöpfen. Sie sind beide exzellente Gitarristen, wobei Williams auch immer wieder mal zur Mandoline greift. Und sie sind ein Stück Berliner Musikgeschichte.

Mit amerikanischen Musikerkollegen wie Jesse Ballard, Tom Cunningham oder John Vaughan prägten Williams und Grajeda in den 70er-Jahren den Sound der damals regen Berliner Folkszene in legendären Clubs, die „Steve-Club“ oder „Go-In“, „Banana“ oder „Folkpub“ hießen. Drei, vier Auftritte, Nacht für Nacht, waren die Regel.

Die Hagelberger lieferten den Soundtrack für die endlos scheinenden West-Berliner Nächte voller Musik und Kreativität. Einer Zeit, in der zwischen Abenddämmerung und Morgengrauen große Musik auf kleinen Bühnen erklang. Die Läden gibt es längst nicht mehr, doch die Musiker, die sich als Hagelbergerkollektiv einen Namen machten (weil sie zeitweise alle in einer Wohngemeinschaft in der Hagelberger Straße 14 in Kreuzberg wohnten) treten bis heute in verschiedensten Formationen immer wieder auf. Schon zur Tradition geworden sind die Konzerte mit nahezu allen Hagelbergern, die inzwischen jeweils zu Ostern im Rickenbacker’s stattfinden.

Robert Williams und Wayne Grajeda spielen sich im fernöstlich dekorierten „Dio“ samt voluminösem Drachen an der Decke durch eigene Songs wie „Jumbos Clown Room“ und neu arrangierte Coverversionen wie Ray Charles’ „Hallelujah I Love Her So“. Sie bestechen durch versiertes Gitarrenspiel, singen mit leicht angerauter Stimme, überzeugen durch feine Harmoniegesänge, erschaffen aus Blues, Country, Swing, Soul, Jazz, Folk und Rockelementen ihren ganz eigenen, elegant-mitreißenden Stil, mit wortspielreichen Texten die vom Leben, vom Lieben, vom Suchen nach dem eigenen Weg handeln. Für einen Song steigt im zweiten Set des Abends auch Hagelberger-Kollege John Vaughan aus dem Publikum mit auf die Bühne.

Musik ist ihr Leben. Wobei die beiden Mittsechziger nicht immer davon leben konnten. Wayne Grajeda, der Kalifornier, der inzwischen wieder in Berlin lebt, arbeitet seit Jahrzehnten als Autor, Regisseur und Produzent aufwendiger Dokumentarfilme für amerikanische Fernsehsender. Professor Robert S. Williams aus Oklahoma unterrichtet hauptberuflich Sprachwissenschaft in Ägypten an der amerikanischen Universität in Kairo. Er ist inzwischen im Pensionsalter und kann sich schon bald wieder ganz seiner Musik widmen. Am kommenden Sonntag wiederholen sie ihren gemeinsamen Abend im Kreuzberger „Dodo“ in der Großbeerenstraße 32 – gleich um die Ecke liegt die Hagelberger Straße.