Demonstration

Tausende protestieren nach Absetzung von „Tannhäuser“

Nach der Absetzung einer Inszenierung von Richard Wagners Oper „Tannhäuser“ haben in der russischen Stadt Nowosibirsk mehr als 2500 Menschen gegen „Kirchenradikalismus“ und Zensur protestiert.

Die Demonstranten forderten die Wiederaufnahme des von der orthodoxen Kirche kritisierten Stücks und den Rücktritt von Kulturminister Wladimir Medinski, wie die Agentur Interfax am Sonntag meldete. Auch der neue Operndirektor Wladimir Kechman müsse abtreten. Er hatte das Stück von Regisseur Timofej Kuljabin vor Kurzem abgesetzt. Kechmans Vorgänger Boris Mesdritsch war entlassen worden, weil er Änderungen an der vom Publikum gelobten Regie abgelehnt hatte. Kechman wies die Kritik zurück. Eine Rückkehr von „Tannhäuser“ ins Repertoire werde es unter seiner Führung nicht geben. Er strebe ein Programm an, das sich „deutlich von anderen Theatern“ unterscheide, sagte er. Der Skandal in der Millionenstadt gilt als beispiellos in Russland. Menschenrechtler und Künstler werfen dem Kulturministerium Zensur vor. Kirchenführer hatten Kuljabin und Mesdritsch wegen Verletzung religiöser Gefühle angezeigt. In einer Szene der Inszenierung ist Jesus als Filmfigur mit halbnackten Frauen zu sehen. Das Ministerium hatte kritisiert, solche Szenen seien in einem mit Steuergeldern finanzierten Staatstheater „unzulässig“.