Interview

Und in den Drehpausen wird gelesen

Hollywoodstar James Franco über die Zusammenarbeit mit deutschen Regisseuren wie Wim Wenders und Werner Herzog

Vor James Franco gibt es kein Entkommen mehr. Der Kalifornier, dem einst mit einem Fernsehfilm über James Dean und einer Nebenrolle in „Spider-Man“ der Durchbruch gelang, schreibt Bücher, macht Musik, stellt als Maler in Galerien auf der ganzen Welt aus und präsentiert jedes Jahr neue Regiearbeiten. All das, ohne dass darunter je seine Produktivität als Schauspieler leiden würde. Wir trafen den sichtlich müden, aber gut gelaunten 36-Jährigen im Februar in einem Luxushotel am Gendarmenmarkt, um über den auf der Berlinale vorgestellten Film „Every Thing Will Be Fine“ von Wim Wenders zu sprechen. In dem 3-D-Drama, das am Donnerstag in die Kinos kommt, spielt er einen Schriftsteller, der am Unfalltod eines kleinen Jungen beteiligt ist. Demnächst kommt Franco außerdem mit Filmen wie „True Story“, „I Am Michael“ oder Werner Herzogs „Queen of the Desert“ in die deutschen Kinos.

Berliner Morgenpost:

Wim Wenders berichtete während der Berlinale davon, wie Sie beim Dreh zu „Every Thing Will Be Fine“ nie das Set verließen, sondern von morgens bis abends in der Ecke saßen und lasen. Machen Sie das immer so?

James Franco:

Im Grunde ja. Schon vor 15 Jahren, als ich die Serie „Voll daneben, voll im Leben“ drehte, machte mein Kollege Seth Rogen sich über mich lustig, weil ich immer Bücher dabeihatte. Er unterstellte mir immer, dass ich die gar nicht lese, sondern nur smart wirken will. Aber tatsächlich habe ich mir das als eine Art Disziplinübung angewöhnt, um zwischen den Szenen nicht abzuschlaffen.

Mit Ihren diversen Uni-Aktivitäten sowohl als Student als auch als Dozent hatte das also gar nichts zu tun?

Doch, bei von „Every Thing Will Be Fine“ schon. Nicht lange nach Drehschluss stand für mich eine mündliche Abschlussprüfung an. Ich hatte eine Liste von 150 Büchern, über die mich mein Professor ausfragen konnte. Deswegen habe ich vermutlich noch mehr und noch intensiver gelesen als sonst.

Wenders sagte, dass er ein sehr zurückhaltendes Spiel wollte, weil die 3-D-Kamera ohnehin wie eine Lupe alle Emotionen zum Vorschein bringt. Wie haben Sie das erlebt?

Wir haben noch nie zuvor zusammen gearbeitet, also ging ich davon aus, dass Wims Wunsch nach enorm zurückhaltendem, minimalistischem Spiel immer sein Ansatz ist. Interessant, dass er ihn vor allem wegen der zusätzlichen Dimension gewählt hat. Denn in den bisherigen 3-D-Filmen, die ich gedreht habe, war mir nie aufgefallen, dass wir Schauspieler irgendetwas anders machen sollen oder müssen als sonst.

Hat er denn als Regisseur eine bestimmte Methode, die sich beschreiben ließe?

Er ist unglaublich präzise und klar in seiner Vision. Ich habe selten mit einem Regisseur gearbeitet, der so genau wusste, was er wie drehen will. Zunächst war ich skeptisch, wie viele Freiheiten da noch bleiben. Aber zum Glück stellte sich heraus, dass Wim aller Planung zum Trotz immer noch offen war für eine echte Zusammenarbeit und Ideen seiner Mitstreiter.

Dieses Penible, könnte das vielleicht die deutsche Seite von Wenders sein?

Da bin ich mir nicht so sicher. Fast zur selben Zeit habe ich bei „Queen of the Desert“ ja auch mit Werner Herzog gearbeitet, und der hat eine vollkommen andere Arbeitsweise. Der liebt das Unberechenbare. Überhaupt stürzt er sich immer mitten herein ins Geschehen. Bei ihm wird das Filmemachen zu einem körperlichen Akt. Deswegen hält er sogar die Klappe selbst, was ja sonst eigentlich der Kameraassistent macht.

Das Unberechenbare eilt Herzog auch als Ruf voraus. Ist ein Dreh mit ihm wirklich eine irre Erfahrung?

Ich glaube, dieses Bild, dass Werner in der Arbeit so viel intensiver und irrsinniger ist als etwa Wim, ist ziemlich veraltet. Werner war früher ein anderer, das sagt er selbst und dafür macht er seine Frau verantwortlich. Ich behaupte mal, dass ein Dreh mit ihm auch heute noch ungewöhnlicher ist als mit den meisten anderen. Aber er ist sehr viel liebenswürdiger und zahmer, als man vielleicht erwartet. Definitiv war der Werner, den ich kennengelernt habe, nicht der gleiche, den man vielleicht aus Dokumentationen kennt.

Apropos Dokumentarfilme: Würden Sie sich wünschen, dass auch mal einer über den Künstler James Franco gedreht wird?

Das ist schon der Fall. Eine meiner ehemaligen Studentinnen fragte mich, ob sie mich eine Weile für einen Dokumentarfilm begleiten dürfe. Und weil ich weiß, wie mühsam es als angehender Filmemacher ist, ständig das Wörtchen „Nein“ zu hören, habe ich „Ja“ gesagt. Deswegen hatte ich sie in den letzten anderthalb Jahren ständig im Schlepptau.

Sie klingen nicht so begeistert …

Es gab schon einige Momente, wo ich die Entscheidung bereut habe. Denn es gibt Spaßigeres, als sich auf Schritt und Tritt folgen zu lassen. Vor allem habe ich keinen Bock darauf, dass die Leute nachher denken, nun sei auch noch diese Doku auf meinem Mist gewachsen und ich sei so ein eitler Fatzke, der ohne Kamera um sich rum gar nicht leben kann. Aber ein bisschen freue ich mich auch auf den Film. Sie hat mit vielen Freunden und Wegbegleitern von mir gesprochen, also wird es vielleicht wirklich ein schönes Porträt.

Eine letzte Frage noch zu Ihrem Film „The Interview“, der vor ein paar Monaten im Zentrum des großen Sony-Nordkorea-Hacking-Skandals stand. Können Sie darüber im Rückblick lachen?

Ach, wissen Sie, vielleicht ist Lachen das falsche Wort. Insgesamt ist das Thema für mich abgehakt. Aber natürlich ist es sehr bedauerlich, wie die ganze Sache gelaufen ist. Ehrlich gesagt, waren wir alle davon ziemlich überrumpelt. Ich hoffe, dass Hollywood durch diesen Fall für die Zukunft gelernt hat, falls so etwas noch einmal passiert.