Fernsehen

Die Kunst zu leben und zu streiten

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Die Komödie „Zwischen allen Stühlen“ funktioniert nur in Paris mit französischen Darstellern

Es gibt Drehbücher, die müssen von Franzosen verfilmt werden, mit französischen Schauspielern, in Frankreich. „Zwischen allen Stühlen“ gehört dazu. Würde man die beiden Protagonisten Iva (Kristin Scott Thomas, die neben der britischen auch die französische Staatsbürgerschaft besitzt) und Damien (Jean-Pierre Bacri) – nur mal zum Beispiel – durch Veronica Ferres und Til Schweiger ersetzen und den Film in Berlin statt Paris spielen lassen, er wäre nur schwer zu ertragen.

Den Franzosen aber ist man geneigt, die vielfältigen Beziehungsquerelen zuzugestehen, die die Handlung der (Tragie-) Komödie vorantreiben: In der Patchworkfamilie von Iva und Damien – dazu kommt noch der knapp präpubertäre Rotzlöffel Noé (Marin Orcand Tourrès) – quietscht und knackt es gewaltig. Die Theaterregisseurin hat ihren Lebensgefährten darum gebeten, bei dessen Vater vorstellig zu werden. Der Staatsrat soll das Problem einer Bekannten lösen, die von Abschiebung bedroht ist. Damien aber drückt sich, so gut er kann. Denn zu seinem Herrn Papa Sébastien (Claude Rich), einem in Erfolg ergrauten, einflussreichen Beamten und Machtmenschen, hat er ein eher schwieriges Verhältnis. Damiens Mutter hat sich schon länger mit dem Charakter ihres Mannes angefreundet und zieht leise lächelnd Bilanz: „Ich hätte ihn vor 30 Jahren verlassen sollen. Jetzt hat es keinen Sinn mehr.“

Über das Verlassen denkt auch Iva nach, sie hat sich – ganz klassisch – in einen hübschen jungen Schauspieler aus ihrer aktuellen Inszenierung verguckt. Und Damien spukt eine Zufallsbekanntschaft im Kopf umher. Aurore (Isabelle Carré) würde gern Mandarin beim Universitätsdozenten lernen. Der fühlt sich geschmeichelt.

Und natürlich ist das noch nicht alles an Verwicklungen und Gefühlsaufwallungen, was sich über die gut 90 Minuten des Films von Regisseur Pascal Bonitzer entspinnt. „Zwischen allen Stühlen“ ist vielleicht keine große Filmkunst, bietet aber über weite Strecken kurzweilige Unterhaltung. Warum Damien allerdings ausgerechnet um die Verhinderung einer Abschiebung bitten soll, bleibt wohl das Geheimnis von Bonitzer und Agnès de Sacy, die zusammen das Drehbuch verfasst haben: Das an sich hochproblematische Thema des Umgangs mit Zuwanderern wird in keiner Weise ausgespielt, es passt auch nicht zur Leichtigkeit, mit der Probleme ansonsten behandelt werden.

Gut funktioniert das genüssliche Auskosten der französischen Savoir-vivre-Klischees samt Austernabendessen und spontanen Lustausbrüchen. Denn das Ensemble von „Zwischen den Stühlen“ weiß, was es tut: Ob nun Bacri als maulfauler, ständig den Ereignissen hinterher hastender Damien oder Scott Thomas als stolze Iva, Haupt- wie auch Nebenrollen agieren selbstbewusst, aber nicht übermäßig klamaukig. Am stärksten ist „Zwischen allen Stühlen“ immer dann, wenn der Dialogwitz im Vordergrund steht.

Arte Heute um 20.15 Uhr