Urteil

Gericht zu Gurlitt: Kunstmuseum Bern ist rechtmäßiger Erbe

Das Kunstmuseum Bern ist nach Ansicht des Amtsgerichtes München rechtmäßiger Erbe der Kunstsammlung von Cornelius Gurlitt.

Das Gericht lehnte den Antrag einer Gurlitt-Cousine auf einen Erbschein ab. „Das Gericht hält das Testament von Cornelius Gurlitt, in dem er das Kunstmuseum Bern zum Alleinerben eingesetzt hat, für wirksam“, hieß es am Donnerstag in einer Mitteilung des Gerichtes. „Dem Einwand der Cousine, dass der Erblasser Cornelius Gurlitt zum Zeitpunkt der Testamentserstellung testierunfähig gewesen sei, folgte das Gericht nicht.“

Der Erbschein für das Museum kann nach Gerichtsangaben aber erst ausgestellt werden, wenn die Entscheidung rechtskräftig ist. Die Anwälte der Cousine Uta Werner kündigten an, die Begründung des Gerichts prüfen und dann entscheiden zu wollen, ob Rechtsmittel eingelegt werden. Dazu hat Werner einen Monat Zeit.

Cornelius Gurlitt, der mit seiner umstrittenen Sammlung monatelang im Zentrum einer hitzigen Debatte um Nazi-Raubkunst stand und im Mai 2014 starb, hatte sein komplettes Vermögen in seinem Testament dem Kunstmuseum Bern hinterlassen. Seine Cousine zweifelte an, dass Gurlitt beim Verfassen dieses Testamentes im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war und erhob selbst Anspruch auf den Nachlass – zu Unrecht, wie das Nachlassgericht jetzt entschied.

Die Rückgabe von zwei Raubkunstbildern aus der Sammlung von Cornelius Gurlitt steht nach Angaben des Nachlasspflegers Stephan Brock kurz bevor. „Wenn ich die Genehmigung des Amtsgerichts habe, geht es ganz schnell“, sagte er am Donnerstag. Er gehe davon aus, dass spätestens in drei Wochen darüber entschieden sei – und dann sei die Rückgabe an die Erben der früheren jüdischen Besitzer nur noch eine Frage weniger Tage.

Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) hat die Verträge für die Rückgabe bereits unterschrieben. Laut einer Vereinbarung zwischen Deutschland und dem Kunstmuseum Bern als Erben der Sammlung liegt der Teil der Sammlung, der unter Raubkunstverdacht steht, in der Verantwortung des Bundes. Er habe die Herausgabe des Matisse-Bildes „Sitzende Frau“ und des Liebermann-Bildes „Zwei Reiter am Strand“, bei denen der Verdacht auf Nazi-Raubkunst aus Expertensicht bestätigt wurde, beantragt beziehungsweise den Antrag bei Gericht angekündigt, sagte Brock.