Ausstellung

Es geht wild durcheinander

Eine Leistungsschau der Moderne: Das Tel Aviv Museum of Art zeigt im Gropius-Bau Meisterwerke aller Stile

Das Video, das den Besucher empfängt, steht unter dem Motto: Der gute Wille zählt. Wir sehen einen Olivenbaum, und wir sehen einen Eimer Wasser, und wir sehen, wie ein Mann den Eimer transportiert und den Baum bewässert. Diese symbolisch gut beladende Aktivistenkunst stammt von Raafat Hattab, einem israelisch-palästinensischen Künstler. Aber die Musikwahl ist gelungen. Die orientalischen Klänge eines libanesischen Musikers stimmen den Besucher auf eine Ausstellung aus Israel ein.

„Jahrhundertzeichen. Tel Aviv Museum of Art“ heißt die Ausstellung, die in den kommenden drei Monaten der Gropius-Bau zeigt. Erstmals haben die Kunstwerke Israel verlassen. Dass sie in Berlin ausgestellt werden, hat einen historischen Grund: Vor 50 Jahren nahmen Deutschland und Israel diplomatische Beziehungen auf. Bereits die Leipziger Buchmesse hatte den Schwerpunkt Israel, erstmals wird in diesem Jahr ein deutsch-hebräischer Übersetzerpreis verliehen, 50 Werke aus der Nationalgalerie werden im Laufe des Jahres in Jerusalem ausgestellt.

Nun also Kunst aus dem Tel Aviv Museum of Art. Der erste Direktor war ein Berliner, der Kunsthistoriker Karl Schwarz. Er verließ 1933 Deutschland. Als Gründungsdirektor des Jüdischen Museums in Berlin sollte er ein Kunstmuseum in Tel Aviv erschaffen. Das Museum wurde, keine Überraschung in der weißen Stadt, im Bauhaus-Stil erbaut und sollte, so schrieb es Karl Schwarz in einem Brief, das „wirkliche Spiegelbild moderner Kunst aller Länder sein“. In einem anderen Zusammenhang nannte er es eine „Zufallssammlung“.

Munch, Kandinsky, Monet

Das ist nicht nur charmant, sondern auch wahr. In Berlin wird ein Querschnitt der modernen Kunst gezeigt, die Markennamen des Kunstbetriebes sind zu besichtigen: Edward Munch, Max Ernst, Wassily Kandinsky, Claude Monet, ein Männchen von Alberto Giacometti, der unvermeidliche Pablo Picasso, ein Farbteppich von Mark Rothko empfangen den Besucher. Mit anderen Worten: Es geht wild durcheinander. Impressionismus, Kubismus, Blauer Reiter, Fauvismus, Surrealismus – es gibt keinen Stil aus den ersten 60 Jahren des 20. Jahrhunderts, der hier nicht ausgestellt wird. Das Füllhorn der klassischen Moderne zu begutachten, versetzt einem – unabhängig von den Plänen für das Museum der Moderne in der Potsdamer Straße – natürlich einen Stich, weil man in einer Stadt lebt, deren Verantwortlichen nicht in der Lage sind, ausreichend Platz für die Kunst seit der Aufklärung zu bieten. Diese eklektische Leistungsschau im ersten Stock des Gropius-Bau nun haben die Kuratorinnen kombiniert mit zeitgenössischer israelischer Kunst. Zumeist sind es Videoinstallationen, mit all ihren Stärken und Schwächen.

Wie fade musealisierte Videoaufnahmen sein können, zeigt die Arbeit von Guy Ben-Ner. Hier schaut man dem Künstler in einem Art Heimwerkervideo beim Zusammenschrauben seines „Treehouse“ zu – kein Baumhaus im üblichen Sinne, sondern eher eine überdimensionierte Fernsehantenne in Holz. In einem Zeitalter, in dem Katzenvideos populär sind, wird auch dieses Werk Anhänger finden.

Was Videokunst hingegen zu leisten vermag, zeigen die sieben Minuten der Künstlerin Nira Pereg mit dem Titel „Sabbath 2008“. Der Betrachter ist am frühen Morgen bei den Vorbereitungen der ultraorthodoxen Juden, die ihren Stadtteil in Jerusalem vor dem Autoverkehr abschirmen. Das freitägliche Ritual ist in seiner Schroffheit befremdlich, aber nicht ohne Reiz, im Video wie im wirklichen Leben. Suzanne Landau, Direktorin des Tel Aviv Museum of Art, hat auf den Pressekonferenz den Segen des Dialogs beschwört. Sie hat ihren Teil geleistet, in dem sie auch die nicht sonderlich einladenden Seiten ihres Landes zeigt.

„Jahrhundertzeichen. Tel Aviv Museum of Art visits Berlin" Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstr. 7, Kreuzberg . Tel.: 25 48 60. Mi-Mo, 10-19 Uhr. Bis 21. Juni