Konflikt

Berliner Studenten vertreiben auch den zweiten Rektor

Machtprobe an Filmhochschule DFFB geht weiter

Auch der zweite Versuch, einen neuen Direktor an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB) zu installieren, ist gescheitert. Der Produzent Ralph Schwingel, vom Kuratorium der Akademie bereits gewählt, hat seine Kandidatur zurückgezogen – genauso wie im Dezember Regisseur Julian Pölsler, der ebenfalls vom Aufsichtsgremium favorisiert worden war. Beide sahen sich massiver Ablehnung durch die Studenten ausgesetzt.

Der erbitterte Streit dreht sich weniger um die Personen als um das Verfahren. Das Kuratorium der gemeinnützigen GmbH besteht darauf, letztlich die Entscheidung zu treffen. Studenten und Dozenten verweisen darauf, dass es genau dieses Vorgehen sei, das der DFFB schon zwei gescheiterte Direktoren beschert habe, Hartmut Bitomsky (2006–2009) und Jan Schütte (2010–2014), die vor Ablauf ihrer Amtszeit zurücktraten, weil sie keinen gemeinsamen Nenner mit den Menschen in ihrer Institution fanden.

So bemühten sich alle Beteiligten im vergangenen Herbst um ein gemeinsames Vorgehen, gründeten eine Findungskommission und begutachteten Kandidaten. Doch wann immer aus Mitwirkung Mitbestimmung werden sollte, zuckte Björn Böhning, Chef der Berliner Senatskanzlei und Kuratoriumsvorsitzender, zurück; Demokratie hat schließlich ihre Grenzen. Schwingel, der Produzent aller frühen Fatih-Akin-Filme bis zu „Gegen die Wand“, wurde von Böhning an allen in der DFFB vorbei in das Verfahren geschleust.

„Rechtswidriges“ Verfahren

Als Schwingel sich vorige Woche vorstellen wollte, fand er die Fahrstühle zum neunten Stock von Studenten blockiert. Er und einige Interessenten zogen sich daraufhin in den Keller der Hochschule am Potsdamer Platz zum Gespräch zurück. Kurz darauf wurde bekannt, dass eine vom Kuratorium blockierte Kandidatin, die Kamerafrau Sophie Maintigneux, vor Gericht eine einstweilige Verfügung gegen Schwingels Ernennung erwirkt habe, das Verfahren sei „rechtswidrig“ gewesen. Nachdem auch ein montägliches Gespräch von Dozenten und Studenten ergebnislos verlief, warf Schwingel das Handtuch. Nun stehen alle vor einem Scherbenhaufen. Personen und Verfahrensformen sind jedoch nur Symptome eines tiefer liegenden Konflikts. In Wirklichkeit geht es um den Charakter der Akademie, die sich seit ihrer Gründung dem Mainstream verweigert hat.

Böhning scheint die fünf Millionen Euro, mit denen Berlin die Institution jährlich finanziert, als Wirtschaftsförderung zu betrachten, die Personal für die Filmindustrie hervorzubringen hat. Der Entwurf eines neuen DFFB-Statuts, mit dem die Drittelparität – Studenten, Dozenten und Mitarbeiter entscheiden über wichtige Belange selbst – abgeschafft würde, liegt angeblich bereits in der Schublade. Demnach hätte der Direktor immer das letzte Wort.