Ausstellung

Auf dem Ikea-Sofa mit einem Palmenverkäufer

Koki Tanaka, Künstler des Jahres, mit einer Einzelschau

Stellen Sie sich vor, Sie sind auf dem Flohmarkt. Dort steht ein junger Typ und verkauft, auf Decken ausgebreitet, getrocknete Palmenblätter. Da fragt man sich: Ist der irre oder verkauft der wirklich welche oder: Wohin hänge/stelle/lege ich die riesigen Teile?

Der Palmenanbieter ist der Künstler selbst, Koki Tanaka, geboren in Japan mit Wohnsitz in L.A. Verblüffend, wie sich aus der absurden Verkaufssituation heraus manche pfiffige Kommunikation entwickeln. Die Leute reagieren mit den unterschiedlichsten Kommentaren. Mal witzig, mal pikiert, mal cool – auf jeden Fall kurzweilig. Tanaka hat das Ganze gefilmt und vor diesem Video sitzt man nun auf einem Ikea-Sofa in der Kunsthalle der Deutschen Bank und freut sich über so viel Humor und Cleverness.

Im Fluss der Gleichzeitigkeit

Die Kunsthalle der Deutschen Bank hat Koki Tanaka heuer zum Künstler des Jahres ausgerufen. Das ist nun kein Preis im klassischen Sinne, sondern ermöglicht Tanaka eine eigene Ausstellung inklusive eines Katalogs. Das ist einiges, für den Japaner bedeutet es die erste große Einzelschau überhaupt und die erste umfassende Publikation zum Werk. Da steht er nun, der 40-jährige Japaner, im blauen Anzug, smart mit schwarzen Sneakers kombiniert und wirkt ganz schüchtern. Seine Ausstellung ist genau das Gegenteil und eine Zumutung, deren Sinn man erst nach einigen Minuten begreift. Es schreit, klirrt und klimpert in allen Ecken, 20 Videos, viele Fotos und jede Menge Zeichnungen. Ein Gewimmel von Bildern und Tönen, ein Grundrauschen wie auf einem Basar in Marrakesch. Oder anders: So, als ob man zehn Handydisplays gleichzeitig vor das Gesicht halten würde.

Insofern hat diese Ausstellung, die eigentlich ein Workshop in Progress ist, keinen Anfang und kein Ende, man kann rein- und wieder rausspringen, so wie man möchte. Alles fließt im Strom der Gleichzeitigkeit, alles ist Übergang und Transformation. Da ist Koki Tanaka ganz Kind seiner Zeit. Die Ausstellungswände sind aus Spanholz, mit Sandsäcken stabilisiert, da ein Lautsprecher, dort ein Sofa.

Nun ist es nicht so, dass Tanaka etwa spektakuläre Dinge in den Fokus nimmt, er knöpft sich den Alltag vor in all seiner Banalität, Situationen, die wir ignorieren. Dabei verkürzt er Handlungen oder verlängert sie. Wie bei dieser Frau, die er auf ihrem endlos langen und gefühlt langweiligen Heimweg durch London begleitet, zu Fuß. Er erinnert damit an das Jahr 2011, als eine Freundin von ihm wegen der Straßenschlachten in der britischen Metropole Umwege nehmen musste, um der Gewalt auszuweichen.

Ihn interessieren auch soziale Beziehungen, also Gemeinschaftsprojekte: Fünf Pianisten, die gemeinsam versuchen, ein Stück zu komponieren und zu spielen. Fünf Töpfer, die um eine Drehscheibe sitzen, um eine Schale zu formen. Die Situation wird schnell zur analytischen Familienaufstellung. Wer übernimmt die Führung? Wer setzt sich durch? Am Ende sprechen alle, doch die Schüssel, die wird nicht fertig.

Deutsche Bank KunstHalle, Unter den Linden 13/15. Mo–So 10–20 Uhr. Bis 25. Mai.