Konzert

Konsequent, authentisch, echt

Sie stechen heraus aus dem uniformierten Pop: JJ Grey & Mofro begeistern im Kesselhaus

Als Konzertbesucher ist man froh, wenn ein Laden nicht ganz ausverkauft ist. Wenn man problemlos direkt vor die Bühne kommt und den Musikern auf die Finger schauen kann. Das Kesselhaus der Kulturbrauerei ist an diesem Dienstagabend zwar gut gefüllt, aber man hätte einem Vollblutmusiker wie JJ Grey und seiner Band Mofro doch etwas mehr Publikum gewünscht. Denn es gibt heutzutage nur wenige Entertainer, die es so ernst und persönlich meinen mit ihrer Musik. Und die sich so hemmungslos in ihr verlieren.

JJ Grey stammt aus Jacksonville in Florida. Er schreibt Lieder über die hart arbeitenden Menschen seiner Heimat, über Nachbarn und Freunde, über die Härten des Lebens. Aber auch über die Schönheit und Unberechenbarkeit der Natur. Mit seinen sechs Musikernspielt sich der Endvierziger durch den Blues des Südens, den heißen Sound der Sümpfe, den Soul eines im amerikanischen Bible Belt groß gewordenen Jungen, der dem Rhythm’n’Blues ebenso verfallen ist wie dem Gospel und der Country-Musik.

Zunächst steht der Singer/Songwriter Marc Broussard aus Louisiana auf der Bühne. Nicht einfach als Vorprogramm. Während der Sänger seine beseelten Soulballaden singt, steigt Mofro-Keyboarder Anthony Farrell mit ein. Später kommen noch Schlagzeuger Anthony Cole, Gitarrist Andrew Trube und Bassist Todd Smallie auf die Bühne. Und JJ Grey singt zweite Stimme. Da hat einer einen Freund mit auf Tournee genommen. Und schon diese Eröffnung ist musikalischer Genuss.

Mit dem aufwühlenden „99 Shades of Crazy“ eröffnen JJ Grey & Mofro ihr Konzert. Nun prägen auch Trompeter Dennis Marion und Saxofonist Jeff Dazey mit ihren flirrenden, kantigen Riffs die Stücke, deren Mittelpunkt immer JJ Greys markante, raue Stimme ist, die sich mehr und mehr in die Höhe schwingt. Ein neues Album haben sie mitgebracht, „Ol’ Glory“. Es sind emotionsgeladene, lebensweise Geschichten von Menschen und ihren Schicksalen. „Every Minute“ spielen sie daraus, auch die bewegende Ballade „Light A Candle“. Daneben gibt es Klassiker wie das wütende „Country Ghetto“ oder zum großen Finale das stürmende „Orange Blossom“. Stillstehen ist zwecklos. Diese funk- und soulgetriebene Musik ist von kompromissloser Offenheit. Es ist die pure Freude, JJ Grey & Mofro live erleben zu dürfen.

Im Zugabenteil kehrt Marc Broussard zurück auf die Bühne und gemeinsam spielen sie den Titelsong des neuen Albums „Ol’ Glory“. JJ Grey und seine großartige Band beweisen sich einmal mehr als bodenständige Musiker, die das, was sie da tun, von ganzem Herzen lieben. Es ist erfrischend, dass es in dieser immer uniformierter werdenden Popwelt noch solche Musiker gibt. Konsequent, authentisch, echt.