Personalien

Alles eine Frage der Zeit

Der neue Leiter der MaerzMusik verpasst dem Festival eine neue Konzeption

Das Zeitfenster ist nicht groß. Und es dauert, bis man Berno Odo Polzer ans Telefon bekommt. Die Verbindung läuft übers Internet, denn Polzer jettet derzeit Tage quer durch Europa. Brüssel und Berlin heißen zur Zeit die Hauptstationen des 40-jährigen Kulturmanagers aus Österreich. Brüssel, wo Freundin und Baby leben, Berlin, wo Polzer zugleich seine erste Ausgabe des MaerzMusik-Festivals vorbereitet, dessen Leiter er seit Herbst ist.

Polzers Werdegang ist für Manager im Musikbetrieb nicht üblich: Er hat neben Musikwissenschaft nicht etwa BWL studiert, sondern Archäologie, Philosophie und Germanistik. Zugleich hat er bereits vor 15 Jahren ein Festival für zeitgenössische Musik geleitet: Wien Modern. Vielleicht ist es die Stadt mit ihrem gemütlichen Lebenstempo gewesen, die ihn bewegte, sich mit dem Phänomen zu beschäftigen, das im Moment im großstädtischen Leben eine so rasante Beschleunigung erfährt: die Zeit selbst. Jedenfalls nimmt Polzer seine Umwelt stark über den Filter des Zeitempfindens wahr: „Berlin ist ein interessanter Fall. Es ist eine relativ langsame Stadt.“ Das werde ihm auch von älteren Berlinern bestätigt. „ Durch die geografische Größe dauern alle Wege etwas länger als anderswo. Es ist eine Zeitlichkeit, die sehr lebenswert ist.“

Wieso beschäftigt sich ein Musikmanager bei jeder Gelegenheit mit dem Phänomen der verstreichenden Zeit – und nennt das Neue-Musik-Festival, das er gerade übernommen hat, „MaerzMusik – Festival für Zeitfragen“?

„Natürlich möchte ich deutlich machen, dass es hier um Musik geht.“ Musik ist für Polzer aber nicht das, was appetitlich angerichtet im Konzertsaal erklingt. „Musik heißt für mich in erster Linie eine Haltung des Hörens, ein Zugang zur Welt, der aus dem Hören entwickelt ist.“ Den Begriff der „Zeitfragen“ will Polzer zweideutig verstanden wissen. Tatsächlich klingt „Zeitfragen“ erst mal nach politischer Talkshow, und offenbar will Polzer das Festival nicht zuletzt in diese Richtung lenken. „Zeitgenössische Musik ist ja immer eingebettet in einen gesellschaftspolitischen Kontext – aber öffentlich wird das zu wenig wahrgenommen. Und die Frage der Zeit ist eine interessante Möglichkeit, das zu ändern.“ Berno Odo Polzer hat sich für seine Konzeption der MaerzMusik viel vorgenommen – etwas, das ebenfalls Zeit braucht, mehr als eine Festivalausgabe. Die will sich Polzer in jedem Fall nehmen.