Ausstellung

Ein Test für das Humboldt-Forum

So macht man es: Im Gropius-Bau zeigt eine Schau das Leben in Papua-Neuguinea

Das Wohnhaus sei die Domäne der Frau, lesen wir auf dem einen Schild. Sie seien für die Zubereitung der Nahrung zuständig und würden ihren Kindern Geschichten erzählen. Dann gebe es noch ein Männerhaus, das es in jedem Dorf gebe und „Alltags- und Debattierort“ sei. Die Welten der Geschlechter sind in Papua-Neuguinea streng getrennt, zumindest waren sie es in dem Zeitraum von Beginn des 20. Jahrhunderts bis in die 60er-Jahre; der Zeitraum, mit der sich die Ausstellung „Tanz der Ahnen. Kunst vom Sepik in Papua-Neuguinea“ beschäftigt. Das Geschlechterverhältnis war vor der Aufklärung zwar auch in diesen Breitengraden distanzierter, aber von dem Brauch, dass Frauen und Kindern den Männern beim Tanzen zuschauen, hört man an diesem Dienstagvormittag das erste Mal.

Der Martin-Gropius-Bau hat sich bei der ersten großen Schau des Jahres einiges vorgenommen. Da ist die Erklärung eines nahezu unbekannten Territoriums. Sepik, so erklärt es der überzeugte Rheinländer und Direktor Gereon Sievernich, sei ein Fluss, so groß und mächtig wie der Rhein, der den Inselstaat durchzieht. Der Titel „Tanz der Ahnen“ ist eine Anspielung, denn die Ahnen würden in der Lebenswelt der Einwohner auf der Wasseroberfläche tanzen. Das Land werde regelmäßig überflutetet, die Wohnhäuser sind auf Pfählen errichtet, das Wasser ist Nahrungsquelle und zentral im Alltag.

Mag Berlin auch die ethnologischen Museen beherbergen, so wenig schadet es beim Thema Papua-Neuginea, quasi von Null anzufangen. Die Ausstellung verzichtet darauf, ethnologisch korrekt, jeglichen Eindruck von Skurrilität oder Exotik zu erwecken. Also, schweigen wir über Kopfjagden und reden über die Herausforderung für den Gropius-Bau. Denn die Schau hätte keinen besseren Zeitpunkt erwischen können, kommt sie doch gut in der Woche, in der der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) eine neuerliche Diskussion über das Humboldt-Forum wünscht. „Tanz von Ahnen“ ist auch ein Test für die künftige Inhalte des Schlosses: Wie sind ethnologische Funde zu präsentieren, sodass sie nicht nach zwei, drei Jahren, wenn die Touristen alle einmal dort waren, in Vergessenheit geraten? So geht es den Museen in Dahlem, und die Übungen, die das Humboldt Lab vorführt, stimmen nicht optimistisch.

Der Gropius-Bau nun, keine neue Beobachtung, hat eine Ausnahmestellung in Berlin, wenn es um Kuratieren und Präsentieren geht. Das zeigt auch diese Ausstellung. Die Mischung aus Video, Skulpturen, Erklärtafeln und Ton (Trommeln sind zu hören, so viel Exotik erlaubt man sich) ist vorbildlich. Die Ausstellung macht dem Besucher ein Angebot. Sie hat immer noch eine zusätzliche Information parat, aber sie überfordert ihn nicht. Und sie beantwortet Fragen intuitiv.

Gleich im ersten Raum stehen zwei lang gezogene Boote, die so schmal sind, das es doch verwundert. Die erste Vermutung ist falsch. Nein, die Einwohner sind nicht sehr schlank. Sie stehen ganz einfach beim Rudern. Ein Video zeigt die Technik. Das Video ist im Hintergrund und wird erst zum Blickfang, sobald sich der Besucher diese Frage stellt.

Entstanden ist die Ausstellung in Zusammenarbeit mit dem Musée du quai Branly. Das Museum mitten in Paris ist zählt pro Jahr eine Million Besucher und ist ob seines Erfolges auch bevorzugte Waffe gegen all die Nörgler, die die Popularität ethnologischer Funde zu bezweifeln wagen.

Dass das eines Tages im Berliner Schloss Gezeigte die Massen nicht interessieren könnte, das glauben „wir auf dem Podium ganz bestimmt nicht“, sagt Gereon Sievernich. Und dass die Besucher nicht zahlreich nach Dahlem kämen, sei „ungerecht“. Seine Ausstellung wird ein erster Gradmesser für das künftige Schloss werden. Gerecht oder ungerecht, an den Besucherzahlen wird sie gemessen werden.

„Tanz der Ahnen – Kunst vom Sepik in Papua-Neuguinea“ im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, bis 14. Juni 2015, Mittwoch bis Montag 10–19 Uhr.