Bühne

Staatsballett Berlin rüstet sich für das Jahr des Tanzes

Chefchoreograph Nacho Duato stellt kommende Spielzeit vor

In dieser Spielzeit hat der spanische Choreograph Nacho Duato die Intendanz des Staatsballetts übernommen – im Herbst 2015 folgt somit die zweite Spielzeit seiner Kompanie, und Duato stellt am Dienstag die kommende Saison in den Räumen der Deutschen Oper vor. Zeitgleich zur Ankündigung des neuen Programms stehen Diskussionen um Honorare, Gehälter und bessere Arbeitsbedingungen im Raum – Diskussionen, die von der Gewerkschaft Verdi im Umfeld der jüngsten Staatsballett-Premiere an der Komischen Oper angestoßen wurden. Rund 80 Prozent der Tänzer sind Mitglied bei Verdi. Die Stiftung Oper in Berlin verweigert Verdi jedoch unter Verweis auf Vereinbarungen mit kleineren Gewerkschaften das Gespräch.

Ungeachtet dessen wird am 22. Oktober 2015 die Saison des Staatsballetts mit einer Dreifachpremiere in der Deutschen Oper eröffnet. Während der Ballettchef Duato selbst sein Werk „Castrati“ beisteuert – eine tänzerische Hommage an die Stars der Barockzeit –, wird an diesem Abend auch die Choreographie „Petite mort“ von Duatos Staatsballett-Kollegen Jiří Kylián gezeigt, zu Musik von Mozart. Ein dritter für diesen Abend geplanter Teil wird von dem israelischen Choreographen Ohad Naharin gestaltet.

Erfolg beim Publikum austesten

Die Produktionen „Castrati“ und „Herrumbre“ sind nicht ganz neu, sie gehören zum künstlerischen Repertoire des Choreographen. Während „Castrati“ bereits 2002 entstand, schuf Duato „Herrumbre“ wenig später als Reaktion auf die Folterbilder von Abu Ghuraib. Unerwartet sei als Anlass für diese Gewalt-Choreographie das Attentat auf die U-Bahn von Madrid 2003 hinzugekommen. „Ich habe damals nur 200 Meter von der Station entfernt gewohnt. Die Bilder haben mich lange nicht losgelassen“, sagt Duato heute. „Herrumbre“ ist somit das Ergebnis seiner künstlerischen Beschäftigung mit medialen Gewaltbildern – zu teilweise elektronischer Musik von Pedro Alcalde und David Darling. Die Premiere wird am 14. Februar 2016 in der Staatsoper im Schillertheater stattfinden – die Produktion jedoch habe auch über die Berlin-Premiere hinaus Relevanz für das Jahr 2016. Das erläutert Christiane Theobald, stellvertretende Intendantin und Ballettdramaturgin der Deutschen Oper. Denn 2016 wird das „Jahr des Tanzes“ gefeiert. „Die Tanzszene will zeigen, dass ihre Kunst eine gesellschaftliche Relevanz hat und nicht nur eine schöne Attitüde ist.“

Nacho Duato hält nichts davon, gleich im ersten Jahr seiner Amtszeit als Nachfolger von Vladimir Malakhov das Programm für die nächsten vier Jahre festzuzurren. Zunächst müsse man den Erfolg der Produktionen beim Publikum austesten, überhaupt die Berliner Befindlichkeiten zur Kenntnis nehmen. „Die Atmosphäre in den Ballettstudios jedenfalls“, so Duato, „ist in den Proben zurzeit sehr gut“. Übrigens wird auch der in der Malakhov-Ära etwas versandete Kontakt zu Daniel Barenboim wiederbelebt. Kürzlich hat sich der Chefchoreograph während paralleler Arbeiten in der Mailänder Scala mit dem Generalmusikdirektor der Staatsoper erstmals beim Frühstück im Hotel zu möglichen gemeinsamen Projekten ausgetauscht.