Konzert

Kostümfeier mit Kleopatra

Popdiva Katy Perry macht die O2 World zum knallbunten Zirkus

Mit dem fünften Lied beginnt die ägyptische Phase. Katy Perry sitzt auf einem Pferd, das natürlich kein Pferd ist, sondern zwei Männer im Pferdekostüm, und trägt eine goldene, kleopatrahafte Haube. Die Peitsche hat sie nicht vergessen. Auf der Videoleinwand sehen wir einige Spielarten von Pyramidenanimationen, die Tänzerinnen stecken in klassischen Sklavenkostümen, die nur mit dem allernötigsten Material die Haut bedecken.

Katy Perry hat sich für ihre Welttournee zu ihrem dritten Album „Prism“ für ein Kostümfest entschieden. Den Anfang macht die sogenannte Prismatic-Phase, in der sieben Tänzer in Neonkleidung und mit leuchtenden Speeren auf die Bühne treten. Später sehen wir Katy Perry in einem Katzenoutfit, anschließend trägt sie eine sehr hübsche Perücke mit violettblondgrün gewelltem Haar, die ihr ausgesprochen gut steht. Noch später wird sie eine giftgrüne Perücke und neonpinkfarbene Schuhe tragen, aber zu dem Zeitpunkt haben wir leider den Überblick verloren, der wievielte Kleidungswechsel das war.

Im Oktober 2004 hat Katy Perry erklärt, dass sie „alles tun würde, um Aufmerksamkeit zu bekommen“. Und egal, wie man zu ihrem musikalischen Schaffen stehen mag, kann man nur konzedieren: Die 30-Jährige aus Kalifornien hat Wort gehalten. Die drei Alben, die Katheryn Elizabeth Hudson, seit sie sich Katy Perry nennt, veröffentlicht hat, waren allesamt Millionenseller. Fünf Singles von „Teenage Dream“ kamen in den Charts auf den ersten Platz, das erreichte zuvor nur Michael Jackson mit seinem „Thriller“-Album. Auch außermusikalisch wusste sie, wie sie im Gespräch bleibt. Erst zoffte sie sich mit Lily Allen und erfreute, nachdem sie von ihr als reine Kopie bezeichnet wurde, die Klatschpresse mit dem schönen Konter: „Ich bin eine fettere Version von Amy Winehouse und eine dünnere von Lily Allen.“ Aktuell gibt es ein wenig Reibereien mit Taylor Swift, weil Lily Allen nun wirklich nicht mehr in ihrer Liga spielt.

Die O2 World ist an diesem Freitagabend nicht ganz ausverkauft, im Innenraum ist zudem der gewaltigste Laufsteg, den man in dieser Halle je gesehen hat. Er ist ein Dreieck, in dessen Innenfläche die Zuschauer stehen, die um die 200 Euro für eine Karte übrig hatten. Katy Perry kümmert sich um die Gäste im Innenraum mit besonderer Hingabe. Sie schüttelt Hände, signiert eine Tasche und ist ganz verzückt von einer Dame, die eine gelungene Kopie ihrer selbst ist.

Katy Perry zeigt in diesen Momenten einen fröhlichen Charme, redegewandt, sympathisch und selbstironisch ist sie dann. Wenn es zu laut wird, ruft sie Nein ins Mikrofon, das Wort höre sie schließlich immer, sobald sie in Deutschland ist. Auch gibt sie der deutschen Sprache eine interessante Erweiterung, verwandelt sie doch „Ich liebe dich“ irgendwann in ein „Ich diebe dich“.

Zwei Stunden geht die Veranstaltung, die mehr Zirkus als Konzert ist. Immer wieder turnen Tänzer in beträchtlicher Höhe auf einem Eisengestell. Auch am Boden wird jede Menge Akrobatik aufgeführt, ein Funkenregen sprüht aus einer Gitarre, und man wartet jede Sekunde auf den Einmarsch der Feuerschlucker. Es ist das 125. Konzert auf dieser Tournee, erzählt sie. In der vergangenen Woche war sie in Dänemark, Holland und Hamburg, die nächste Station ist am heutigen Sonntag Riga. Sie hat bekommen, was sie wollte. Aber sie hat sich ihre Aufmerksamkeit auch hart erarbeitet.