Musical

Kreuzfahrt mit Udo Jürgens

Ein Probenbesuch bei Berlins neuem Musical „Ich war noch niemals in New York“

Eine Karrierefrau schiebt ihre Mutter ins Altenheim ab. Die verliebt sich dort in einen Mitbewohner und beide beschließen, auf Kosten der Tochter auf eine Kreuzfahrt zu gehen, um in New York zu heiraten. Die Tochter ist empört und reist den Ausreißern hinterher. Auf dem Schiff trifft sie auf den Sohn von Mutters Angebetetem, der wiederum seinem Vater hinterherjagt. Etliche emotionale Turbulenzen später liegen sie sich am Ende alle glücklich in den Armen.

Was klingt wie eine Episode aus dem Drehbuch für das ZDF-„Traumschiff“, ist der Stoff, aus dem ein deutscher Musicalhit gemacht ist. Was vor allem an den Liedern von Udo Jürgens liegt, die diese Show auskleiden. Von „Siebzehn Jahr, blondes Haar“ bis „Aber bitte mit Sahne“, von „Merci, Chérie“ bis „Griechischer Wein“. Im Dezember 2007 erlebte im Hamburger Operettentheater das Musical „Ich war noch niemals in New York“ seine Uraufführung. Am 25. März feiert das Stück seine Berliner Premiere im Stage Theater des Westens.

Das Musical ist eine Baustelle

Das Musicalhaus an der Kantstraße gleicht einer Baustelle. In allen zur Verfügung stehenden Räumen wird gesägt und gehämmert, getanzt und geprobt. Überall stapeln sich Kisten, Kulissenteile und Flight-Cases mit Werkzeug, Kabeln, Elektronik. Nachdem „Ich war noch niemals in New York“ in Hamburg vom Stapel gelaufen war, ging es in Wien, Stuttgart, Zürich und Oberhausen vor Anker. 2011 kam es sogar in japanischer Sprache im Imperial Garden Theater in Tokio auf die Bühne.

Rund vier Millionen Menschen haben das Musical bis heute gesehen. Und doch ist in Berlin alles anders. Denn es wird die erste Premiere sein, die ohne Udo Jürgens stattfindet. Am 21. Dezember ist der Sänger im Alter von 80 Jahren gestorben. Von Anfang an war der Sänger mit im Team. Es ist sein Musical. Er hat es konsequent mit Rat und Tat begleitet. Seit der Wiener Aufführung 2010 hat die niederländische Schauspielerin und Regisseurin Carline Brouwer die Regie übernommen. Und probt jetzt mit den Darstellern im Theater. Ohne Ratgeber Udo Jürgens. „Wir haben uns sehr oft getroffen“, sagt sie. „Udo Jürgens ist ein Phänomen. Er war so nett, so höflich und so professionell. Er hat immer mitgedacht und Tipps gegeben. Es gab Dinge, die ihm nicht gefallen haben, Sachen, die er geliebt hat, oder Szenen, die er anders haben wollte. Aber er war immer charmant und respektvoll.“

Die an der Maastricht Actors Academy in Holland ausgebildete Carline Brouwer stand als Julia in „Romeo und Julia“, als Ophelia in „Hamlet“ oder als Polly Peachum in der „Dreigroschenoper“ auf der Bühne. „Ich habe immer eine große Liebe für das Musical gehabt“, sagt sie. „Das war immer mein Traum. Aber ich bin Schauspielerin geworden, weil es sich so ergeben hat. Letztlich habe ich 20 Jahre kein Musical gemacht. Und jetzt bin ich Regisseurin hier. Schauspiel, Tanz und Musik, das ist das ultimative Glücksgefühl. Ich fühle mich noch immer wie Alice im Wunderland.“

Dabei hat sie bereits Musicals wie „Ich will Spaß“ in Essen, „Der Schuh des Manitu“ in Berlin und „Sister Act“ in London inszeniert. „Ich bin noch niemals in New York“ ist für sie ein Stück, das sich mit jedem neuen Spielort und jedem neuen Darsteller immer wieder verändert. „Das ist das Schöne daran, wir wollen ja kreativ bleiben“, sagt sie. „Wir ändern sehr viel, damit es besser und besser wird. Wir haben auch das Buch überarbeitet und fast 20 Minuten rausgenommen, damit es peppiger, knackiger und zeitgemäßer ist. Und es gibt neue Darsteller, die neue Energie mitbringen. Ich sage immer: Als Regisseur bin ich ein Dieb, der einfach klaut, was spannend oder interessant ist. Damit fange ich an zu basteln und zu bauen.“

Von einem Udo zum anderen

Zum neuen Berliner Ensemble zählt auch Sarah Schütz, die zuletzt im Lindenberg-Musical „Hinterm Horizont“ am Potsdamer Platz auf der Bühne stand. Von Udo Lindenberg zu Udo Jürgens. Sie spielt die Hauptrolle der Karrierefrau Lisa Wartberg. „Das ist eine Frau, die ganz viel an ihrer Karriere arbeitet, dadurch aber wenig Zeit hat für Privates“, sagt sie. „Obwohl das Gefühl da ist, dass da irgendwas fehlt. Sie widmet sich mit ganzer Leidenschaft ihrer Arbeit, aber dadurch, dass ihre Mutter einfach mit ihrem Schatz abhaut, wird sie aus der Bahn geworfen. Da wird neu gewürfelt. Das ist schön zu spielen. Auf der einen Seite die Karriere, auf der anderen das Gefühl, und wie sich das zusammenbringen lässt. Es ist ein Kampf. Das finde ich spannend.“

Für Sarah Schütz ist „Ich war noch niemals in New York“ Neuland: „Ich komme ganz frisch rein in dieses Stück und diese Musik.“ Natürlich kenne sie Udo Jürgens Musik aus ihrer Kindheit. „Aber begleitet hat sie mich nicht. Erst durch dieses Stück lerne ich jetzt Lieder kennen. Aber sich mit jemandem zu befassen, bei dem man vorher nicht so viele Anknüpfungspunkte hatte, das war auch schon bei Udo Lindenberg und ,Hinterm Horizont‘ so.“ Ihr Musicaldebüt feierte sie 2006 als Kate in „Kiss me, Kate!“ am Staatstheater Braunschweig. „Da war ich 26 und hab schon die Kate gespielt. Eine ganz junge Kate, das weiß ich noch gut. Das war auch so eine Zähmung, wie jetzt hier.“ Sagts und zieht sich mit ihrer Regisseurin Carline Brouwer wieder zurück auf die Probenbühne.

Vom 25. März bis zum 27. September wird „Ich war noch niemals in New York“ in Berlin aufgeführt.