Immobilien

Michael Müller will neu über das Schloss nachdenken

Der Regierende Bürgermeister sorgt für Irritationen

Während der Bauarbeiten sollen die Pläne für die Nutzung des Berliner Stadtschlosses noch einmal geändert werden. „Es muss erlaubt sein – bei einem Bau, der 2019 fertig sein soll – zu überlegen, ob wir uns mit dem Konzept bestmöglich aufstellen“, sagte Regierungschef Michael Müller (SPD) am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. Bei der Nutzung sollten wissenschaftliche und geschichtliche Einwicklungen einbezogen werden, die von Berlin ausgingen.

„Um darüber zu diskutieren, ist jetzt der richtige Zeitpunkt“, meinte Müller. Er habe den Anspruch, sowohl im Zeit- wie im Kostenrahmen fertig zu werden. Auch die bisherige Planung, mit der Zentral- und Landesbibliothek (ZLB) eine „Welt der Sprachen“ zu präsentieren, hätte laut Müller Mehrausgaben von sechs Millionen Euro bedeutet.

Nach Informationen der „Berliner Zeitung“ könnte statt der „Welt der Sprachen“ die Stiftung Stadtmuseum Berlin mit einer Präsentation der Berliner Geschichte einziehen. Der Chef der Stiftung Berliner Schloss, Manfred Rettig, warnte im „Tagesspiegel“ vor großen Veränderungen. „Wenn die Änderung des Konzepts in die technischen Strukturen eingreift, bauen wir in Berlin einen neuen Flughafen BER“, sagte er.

Nicht mehr einzuschätzende Kosten

Die Befürchtungen Rettigs sind bekannt. „Viele Laien können sich gar nicht vorstellen, was es bedeutet, wenn man in diesem Stadium Veränderungen vornimmt“, hatte er in einem Interview mit der Berliner Morgenpost im Oktober 2014 gesagt. Jede Form von Nutzung habe eine andere Form von Technik. „Ein Gebäude wie das Humboldt-Forum besteht zu 40 Prozent aus Technik.“ Der ganze Keller sei voll mit Technik, die nur Erdgeschoss und 1. Obergeschoss bedient. „Wer hier verändert, übernimmt automatisch die politische Verantwortung für nicht mehr einzuschätzende Kosten.“

Der Vorstoß Müllers kommt zur Unzeit, konzentriert sich die Diskussion um das Schloss derzeit doch auf zwei andere Gebiete. Zum einen entspricht das Spendenaufkommen, das für die Fassade eingesetzt wird, noch nicht den Erwartungen. Es müsse „sich deutlich verbessern“, hatte in dieser Woche der Berichterstatter für Kultur und Medien im Bundestag, Rüdiger Kruse (CDU), in der Berliner Morgenpost gemahnt. Das sei „das Versprechen der Schloss-Befürworter gewesen. Und jetzt muss das Team um Herrn Rettig eben liefern“.

Zudem verzögert sich offensichtlich die Suche nach einem Intendanten für das Humboldt-Forum, nachdem es Anfang des Jahres noch so ausgesehen hatte, als würde das Bundeskulturministerium rasch fündig werden.