Nachruf

Barbapapas Papa: Talus Taylor mit 82 Jahren gestorben

In deutschen Grundschulen und Kindergärten haben die 70er-Jahre niemals aufgehört.

Hier soll jetzt gar nicht von bildungspolitischen Experimenten die Rede sein, sondern von der Freizeitkultur. Kinder unter zehn Jahren gebrauchen immer noch Wörter wie geil oder Kumpel, die nach Udo Lindenberg klingen. Wenn sie etwas nicht wollen, sagen sie: „Ich habe keinen Bock.“ Und ihre Helden heißen Yakari und Barbapapa.

Die Schöpfer dieser beiden Comicfiguren haben mit Merchandising nach der Jahrtausendwende möglicherweise mehr verdient als in den 70er-Jahren. 2001 erschien sogar ein Barbapapa-Playstation-Spiel. Und der Autor dieser Zeilen hat seinen zweieinhalb Jahre alten Töchtern am Dienstag zwei H&M-Schlüpfer angezogen, die mit Mitgliedern der Barbapapa-Familie verziert waren. Es war keine bewusste Hommage an den Erfinder dieser Figuren, Talus Taylor. Die Nachricht von seinem Tod im Alter von 82 Jahren erreichte uns erst später.

Die Inspiration hieß Zuckerwatte

Wer in den 70er-Jahren ein Kind war, hat den Anfang der „Barbapapa“-Fernsehserie im ZDF unauslöschlich im Gedächtnis, wo immer, bevor die eigentliche Geschichte begann, vom Synchronsprecher Peter Kirchberger (heute die deutsche Stimme von Wallace in den „Wallace & Gromit“-Filmen) die Namen der neun Familienmitglieder rezitiert wurden: „Barbapapa, Barbamama, Barbabella, Barbaletta, Barbarix, Barbawum, Barbabo, Barbakus, Barbalala.“ Man sieht: Nicht nur die Körper der sitzsackförmigen Figuren wurden von Taylor und seiner Ehefrau Annette Tison (einer Architektin) seriell gestaltet, sondern auch ihre Namen.

Einer Anekdote nach empfingen der in San Francisco geborene Biologielehrer Talus Taylor, der in den 70er-Jahren nach Frankreich gezogen war, und seine damalige Verlobte Tison die Inspiration für ihre Comicschöpfung an einem schönen Maitag 1970 im Pariser Park Jardin du Luxembourg. Taylor hörte wie ein Kind dort von seinen Eltern etwas verlangte, das klang wie „Baa baa baa baa“. Sie erklärte ihm, dass damit „barbe à papa“ gemeint sei – das französische Wort für Zuckerwatte. Bald darauf skizzierten sie in einem Restaurant auf einer Serviette eine Figur, die von der Zuckerwatte inspiriert war: rosa und ganz rundlich.

Barbapapa, der in der ersten Geschichte noch allein war, besaß die magische Fähigkeit seinen unförmigen Körper in alle möglichen Formen zu verwandeln – beispielsweise in eine Brücke oder eine Schubkarre. Der Zauberspruch dafür lautete auf Französisch „Hup Hup Hup, Barbatruc“ und auf Deutsch „Ra-Ru-Rick, Barbatrick“. Mit dieser Gabe half die Barbapapa-Familie meist anderen Wesen, die in Not waren.

Taylor starb, wie französische Medien erst jetzt berichten, bereits am 19. Februar. Seine zehn Jahre jüngere Frau und Arbeitspartnerin ist nun die Alleinherrscherin im Barbapapa-Universum.