Bühne

Wegen Blasphemie wird gegen russischen Opernchef ermittelt

Wegen des Vorwurfs der Verletzung religiöser Gefühle ermittelt die russische Staatsanwaltschaft gegen den Intendanten des Opernhauses in Nowosibirsk, Boris Mezdrich, und den Regisseur Timofej Kuljanin.

Beide sollen mit der Inszenierung der Wagner-Oper „Tannhäuser“ das „Bild von Jesus Christus“ öffentlich geschändet und damit eine Ordnungswidrigkeit begangen haben, teilte die Staatsanwaltschaft der sibirischen Metropole am Dienstag mit. Anlass der Ermittlungen seien Anzeigen des orthodoxen Metropoliten von Nowosibirsk, Tichon, und eines Vertreters des Innenministeriums.

Mezdrich und Kuljanin drohen den Angaben zufolge eine Geldbuße und bis zu 120 Stunden gemeinnützige Arbeit. Das staatliche Opern- und Ballett-Theater Nowosibirsk kündigte in einer ersten Reaktion an, es werde seine „künstlerische Politik“ verteidigen. Die seit Ende Dezember zum Repertoire zählende Oper werde nicht abgesetzt. Der Metropolit hatte kritisiert, die „Tannhäuser“-Inszenierung demütige gläubige Menschen, beleidige die orthodoxe Kirche und schüre „religiöse Feindschaft“. Die Ermittler wollen laut örtlichen Medienberichten eine vom Opernhaus zur Verfügung gestellte Videoaufzeichnung der „Tannhäuser“-Inszenierung prüfen. Kulturschaffende sprachen von einem Zensurversuch der Kirche und einem Rückfall in eine Geisteshaltung der Zarenzeit.